Von Tellerrändern und Branchenverstehern

Prof. Dr. Alexander von Erdély

Prof. Dr. Alexander von Erdély, CEO bei CBRE Deutschland

Worin genau besteht eigentlich dieser Tellerrand, von dem es immer wieder heißt, dass wir als Immobilienbranche über ihn hinwegschauen sollen? In einem von Innovationsdiskursen getriebenen Markt gibt es dazu immer wieder unterschiedliche Antworten – vom radikalen Alles-anders-machen bis hin zu denjenigen, die mit dem „Tellerrand“ eigentlich nur diesen einen analogen Prozess meinen, den sie schon immer mal digitalisieren wollten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Branche nicht grundsätzlich umdenken muss. Aber die innovative Weiterentwicklung der Immobilienbranche ist gerade dann wichtig, wenn die vielen Akteure die wirtschaftliche Kraft und eine gute Ausgangslage hierfür haben. Jetzt ist die Zeit sich Gedanken über die Immobilienbranche der Zukunft zu machen.

Denn dass wir nicht einfach so an den vergangenen Erfolgsmodellen festhalten können, haben uns nicht zuletzt Innovationen wie das Coworking gezeigt. Warum sollte sich ein Unternehmen auch zu einem Zehnjahresmietvertrag hinreißen lassen, wenn seine gesamten Projektaufträge nur drei bis fünf Jahre dauern? Der geringe Vorteil beim monatlichen Mietpreis dürfte kaum einen Anreiz darstellen. Und das ist nur das plakativste Beispiel einer Vielzahl von möglichen Umbrüchen.

Genau hier kommt für mich der besagte Tellerrand ins Spiel: Wir müssen beginnen, unser branchenübergreifendes Wissen auszubauen und von anderen Wirtschaftszweigen zu lernen. Damit meine ich nicht nur die viel zitierte Orientierung an der Finanzbranche. Wir müssen alle Immobiliennutzer besser kennenlernen – von der Autoschmiede über den Maschinenbauer bis hin zum Consultant oder zur Kreativagentur. Genau für diesen „Cross-Industry“-Ansatz erhoffe ich mir auf der diesjährigen Ausgabe von Rethinking Real Estate wichtige Impulse.