Interview zur Energiewende mit Dr. Joachim Pfeiffer, MdB, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher CDU/CSU

Im Interview sprachen wir mit Dr. Joachim Pfeiffer, MdB wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher CDU/CSU darüber, wie die Energiewende bezahlbar bleiben kann, die wichtigsten Schritte in den nächsten Jahren für eine klimafreundliche Energiegewinnung, welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt und welche Maßnahmen sofort unternommen werden müssten, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe.

Wie kann die Energiewende geschafft werden und Energie trotzdem bezahlbar bleiben?

Dafür braucht es eine noch stärker wettbewerbliche und innovationsorientierte Energiewende. Die Förderung der Erneuerbare Energien ist kein Selbstzweck. Sie müssen lernen, schneller auf eigenen Beinen zu stehen, sich im Wettbewerb zu bewähren und letztlich ohne Subventionen auszukommen. Die Energieversorgung hat eine dienende Funktion für Industrie, Dienstleistungen und Haushalte. Gerade die energieintensive Industrie ist mit ihren Produkten elementar für das Gelingen der Energiewende. Daher müssen wettbewerbsfähige Strompreise sichergestellt werden, dazu braucht es unter anderem einen europäischen Industriestrompreis.

Was sind die wichtigsten Schritte in den nächsten Jahren, um die Energiewende voranzutreiben?

Das oberste Gebot lautet: Nationale Maßnahmen dürfen die europäischen und globalen Instrumente nicht konterkarieren. Aus diesem Grund gilt es zunächst auf die Steigerung der Energieeffizienz zu setzen – und das mit Maßnahmen in allen Sektoren vom Gebäude- über den Industrie- bis zum Verkehrsbereich. Statt Aktionismus und Ideologie braucht Deutschland eine Klimaschutzpolitik mit Vernunft und Verstand. Dabei gilt es, auf Anreize und einen technologieoffenen Wettbewerb statt auf Zwang und Verbote zu setzen. Nur so werden die Klimaziele erreicht!
Es ist nicht Aufgabe der Politik, der Wirtschaft heute schon vorzuschreiben, welche Technologien in naher oder ferner Zukunft zur Anwendung kommen sollen. Vielmehr gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb der Technologien zur CO2-Vermeidung zu schaffen. Dies setzt Anreize für Innovationen und bildet das Fundament eines zukunftsfähigen Deutschlands.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Energiewende?

Die Digitalisierung ist einer der Treiber des gesellschaftlichen sowie industriellen Wandels und hat auch großen Einfluss auf die Energiewende. Die digitale Transformation der Energiewirtschaft ist integraler Bestandteil der Energiewende und ermöglicht erhebliche Potenziale sektorübergreifend zu heben. Unter anderem stellen Smart Meter sektorübergreifend Transparenz über Verbrauchsverhalten her und tragen somit zur Verhaltensänderung bei. Hier ist bereits wertvolle Zeit verloren gegangen. Auch zur Energiespeicherung und dem Nachfragemanagement kann die Digitalisierung einen entscheidenden Beitrag leisten und gleichzeitig unterschiedliche Sektoren wie Verkehr, Gebäude und Energie miteinander verbinden. So wird die Digitalisierung mit einem sektorübergreifenden Emissionshandel zum Innovationstreiber.

Was würden Sie für den Klimaschutz in Deutschland sofort ändern, wenn sie es könnten?

Das bestehende Dickicht an Energie- und Klimaschutzinstrumenten sollte zugunsten eines sektorübergreifenden, europäischen oder gar weltweiten Emissionshandels abgeschafft werden. Der Emissionshandel ist ein präzises Instrument zur Mengensteuerung. Er ist bereits erfolgreich, technologieoffen sowie effizient und erzielt die beste Lenkungswirkung. Deshalb plädiere ich für die Stärkung und Ausweitung des europäischen Emissionshandels auf weitere Sektoren wie etwa den Verkehrs- und den Gebäudebereich.

 

Vielen Dank an Dr. Joachim Pfeiffer für das Interview.