Weltmarktführer des Wandels

Wenn eine Region in Deutschland den Beweis angetreten hat, dass sie Wandel will und Wandel kann, dann ist es das Ruhrgebiet. Heute sprechen wir von der Metropole Ruhr, zu der sich 53 Städte zusammengeschlossen und gemeinsam mit ihren Unternehmen aufgemacht haben, Disruption als Chance zu begreifen und völlig neue Märkte für sich zu erobern.

Die Metropole Ruhr hat sich begleitend zum schrittweisen Ausstieg aus der Steinkohle in den letzten Jahren erfolgreich auf vielen zukunftsträchtigen Märkten völlig neu positioniert. Mit einer breiten Basis an kleinen, mittleren und großen Unternehmen sowie Hochschulen und Forschungsinstitutionen nimmt sie heute Spitzenpositionen ein in den Branchen Mobilität, Logistik, Umweltwirtschaft, Gesundheit und Digitale Kommunikation. Basis dafür ist ein immer noch starker industrieller Kern mit über 300.000 Beschäftigten.

Ein gutes Beispiel, wie aus Problemen der Vergangenheit ein ganz neuer Markt entstehen kann, ist die Umweltwirtschaft. Mittlerweile gehört das Geschäft mit Ressourceneffizienz zu den wichtigsten Standbeinen in der Region. Zwischen Duisburg und Dortmund, so stellt der Umweltwirtschaftsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen fest, arbeiteten 2016 rund 106.000 Menschen in der Greentech-Branche, und somit 8.000 mehr als noch 2010. Jeder dritte Greentech-Arbeitsplatz des Landes liegt im Revier, das mit grünen Produkten heute 23 Milliarden Euro erwirtschaftet und damit den umweltwirtschaftlichen Schwerpunkt im größten deutschen Bundesland bildet.

Die Metropole Ruhr hat das Potenzial, zum aufstrebenden Standort für Start-ups zu werden.

Benchmark für die Welt

Ein Vorzeigeprojekt, das international sehr viel Anerkennung erfährt, ist die Renaturierung der Emscher. Der Fluss, der mehr als 100 Jahre die Abwässer von Millionen Menschen verkraften musste, wird mit hochmodernen Kläranlagen und Pumpwerken schrittweise in ein naturnahes Gewässer zurückverwandelt. Der Rückbau ist Europas größtes Infrastrukturprojekt mit einer hohen Nachhaltigkeit für die Quartiersentwicklung, da es dazu beiträgt, die Qualität für Wohnen und Arbeiten entlang der Emscher zu erhöhen.

Ein weiteres Beispiel ist die Fernwärmeschiene Rhein-Ruhr – Europas größtes Verbundnetz, das 2019 in Betrieb gehen soll. Es transportiert Abwärme aus Fabriken und Kraftwerken über mehr als 50 Kilometer quer durch die Region zu den Verbrauchern. Mit diesem Projekt lassen sich pro Jahr 100.000 Tonnen CO2 einsparen.

Maßnahmen wie diese verschaffen den beteiligten Unternehmen Spezialkenntnisse, die einmalig in der Welt sind. Daher steht ein Besuch bei der Emschergenossenschaft und ihren Partnern auch immer auf der Agenda, wenn Delegationen aus China, Korea, Japan oder Kolumbien die Metropole Ruhr besuchen, um sich über Umwelt-High-Tech zu informieren.

Mit diesem Know-how hat die Metropole Ruhr beste Chancen an dem gigantischen Umsatzvolumen zu partizipieren, das nach Zahlen des Bundesumweltministeriums in diesem Markt steckt. 2016 lag es schon bei über 3,2 Billionen Euro weltweit und soll bis 2025 auf knapp sechs Billionen Euro klettern.

Stetig erneuert wird das Know-how in der Umwelttechnologie durch die große Dichte an wissenschaftlichen Einrichtungen, für die das Thema Greentech eine herausragende Rolle spielt: Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen zum Beispiel, außerdem sind mehrere Hochschulen an der Ruhr hier führend.

