Es gilt, die Weichen für die Sektorkopplung richtig zu stellen

Stephan Kamphues Sprecher der Geschäftsführung, Open Grid Europe GmbH

#hbenergie-Experteninterview mit Stephan Kamphues (Open Grid Europe)

Die Kopplung von Gas-, Strom- und Wärmeinfrastrukturen ist essentiell für den Erfolg der Energiewende, meint Stephan Kamphues, Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe GmbH im #hbenergie-Interview. Die Sektorkopplung könne nicht nur den Engpass an Transport- und Speicherkapazitäten ausgleichen, sondern biete auch monetäre Vorteile.

Herr Kamphues, wo überschneiden sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Klimaschutzziele und wo nicht?
Der signifikante Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE) und das Erreichen der ambitionierten Klimaschutzziele sind zwei Entwicklungen, die eng miteinander verflochten sind. Allerdings hilft der Ausbau der EE dem Klima nicht, wenn der regenerativ erzeugte Strom nicht verbraucht werden kann. Produktion und Verbrauch müssen immer in Verbindung miteinander gesehen werden, weil es zwei Enden ein- und derselben Kette sind. Aktuell muss man konstatieren, dass die Kette zu reißen droht, da bedingt durch die Energiewende inzwischen intensiv an Orten produziert wird, an denen kaum Verbrauch stattfindet. Es fehlt offensichtlich an Transport- und Speicherkapazitäten. Hier kann die Gasinfrastruktur die Brücke schlagen. Die Sektorkopplung gerade der Strom- und Gasinfrastruktur kann in erheblichem Maß nicht nur den weiteren Kostenanstieg verhindern, sondern sogar Kosten mindern. Wir müssen diesen Ansatz allerdings konsequent angehen und verfolgen.

Welche Technologien zur Treibhausgasminderung stehen miteinander im Wettbewerb? Energiewende im Wahljahr 2017: Der richtige Ansatz zur falschen Zeit?
Seit der UN-Klimakonferenz von Paris Ende 2015 steht fest, dass die weltweiten CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden sollen, um mindestens das 2°-Ziel als Obergrenze für die Erderwärmung einzuhalten. Daher sollten jene Technologien miteinander im Wettbewerb stehen, die am meisten zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen können und das zu den niedrigsten volkswirtschaftlichen Kosten. Manche setzen hierbei auf Kernkraft, andere auf Erneuerbare und wieder andere auf Erdgas. Die Kohle allein scheint diesen Wettbewerb verloren zu haben. Erdgas ist in diesem Zusammenhang ein guter Partner, denn es bietet niedrige CO2-Vermeidungskosten, ist zudem effektiv und bezahlbar.
Wir haben in Deutschland in Sachen Klimaschutz in den letzten Jahren etwas erreicht, worum uns viele Länder beneiden: Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Energiewende parteiübergreifender, gesellschaftlicher Konsens und darauf können wir stolz sein! Dass es dabei noch jede Menge offener Fragen über die genaue Ausgestaltung gibt, liegt in der Natur einer so komplexen Aufgabe und sollte für uns eher Ansporn als Hindernis sein. Deshalb muss auch im bevorstehenden Wahljahr der Klimaschutz unser aller Ziel bleiben.

Spielen Erneuerbare Energien tatsächlich die große Rolle, die sie sich selbst zuschreiben oder ist das noch Zukunftsmusik?

Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien! Aber eben nur wenn der aktuelle Mangel an Transport- und Speicherkapazität abgeschafft wird. Und diese Aufgabe ist lösbar. Denn Strom- und Gasinfrastruktur zusammen bieten ganz enorme Möglichkeiten. Es gilt, die Weichen für die Sektorkopplung richtig zu stellen.


Zur Person:

Stephan Kamphues ist seit März 2008 Sprecher der Geschäftsführung der Open Grid Europe GmbH.

Das Interview mit Stephan Kamphues finden Sie, neben vielen weiteren aktuellen Top-Themen der Energiebranche, auch in unserem interaktiven Magazin „Schnittstelle Energie“.

Energiewirtschaft 2017 – Diskutieren Sie mit!

Diskutieren Sie im Rahmen der 24. Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft (24. bis 26. Januar 2017, Berlin) mit Stephan Kamphues und anderen hochrangigen Energieexperten über die Bedeutung der Sektorkopplung für die Energiewende. Alle Details zu Veranstaltung finden Sie im aktuellen Programm.

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