Berufsunfähigkeit – das unterschätzte Risiko mit Chancen für engagierte Arbeitgeber


Stille Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit – Jeder 4. Arbeitnehmer bereits betroffen

Beitrag von Michael Stille, Mitglied des Vorstandes, Generali Versicherungen

Jeder vierte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig oder erwerbsgemindert. Eine erschreckend hohe Zahl.

Noch erschreckender ist sie, wenn man sich verdeutlicht, wie die in so einem Fall zu erwartende staatliche Unterstützung aussieht. Wer nur noch weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kann, erhält deutlich weniger als die Hälfte des letzten Brutto-Einkommens. Die Ausbildung oder der bisher ausgeübte Beruf spielen dabei keine Rolle. Für diejenigen, die vor 1961 geboren wurden, gibt es eine etwas günstigere Regelung, die aber zur Existenzsicherung ebenfalls nicht ausreicht.

Die Hilfe vom Staat ist gering: Die volle Erwerbsminderungsrente beträgt in der Regel nicht mehr als ca. 34 Prozent des letzten Bruttogehalts, die teilweise Erwerbsminderungsrente nicht mehr als ca. 17%. Ein heute 30-jähriger Mann mit einem monatlichen Bruttogehalt von 2.500 Euro (Nettogehalt rund 1.622 Euro) hat Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderungsrente von monatlich nur ca. 393 Euro und auf eine volle Erwerbsminderungsrente von nur ca. 786 Euro. Bei voller Erwerbsminderung bedeutet dies eine Versorgungslücke von monatlich 836 Euro.

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen

Aber es sind nicht – wie häufig vermutet – nur die Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit, die vor allem vom Risiko der Berufsunfähigkeit bedroht sind. Menschen mit Büroberufen sind mindestens genauso häufig von Erkrankungen betroffen, die sie an der weiteren Berufsausübung hindern. Ursachen sind hier vorwiegend Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des Skeletts oder der Muskulatur sowie die stark zunehmenden psychischen Erkrankungen.

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Zusätzliche Vorsorge ist damit wichtiger denn je. Gerade für junge Arbeitnehmer ist die Deckung des Invaliditätsrisikos vordringlich, zumal die gesetzliche Rentenversicherung nur noch eine Erwerbsminderungsrente und keine Rente für den Fall der Berufsunfähigkeit mehr vorsieht. Vieles spricht dafür, dieses Risiko mit Hilfe des Arbeitgebers abzusichern. Kollektive Gestaltungen ermöglichen neben vereinfachten Annahmeregelungen auch die Einbeziehung von Berufsgruppen, die dieses Risiko über einen Einzelvertrag wegen der am Markt üblichen Differenzierung nur zu sehr teuren Konditionen oder gar nicht leisten können. Interessant ist diese Absicherung auch für den Arbeitgeber, wenn er sich durch die Bereitstellung eines entsprechenden Angebots als sozial engagierter und verantwortungsbewusster Arbeitgeber präsentiert. Im „War for Talents“ ist auch eine geförderte Invaliditätsversorgung ein schlagkräftiges Argument. Bei der Einrichtung einer betrieblichen Altersversorgung kommen weitere Argumente hinzu: So können Arbeitgeber und Arbeitnehmer von Steuer- und Sozialversicherungsersparnis profitieren.

Attraktiv ist diese Form der Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit auch deshalb, weil sich Risiken und Annahmerichtlinien je nach Unternehmensgröße steuern und gestalten lassen. Einflussgrößen können u. A. die Zusammensetzung der Belegschaft, Tätigkeitsprofile oder auch ein besonders ausgeprägtes Gesundheitsmanagement sein. Neben den Konditionen, zu denen aus an den Unternehmensparametern ausgerichtete spezifische Annahmerichtlinien gelten, profitieren sowohl Arbeitgeber, als auch Arbeitnehmer von dem maßgeschneiderten Angebot:

Die Risikoeinschätzung kann passgenau auf die Belegschaft vorgenommen werden und unternehmensindividuelle Tarifbausteine können bei geeigneter technischer Flankierung zu einem idealen Versorgungskonzept zusammengefügt werden.

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Jedoch ist eine solche Lösung mehr als ein Produkt zu einem bestimmten Preis. Über das Underwriting hinaus ist die Expertise des Produktanbieters ausschlaggebend für den Erfolg, Flexibilität und echte Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse und Infrastruktur des Kunden zahlen sich aus: Die Initiative des Arbeitgebers kann mit kompetenter und lösungsorientierter Begleitung bei hohem Service- und Dienstleistungsengagement des Versicherers zu einer gemeinsamen, innovativen Personalbindungsmaßnahme führen.

Wesentliche Argumente, die Personalverantwortliche und Mitarbeiter aus mittelständischen Betrieben jüngst als Hinderungsgründe auch für die immer noch nicht flächendeckende Verbreitung von betrieblicher Altersversorgung angeführt haben, bekommen damit eine echte Perspektive auf Besserung.

Michael Stille, Mitglied des Vorstandes, Gernerali Versicherungen, referiert im Rahmen der Handelsblatt Jahrestagung „Betriebloiche Altersversorgung“ am 6. April 2016 zum Thema: Invaliditätsabsicherung in der betrieblichen Vorsorge

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