Die „neue RWE“: Energiewende mit Versorgungssicherheit


von Dr. Rolf Martin Schmitz

Das Rad der Wirtschaftsgeschichte weiterzudrehen, technischen Fortschritt voranzutreiben, die Menschen verlässlich mit bezahlbarem Strom zu versorgen – dazu hat RWE in ihrer 120-jährigen Firmenhistorie beständig beigetragen.

Wird uns das auch in Zukunft gelingen? Eindeutig ja, denn wir werden auch die nächste Transformation erfolgreich meistern.

Seit der Gründung hat sich RWE vom lokalen Elektrizitätswerk zum internationalen Stromproduzenten entwickelt. Auf dem Weg dahin gab es wirtschaftspolitische Meilensteine, die von RWE mitgeprägt wurden. Beim Wiederaufbau Deutschlands war die Kohle als Energielieferant für das deutsche Wirtschaftswunder gefragt. In den 1960er Jahren begann die Zeit der Kernkraft. In den letzten Jahren dann der Ausbau der Erneuerbaren Energien, parallel Kernenergieausstieg bis 2022 und jetzt die Diskussion, bis wann wir aus der Kohle aussteigen wollen und können.

Parallel zu diesen dramatischen Umwälzungen in der Energielandschaft hat sich auch RWE stets erneuert. Veränderungsbereitschaft ist eine grundlegende Eigenschaft, die über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheidet. In diesem Sinne befindet sich RWE derzeit in der nächsten Transformationsphase ihrer Geschichte.

Im Jahr unseres Jubiläums 2018 haben wir eine weitreichende Transaktion, die von RWE und E.ON, bekanntgegeben. Mit dem Verkauf unserer innogy-Anteile und dem Tausch von Geschäftsfeldern mit E.ON wird RWE dauerhaft zu einem der führenden Stromerzeuger Europas. Dabei erhalten wir vor allem eine große Plattform Erneuerbarer Energien. Auf einen Schlag wird RWE so zum zweitgrößten Offshore-Wind-Betreiber und zur Nummer drei bei den Erneuerbaren Energien insgesamt in Europa.

Künftig kommen mehr als 60 Prozent unseres Stroms aus Anlagen mit nur geringen oder gar keinen CO2-Emissionen. Er stammt aus Gaskraftwerken beziehungsweise aus Wasser, On- und Offshore-Wind sowie Photovoltaikanlagen. Um diese hervorragende Ausgangssituation weiter auszubauen, werden wir für künftige Erneuerbaren-Projekte nach Abschluss der Transaktion jährlich rund 1,5 Milliarden Euro bereitstellen.

Die konventionelle Erzeugung bleibt daneben eine wichtige Säule des Konzerns. Wir wollen auch hier weiter wachsen und unser Portfolio punktuell ergänzen. Das betrifft vor allem den Bereich Gas, wo wir heute schon – gemessen an der Kapazität – europaweit die Nummer vier sind. Angesichts absehbarer Engpässe auf den europäischen Märkten haben sich die Aussichten für diese Anlagen aktuell verbessert. Daher bringen wir z. B. unser seit 2014 außer Betrieb genommenes Gaskraftwerk „Claus C“ im niederländischen Maasbracht wieder ans Netz.

Mit unserer Erzeugungsflotte können wir 80 Prozent gesicherte Leistung anbieten und Strom immer dann produzieren, wenn die Erneuerbaren nicht ausreichend liefern können. Wir schaffen die „neue RWE“, die über eines der leistungsfähigsten Anlagenportfolios Europas verfügt. Dabei stehen wir für eine Energiewende, die gleichzeitig Versorgungssicherheit bietet.

Der Prozess der Transaktion ist auf einem guten Weg. Integrationsteams entwickeln gemeinsam für die beteiligten Unternehmen tragfähige Lösungen. Mit E.ON und innogy arbeiten wir intensiv daran, die Fusionskontrollverfahren so rasch wie möglich zu durchlaufen. Die Freigabe erwarten wir für Sommer 2019. Sobald die zuständigen Behörden die kartellrechtlichen Genehmigungen erteilt haben, wird das erste Closing erwartet. Dann wird E.ON Mehrheitsaktionär von innogy und im Anschluss werden die Erneuerbaren Geschäfte von E.ON und innogy zeitnah auf RWE übertragen. In Summe wechseln Vermögenswerte in Höhe von nahezu 40 Milliarden Euro den Eigentümer. Allein hieran ist sehr gut ablesbar, wie umfassend die Transformation ist, in der sich RWE gerade befindet.

Die Transaktion wird RWE deutlich prägen. Der Anteil der Erneuerbaren an unserem Ergebnis wird künftig rund 60 Prozent betragen. 20 Prozent unseres Ergebnisses werden dann aus der konventionellen Energieerzeugung kommen, 10 Prozent aus unserem Handelsgeschäft und weitere 10 Prozent aus unseren Finanzbeteiligungen. 90 Prozent unseres Gesamtergebnisses werden wir am Ende also aus dem operativen Geschäft bestreiten.

Die „neue RWE“ ist Energiewende mit Versorgungssicherheit. Wir bei RWE sind überzeugt, dass wir mit der Transaktion einen wichtigen Meilenstein setzen. Wir werden die Energiewende aktiv gestalten und dabei die Faktoren Versorgungssicherheit, bezahlbarer Strom und Klimaschutz vereinen – damit die Energiewende zu einem Erfolgsmodell für Deutschland und zu einem Vorbild für andere Länder wird.

Dr. Rolf Martin SchmitzDr. Rolf Martin Schmitz
Vorstandsvorsitzender
RWE AG