Pionier in der Gesundheitswirtschaft

Eine marktführende Stellung hat sich auch die Gesundheitswirtschaft erarbeitet. Mit rund 30 Milliarden Euro Umsatz trägt sie ein Fünftel zum regionalen Bruttoinlandsprodukt bei. Die Branche zieht Fachkräfte, Studierende, Gründer und Unternehmer von weither an und ist mit über 330.000 Beschäftigten der stärkste Jobmotor der Region. Nirgendwo sonst in Deutschland ist das Netz aus universitären Forschungseinrichtungen, Kliniken, niedergelassenen Ärzten und innovativen Medizintechnik-Start-ups dichter. Neben rund 6.700 Unternehmen geben die medizinischen Hochschulen in Bochum, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Mülheim und Witten-Herdecke stetig neue Impulse und sorgen mit dafür, dass die Region auf vielen Feldern der Gesundheitsbranche als Pionier gelten kann. Das liegt vor allem an der engen Zusammenarbeit der beteiligten Player. So ist zum Beispiel mit MedEcon Ruhr ein Netzwerk aus 150 Unternehmen und Einrichtungen der Klinikwirtschaft, Gesundheitsversorgung und -forschung entstanden. MedEcon Ruhr sitzt auf dem Gesundheitscampus Bochum, der auch die Hochschule für Gesundheit mit 1.300 Studierenden beherbergt.

Dank Digitalisierung und Big Data stehen die Zeichen auch in dieser Branche weiter auf Wachstum: Diagnosesysteme, angetrieben durch Künstliche Intelligenz, personalisierte Behandlung und die elektronische Gesundheitsakte, sind laut PwC Deutschland Trends mit riesigem Potenzial.

Digitalwirtschaft ist Impulsgeber für alle Branchen

Dass die Gesundheitswirtschaft die Chancen der Digitalisierung nutzt, ist auch Verdienst der Digitalwirtschaft. Die Digitale Kommunikation ist selbst ein wichtiger Leitmarkt der Region und Ideengeber sowie Zulieferer von Querschnitttechnologie für andere Branchen. Wie das Forschungsinstitut Prognos feststellt, könnte die Digitalisierung der Industrie der große Wachstumstreiber für das Ruhrgebiet in den nächsten Jahren werden. Kommunikations- und Analysesoftware, Datenbanklösungen und IT-Sicherheitstechnik bilden das Fundament für soziale Medien, E-Commerce und andere Dienstleistungen im Internet. Die Hersteller und kommerziellen Anwender solcher Technologien haben 2017 in der Metropole Ruhr mit mehr als 52.000 Beschäftigten in knapp 6.300 Unternehmen über 6,7 Milliarden Euro erwirtschaftet – ein Zuwachs von sechs Prozent. Damit vereint die Metropole Ruhr nach Zahlen des Branchenverbands Bitkom rund elf Prozent des bundesweiten Marktvolumens im Bereich Software und IT-Services auf sich.

Gutes Klima für Start-ups

Generell hat die Metropole Ruhr das Potenzial, zum aufstrebenden Standort für Start-ups zu werden. In ihrem Start-up-Barometer stellte die Unternehmensberatung EY bereits für ganz NRW einen deutlichen Anstieg bei den Finanzierungssummen junger Unternehmen fest: Es kletterte von 54 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2017 auf rund 129 Millionen in der ersten Hälfte von 2018 – und damit um satte 138 Prozent. Dabei wurden 24.600 von den insgesamt 90.000 NRW-Unternehmen in der Metropole Ruhr gegründet. Hier hat die Region einen deutlichen Vorsprung vor allen anderen im Bundesland.

Das gute Klima für Start-ups wird von einer Vielzahl an Netzwerken, Initiativen und Förderprojekten gestützt. So geht es etwa beim „Starbuzz“-Accelerator in Mülheim an der Ruhr darum, die bereits starke Stellung der Metropole Ruhr in den Bereichen Logistik und Handel durch neue Ideen und die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen zu stärken. Dabei wird jungen Start-ups der Zugang zu etablierten Unternehmen der Branchen ermöglicht. Das Mentoren-Programm wurde vom „ruhr:HUB“ – einer Initiative der Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr und der BMR zur Förderung der Digitalisierung – sowie der Mülheimer Wirtschaftsförderung gemeinsam mit 35 Handels-und Logistikunternehmen 2017 ins Leben gerufen. Seitdem haben 13 Start-ups aus Deutschland und dem Ausland das Programm erfolgreich durchlaufen.

