Politische Kommunikation und Interessen junger Wähler:innen im „Superwahljahr 2021“

Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl – und die wird besonders spannend. Denn zum einen wird Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt nicht mehr Bundeskanzlerin sein. Zum anderen gibt es drängende Zukunftsfragen: Die Coronavirus-Pandemie etwa hat digitale Defizite hierzulande schonungslos offengelegt, und mit den Hochwasserereignissen rücken die Folgen des Klimawandels deutlich näher an unsere Lebensrealität.

PwC Deutschland wollte wissen: Welche Themen bewegen insbesondere die jungen Menschen in Deutschland mit Blick auf das „Superwahljahr 2021“, in dem neben der Bundestagswahl in einigen Bundesländern zusätzlich Landtags- und Kommunalwahlen stattfinden? Und wie nehmen sie die politische Kommunikation der Parteien wahr?

Um dies herauszufinden, hat PwC zwei in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildung und Herkunft repräsentative Befragungen in Auftrag gegeben. Befragt wurden junge Menschen in Deutschland zwischen 16 und 35 Jahren. Eingeschlossen waren auch 16- bis 18-Jährige, weil sie in einigen Bundesländern an Kommunalwahlen teilnehmen dürfen und weil einige der im Befragungszeitraum 17-Jährigen im Superwahljahr 2021 volljährig und damit wahlberechtigt sein werden.

Die erste Befragung fand im August 2020 statt. Sie beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der politischen Kommunikation. Wer nutzt aus Sicht der jüngeren Generation zum Beispiel Social Media am intensivsten? Wer kenn die Interessen der Jungen am besten? Für wie vertrauenswürdig halten junge Wähler:innen die Kommunikation von Politiker:innen? Zu welchen Themen wünschen sie sich mehr Informationen – und auf welchen Kanälen?

Einige der Kernergebnisse zu diesen und weiteren Fragen lauten: Die von den Parteien bevorzugten (klassischen) Kommunikationskanäle sind nur zum Teil die, die die junge Generation nutzt bzw. gerne nutzen würde. Und Bündnis 90/Die Grünen war die Partei, die es der Umfrage zufolge am besten versteht, die jungen Wähler:innen in geeigneter Form und Sprache anzusprechen. Außerdem: Die Top-Themen für die junge Generation sind Umwelt und Klima – mehr als die Hälfte informiert sich regelmäßig hierzu. Top-Thema Nummer zwei ist der Komplex Schule, Bildung, Ausbildung und Hochschule, auf Platz drei kam Gesundheit.

Die Interessenschwerpunkte der jungen Generation hat PwC mit einer zweiten Befragung im Januar 2021 vertieft und die jungen Wähler:innen zu vier Themenkomplexen genauer befragt:

  1. Umwelt und Nachhaltigkeit
  2. Bildung und Weiterbildung
  3. Arbeit und Beruf
  4. Öffentlicher Sektor

Eines der Kernergebnisse: Weniger Umweltverschmutzung etwa durch Plastikmüll war insgesamt 78 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig, und 71 Prozent nannten die nachhaltige Erzeugung und den nachhaltigen Verbrauch von Lebensmitteln als wichtiges Thema. Selbst der am niedrigsten bewertete Aspekt – neue, umweltschonende Mobilitätskonzepte – war immerhin noch für fast zwei Drittel (62 Prozent) der Befragten wichtig oder sehr wichtig.

Abgefragt hat PwC auch, inwieweit das eigene Verhalten dem Nachhaltigkeitsbewusstsein entspricht – die Diskrepanz zwischen beidem ist in der Forschung ja bekannt. Überraschendes Ergebnis: 42 Prozent der jüngeren Generation sind beispielsweise bereit, auf Flüge und touristische Fernreisen zu verzichten oder eine Klimaabgabe in Höhe des Ticketpreises zu bezahlen. Und 44 Prozent würden einen um etwa 20 Prozent höheren Preis für Lebensmittel akzeptieren, wenn Produzent:innen diese nachhaltig herstellen müssten. Und: Zwei Drittel der Befragten würden Windräder in Sichtweite ihres Zuhauses oder ihrer Arbeitsstätte akzeptieren.

Interessant ebenfalls: Rund 7 von 10 Befragten befürworteten, dass „der Bund deutschlandweit die Bildung und deren Digitalisierung vorantreibt und vereinheitlicht“ – dass also die Bundesländer bestimmte Befugnisse an den Bund übertragen. Bereit, eine Steuer etwa in Höhe des bisherigen Solidaritätszuschlags zu bezahlen, um die Digitalisierung von Bildungsstätten zu fördern, zeigten sich allerdings nur vier von zehn Befragte.

Große Zustimmung von jeweils rund 80 Prozent erhielten auch Aspekte der Chancengerechtigkeit, etwa die Vermeidung von Diskriminierung im Berufsleben oder die bestmögliche Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch das bedingungslose Grundeinkommen, den Aspekt mit der geringsten Zustimmung beim Themenkomplex Arbeit und Beruf, befürworteten immerhin noch drei Viertel der Befragten. Und beinahe ebenso viele (72 Prozent) würden ihre Gesundheitsdaten digital preisgeben, um schneller und gezielter von Mediziner:innen bzw. Krankenhäusern behandelt zu werden.

pwc