Iran – Erfolgsversprechende Entwicklungen


Iran - Vielversprechende Entwicklungen

Iran ist als eine der größten Volkswirtschaften im Nahen und Mittleren Osten im Begriff, wieder Teil der Weltwirtschaft zu werden. Trotz seinen viertgrößten Erdölvorkommen und den weltweit größten Erdgasreserven ist die iranische Wirtschaft im Vergleich zu anderen rohstoffreichen Ländern der Region diversifiziert.

Der Iran ist für die deutsche Wirtschaft kein Neuland

Zwar bilden die Erdöl-, Erdgas- und Petrochemieindustrie nach wie vor die Säulen der iranischen Wirtschaft, dennoch gewinnen weitere wichtige Sektoren wie u.a. die Maschinen-/Anlagenbau-, Automobil- und Pharmaindustrie immer mehr an Bedeutung. Deutsche Investoren sind hier willkommen, deutsche Anlagegüter beispielsweise aus der Maschinenbauindustrie sind gefragt. Hilfreich ist aus deutscher Sicht vor allem ein Aspekt: Der Iran ist für die deutsche Wirtschaft kein Neuland. Die ersten offiziellen Kontakte des deutschen Kaiserreichs zu Persien reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Gegenwärtig verfügen etwa 90 deutsche Firmen über eigene Niederlassungen und ca. 1000 deutsche Firmen sind über iranische Vertretungen aktiv. Die Wiederaufnahme der Deutsch-Iranischen Gemischten Wirtschaftskommission im Oktober diesen Jahres – nach einer 15-jährigen Ruhezeit – bestätigt und bekräftigt die wichtige Bedeutung des Austauschs mit der iranischen Wirtschaft.

Fokus auf lokale Wertschöpfung

Mit der Öffnung einher geht der Wille der iranischen Regierung, die einheimische Wirtschaft intensiver an den neuen Entwicklungen zu beteiligen und zukünftig den Fokus stärker auf die lokale Wertschöpfung zu setzen. Chance, aber auch Herausforderung für das Unternehmen – Fallstricke allerorten für die Rechtsabteilung. Ein Beispiel aus dem Bereich der Erdölindustrie veranschaulicht die Komplexität von Vertragsvereinbarungen für ausländische Investoren: Bisher wurden Verträge üblicherweise nach dem „Buy-Back-Modell“ abgeschlossen, das für einen Zeitraum von sieben Jahren eine feste Vergütung vorsah. Das neue Standardvertragsmodell der „Iran Petroleum Contract“ (IPC) sieht eine Laufzeit von 25 Jahren vor und ermöglicht eine größere Flexibilität für die Vertragspartner. Gemäß IPC vereinbaren ausländische Investoren die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern regelmäßig im Rahmen von Joint Ventures.

Junge, gut ausgebildete Bevölkerung

Irans Vorteile sind aber nicht nur unter der Erdoberfläche in Form von Erdöl oder Erdgas vorhanden, sondern befinden sich vielmehr oberhalb des Erdbodens. Gemeint ist damit die junge, gut ausgebildete Bevölkerung – ca. 60% jünger als 35 Jahre und insgesamt 4,5 Mio. Studierende. Mit einem weiblichen Anteil von knapp 50% der Studenten wird auch die immer wichtigere Bedeutung der Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in einem Land deutlich, in dem Frauen seit 1963 sowohl das aktive als auch das passive Wahlrecht besitzen. Die Ausbildung ist so vielfältig wie anspruchsvoll: Neben renommierten staatlichen Universitäten wie der University of Tehran – der ersten Universität des Landes, deren Wurzeln bis in das Jahr 1851 reichen, der Amir Kabir University of Technology – der ersten Technischen Universität Irans (gegründet 1956), oder der Sharif University of Technology –bekannt als das „iranische MIT“ (gegründet 1966), gibt es eine Vielzahl an privaten Universitäten. Die größte darunter ist die Islamic Azad University mit knapp 2 Mio. Studierenden. Darüber hinaus sollen an der privaten Iranian Business School in Teheran (gegründet 2010) – der ersten postgradualen Wirtschaftsuniversität des Irans nach westlichen Standards – mit Unterstützung von Dozenten aus dem International Institute for Management Development (IMD, Schweiz), der Institut Européen d’Administration des Affaires (INSEAD, Frankreich) und der Harvard University (USA) eine neue Generation an Führungskräften ausgebildet werden. Dieser zunehmende Ausbau von Humankapital soll das Fundament für eine wissensbasierte Wirtschaft im Iran darstellen. Die Herausforderung liegt jedoch darin, die Universitäten mit den Unternehmen zu verbinden und somit für die jungen Universitätsabsolventen den erfolgreichen Übergang in den Beruf zu ermöglichen. Arbeitgeber aus dem Ausland können das Versprechen bieten, in einem internationalen Konzernumfeld tätig zu sein – entsprechend finden sich motivierte und engagierte Mitarbeiter vor Ort. Das geht bis hinein in die lokale Start-Up-Szene, die voll ist mit Neugründungen iranischer Technologieunternehmen.

Aufschwung in der Entrepreneurszene

Während der Wirtschaftsembargos erlebte die iranische Entrepreneurszene einen bemerkenswerten Aufschwung. In dieser Zeit entstanden u.a. DigiKala (vergleichbar mit Amazon), Takhfifan (vergleichbar mit Groupon) oder Cafe Bazaar (persischer Android App-Store). Mittlerweile gibt es auch Innovationshubs (z.B. Pardis Technology Park) und Start-up Accelerator (z.B. Avatech), welche die Gründung von Start-ups fördern.

Aus deutscher Sicht vielleicht ein zunächst ungewohnter Gedanke, sich in diesem Wirtschaftsbereich im Iran zu vernetzen, ein Joint-Venture zu gründen oder in ein Start-Up zu investieren – doch eine bessere Startplattform als eine erfolgreiche App ist in der technikbegeisterten Bevölkerung kaum vorstellbar. Schwierig auch hier wieder: Technik des 21. Jahrhunderts trifft auf ein Rechtssystem aus einer anderen Zeit. Ob kaufmännische Administration, Vertragsvereinbarungen oder Steuererklärungen – ohne die richtigen Berater als sprichwörtliche „Übersetzer“ zwischen beiden Welten ist kann der Weg bis zum Erfolg weit und steinig sein.

Autor: Dirk Nolte ist Steuerberater und Senior Manager International Tax Services bei der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Referent auf der Handelsblatt Konferenz Iran am 6. und 7. Dezember 2016 in Berlin. Seien Sie dabei, wenn er vor Ort über Steuerliche Aspekte bei der Strukturierung von Iran-Aktivitäten aufklärt.