Auf ähnlichen Pfaden ist das Projekt „Startport“ unterwegs. Mit diesem werden junge Logistik-Unternehmen durch ein Programm des Hafens Duisburg gecoacht. Hier bringt sich der Duisport mit seinem ganzen Potenzial als größter Binnenhafen Europas und Endpunkt der neuen Seidenstraße ein, um Katalysator zu sein für weiteres Wachstum der Logistik-Branche.

Dichte Bildungs- und Forschungslandschaft

Insgesamt hat die Metropole Ruhr in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge dafür getan, junge Unternehmen und Nachwuchskräfte zu begeistern und an die Region zu binden. 255.000 junge Menschen – das ist etwa jeder zehnte Studierende im Bundesgebiet und jeder dritte in Nordrhein-Westfalen – studieren derzeit an einer der 22 Hochschulen in der Region. Eine junge, dynamische Hochschullandschaft. Keine der Einrichtungen ist älter als 50 Jahre. Die vier Universitäten, 15 Fachhochschulen sowie zwei Kunst- und Musikhochschulen formen eine der dichtesten Bildungs-und Forschungslandschaften in Europa.

Inhaltlich passt deren Fächerangebot hervorragend zu den Leitmärkten, auf die sich die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort fokussiert: Umwelttechnologie, Gesundheit und Medizintechnik, E-Commerce und IT sowie Logistik. Mehr als jeder dritte Erstsemester-Student (37 Prozent) entscheidet sich hier für ein ingenieurwissenschaftliches Fach, 17 Prozent für Mathematik oder eine andere Naturwissenschaft. Das ist deutlich mehr als im Rest des Bundeslandes NRW (25 und 11 Prozent) und für die Wirtschaft, die allenthalben nach Absolventen aus den MINT-Fächern fahndet, ein starker Standortvorteil.

Zusammenarbeit stützt Forschung und Lehre

Auch hier ist enge Zusammenarbeit ein starker Treiber: Bereits vor über zehn Jahren entstand die „Universitätsallianz Ruhr“, zu der die Ruhr-Uni Bochum, die TU Dortmund und die Uni Duisburg-Essen sich verfl ochten haben. 120.000 Studierende können seither aus Lehrangeboten der drei Hochschulen wählen. Zudem arbeiten 14.000 Wissenschaftler gemeinsam an fach- und hochschulübergreifenden Projekten. Kooperation ist auch das Erfolgsprinzip der „Ruhr Master School“, in der die Hochschulen Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen ihre Ingenieur- und Informatikkompetenz bündeln.

Alte Klischees sind überholt

Die Beispiele zeigen: alte Klischees vom Ruhrgebiet sind längst von der Wirklichkeit überholt. Seit elf Jahren wächst die Zahl der Jobs in der Metropole Ruhr stetig. Diese positive Entwicklung verdeutlicht, dass Unternehmen und Kommunen in der Region zuletzt viele richtige Entscheidungen getroffen und so beste Voraussetzungen geschaffen haben, den Sprung der Region in die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

Die Business Metropole Ruhr GmbH arbeitet gemeinsam mit den Wirtschaftsförderungen der Kommunen weiter daran, den Standort national und international zu vermarkten sowie Unternehmen, Gründer und Wissenschaft über konkrete Projekte miteinander zu vernetzen, um so das Fundament für weiteres Wachstum in der Metropole Ruhr zu legen.

Diese entwickelt und vermarktet den Wirtschaftsstandort Metropole Ruhr. Sie bündelt die wirtschaftlichen Interessen der 53 Städte der Region. Ziel der Arbeit der BMR ist, die Wettbewerbsfähigkeit des Ruhrgebiets zu steigern und die Region als Impulsgeber fortwährend weiterzuentwickeln sowie das Image des Wirtschaftsstandortes als leistungsstarke und innovative Region national und international zu fördern.

Rasmus C. BeckRasmus C. Beck
Geschäftsführer (Vorsitzender)
der Business Metropole Ruhr GmbH

Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Die Zukunft der Industrie“, das Sie hier erhalten können.

 

 

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