Grußwort zum Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel 2022

von Martina Merz, Vorstandsvorsitzende, thyssenkrupp AG

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wasserstoff-Gipfels 2022,

wir freuen uns, den diesjährigen Wasserstoff-Gipfel bei uns im thyssenkrupp Quartier als Gastgeber zu präsentieren. Denn Wasserstoff spielt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt die entscheidende Rolle und zählt zu den wichtigsten Energieträgern der Zukunft. Für das Gelingen der grünen Transformation sind ausreichende Mengen an grünem Wasserstoff von zentraler Bedeutung – bei uns in Deutschland, in Europa, aber genauso weltweit.

Wasserstoff ist schon lange ein wichtiges Element in der Industrie. Mit Wasserstoff lässt sich synthetischer Kraftstoff für unsere Autos herstellen, in Brennstoffzellen Strom erzeugen oder unser Wohnzimmer beheizen.

Man kann ihn als Erdöl-Ersatz nutzen, um Rohstoffe für die Chemieindustrie zu gewinnen, aus denen dann beispielsweise Kunststoffe hergestellt werden. Kurzum: Mit Wasserstoff kann man prinzipiell all das tun, wofür wir bislang vor allem Öl, Kohle und Erdgas nutzen – ohne dass bei der Rückumwandlung in Energie CO2 frei wird. Wasserstoff ist Königsweg für den Klimaschutz.

Damit Wasserstoff klimaneutral ist und zur Emissionsreduzierung beitragen kann, muss er grün sein – das heißt, er muss durch Wasserelektrolyse auf Basis erneuerbarer Energien wie z.B. Wind- oder Solarenergie hergestellt werden.

Um damit gesamte, bereits existierende Wertschöpfungsketten zu transformieren, wird grüner Wasserstoff in großen Mengen benötigt – wir sprechen hier von einer jährlichen Kapazität im Terrawatt-Bereich.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Verfügbarkeit von Erneuerbaren Energien und von Wasserstoff entscheidet maßgeblich darüber, wie schnell wir unsere Industrien dekarbonisieren können. Und nur dann werden wir auch unsere internationalen Klimaziele erreichen können.

Allein wir bei thyssenkrupp benötigen für die vollständige Umstellung auf eine klimaneutrale Stahlproduktion rund 720.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr – der erforderliche Stromverbrauch zur Wasserstoffproduktion entspricht dem heutigen Verbrauch von 25 Prozent der deutschen Haushalte.

Daran sehen Sie, welche gigantische Infrastruktur notwendig ist, um die Bedarfe aller Akteure allein zu decken. Auf der ganzen Welt müssen wir also schnell den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft auf den Weg bringen.

2021 war für uns das Jahr der Vorbereitungen und der Planungen für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Es galt in vielen Regionen der Welt, sektorenübergreifend den Wasserstoffbedarf zu ermitteln sowie den dafür erforderlichen Ausbau Erneuerbarer Energien oder alternativer Wasserstoffimporte zu bemessen.

2022 wird für uns das Jahr der Innovationen. Denn die grüne Transformation kann in großem Maßstab nur über Innovationen gelingen, die über alle Wertschöpfungsketten hinweg erfolgen. Es sind neue Innovations-Ökosysteme erforderlich, die uns auf Weg zur Klimaneutralität voranbringen.

Wir bei thyssenkrupp sehen uns hier als wesentlichen Teil der Lösung, um die grüne Transformation der Industrie – mit der Hilfe von Wasserstoff – voranzutreiben.

Durch die Umstellung unserer Stahlproduktion sind wir einerseits ein Nachfrager von Erneuerbaren Energien und Wasserstoff.

Auf der anderen Seite sind wir auch Anbieter. Denn mit unserem Wasserstoffgeschäft thyssenkrupp nucera können wir als einer von wenigen Anbietern weltweit schon heute Technologie zur Produktion von Wasserstoff im Gigamaßstab anbieten.

Zu guter Letzt sorgen wir auch für die entsprechende Infrastruktur: Denn den Boom bei den erneuerbaren Energien machen wir mit unseren Großwälzlagern überhaupt erst möglich. Wo immer neue Windfarmen entstehen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Technologie von thyssenkrupp drinsteckt.

thyssenkrupp beweist, dass Industrie und Klimaschutz keine Gegensätze sind – im Gegenteil.

Für eine erfolgreiche Transformation der Industrie braucht es aber ein gesamtgesellschaftliches Bündnis: Wir müssen wir die Herausforderung gemeinsam angehen. Es braucht eine Allianz aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, um mit der Umsetzung schnell genug voranzukommen. Daher freuen wir uns sehr auf die Gelegenheit, beim diesjährigen Wasserstoff-Gipfel im thyssenkrupp Quartier miteinander ins Gespräch zu kommen.