Sind Transfergesellschaften noch zeitgemäß?


Financial Accounting

Praktisch keine operative Sanierung mit Personalreduktion kommt am Thema „Transfergesellschaft ja/nein“ vorbei und viele Lösungen, ob bei Teilschließung und -Verlagerung, Carve Out oder Teilveräußerungen sind ohne den Einsatz von Transfergesellschaften fast undenkbar. Und doch: Ist der Aufwand staatlicher Mittel für Transfermaßnahmen bei der aktuellen Beschäftigungslage wirklich gerechtfertigt?

Sozialplanlösungen auf dem Prüfstand

Viele „traditionelle“ Sozialplanlösungen stehen derzeit auf dem Prüfstand. Welche Nachteile sind wirklich auszugleichen und für welchen Zeitraum? Und: Werden die Beschäftigungsaussichten durch die max. einjährigen Qualifizierungsangebote in Transfergesellschaften wirklich verbessert? Eine Einsicht scheint sich bereits durchzusetzen: Mehrjährige Transfergesellschaften werden nur noch in Ausnahmefällen gefördert und gehören daher der Vergangenheit an.

Transfermaßnahmen sind unumgänglich

Transfermaßnahmen sind allerdings nach wie vor unumgänglich. Gerade die durch industrielle Umbrüche notwendigen Transformationen, bei denen wir erst ganz am Anfang stehen, machen Requalifizierung und Umschulung großer Belegschaftsteile künftig unvermeidbar. Angesichts der demographischen Herausforderung ist dabei die Freisetzung von bestehenden Belegschaften keine wirkliche Option mehr. Die Transfermaßnahmen müssen daher – fortlaufend – in die Betriebe hinein, und nicht mehr so sehr aus den Betrieben heraus.

„Transfergesellschaften bleiben unentbehrlich für eine erfolgreiche operative Sanierung.“

Transfergesellschaften sind keine „Absitzveranstaltung“

Das sozialrechtliche Gerüst muss darauf hin überprüft werden. Die „drohende Arbeitslosigkeit“ als Fördervoraussetzung kann nicht erst dann greifen, wenn die betriebsbedingte Kündigung droht, sondern bereits dann, wenn aufgrund fehlender Zukunftsqualifikationen die personenbedingte Kündigung zum Risiko wird. Zugleich muss die Förderungsdauer mehr an konkrete Qualifikationsprogramme geknüpft werden. Transfergesellschaften sind keine „Absitzveranstaltung“ zur Verschiebung der Arbeitslosigkeit. Hier werden künftig die Herausforderungen für die Träger liegen, den statt „Vermittlungsquoten“ wird der Markt nach konkreten Zukunftsqualifikationen fragen, und die Budgets werden sicher nicht mehr pauschal zur Verfügung stehen. Eine Branche steht also auch hier vor erheblichen Herausforderungen. Fazit: Transfergesellschaften bleiben unentbehrlich für eine erfolgreiche operative Sanierung, aber die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit im Betrieb, nicht aus dem Betrieb heraus, sollte in den Fokus des Gesetzgebers, der Bundesagentur und der Praxis kommen. Nachfrage schafft Angebote und so liegt es an den Transformationsexperten, hier durch case law den erforderlichen Diskussionsprozess voran zu treiben.

Dr. Burkard Göpfert LL.M.Dr. Burkard Göpfert LLM.
KLIEMT.Arbeitsrecht

 

 

 

 


Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe des Handelsblatt Journals „Restrukturierung Sanierung Insolvenz“, das Sie hier erhalten können.