StaRUG: die Finanzierung danach?

StaRUG: die Finanzierung danach?

Der durch die Covid-19-Pandemie drohende Kollaps der europäischen Gesundheitssysteme konnte glücklicherweise verhindert werden. Allerdings haben die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie massive Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auch wenn durch die zahlreichen Konjunkturpakete zumindest eine kurzfristige Liquiditätskrise vermieden werden konnte, ist dadurch hierzulande die Verschuldung deutlich gestiegen. So lagen allein die von der KfW im Zusammenhang mit der Pandemie bewilligten Mittel zuletzt bei rd. 50 Mrd. Euro.

StaRUG: die Finanzierung danach?

Entsprechend weisen ein Jahr nach der Pandemie insbesondere mittelständische Unternehmen eine erhöhte Verschuldung bei erheblich verschlechterter Profitabilität auf, was eine deutlich schwächere Eigenkapitalquote nach sich zieht. Eine mittelfristig denkbar schlechte Kombination für die Bonität und damit die Finanzierbarkeit einer Vielzahl von Unternehmen.

In der Vergangenheit wäre eine Insolvenz das Mittel der Wahl gewesen, um solche Situation zu lösen. Doch der Gesetzgeber hat den Restrukturierungpraktikern mit dem Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen („StaRUG“) ein neues Instrumentarium an die Hand gegeben, das bei einer vorinsolvenzlichen Krise ansetzt und Unternehmen, die drohend zahlungsunfähig sind, eine aussergerichtliche Sanierung ermöglicht. Anders als bisher ist es Unternehmen durch das StaRUG möglich, finanzielle Restrukturierungsbeiträge ihrer Finanzierer auf Basis einer Mehrheitsentscheidung zu erwirken.

Erste Beispiele mit entsprechenden Erfolgen sind bereits beobachtbar und zeigen Potenziale für vielversprechende Brücken- und Anschlussfinanzierungen auf. Schliesslich braucht es auch nach einer finanziellen Restrukturierung Fremdkapital. Dieses kann jedoch nur noch in Ausnahmefällen von herkömmlichen Kreditinstituten bereitgestellt werden, da die Anzahl der Unternehmen, die sich für eine Bankfinanzierung qualifizieren, aufgrund der zunehmenden Regulierung weiter abnehmen. Die Finanzierung von Sondersituationen dürfte im Zuge dessen gänzlich aufgegeben werden.

Alternative Finanzierungsformen werden daher weiter Marktanteile hinzugewinnen. Insbesondere Private Debt Funds werden davon profitieren. Es handelt sich um spezialisierte Fundvehikel, die auf Basis des Kapitals institutioneller Investoren, Fremdfinanzierung an Unternehmen ausreichen. Sie bilden insofern eine ratingunabhängige Finanzierungsquelle, die deutlich vorteilhafter als eine Bankfinanzierung sein kann. Finanzierungsentscheide von Private Debt Funds können nämlich neben quantitativen, auch qualitative Faktoren mit einbeziehen und sie zudem in entsprechenden Finanzierungsstrukturen reflektieren.

Die Zahl der entsprechenden Anbieter am Markt und deren verwalteten Volumina steigen kontinuierlich. Insbesondere in Sondersituationen, wie bei einer Sanierung unter dem neuen StaRUG-Regime oder in der Insolvenz, ist daher die Verschiebung weg von herkömmlichen hin zu alternativen Finanzierern absehbar.

Knud Dippel, Director Private Debt, PATRIMONIUM ASSET MANAGEMENT AG