CO2 neutrales Leben wird Statussymbol der Zukunft

CO2 neutrales Leben wird Statussymbol der Zukunft

Artikel aus dem Handelsblatt Journal „ENERGIEWIRTSCHAFT“ vom 18.01.2022

von Philipp Schröder

Die Welt überbietet sich derzeit in Bekenntnissen zum 1,5°-Ziel. Also dem Ziel, das die Erderwärmung global auf unter 1,5° Celsius begrenzen soll. Die Wissenschaft ist sich sicher: bei einer substanziellen Überschreitung werden Kipppunkte erreicht, die das Leben für Mensch und Natur auf unserer Erde grundlegend und vor allem unumkehrbar zum Negativen verändern. Die Politik, selbst der designierte CDU-Vorsitzende, ist sich mit Ausnahme der AfD ebenfalls einig: Die 1,5°-Ziele müssen erreicht werden. Die Kirche, Verbände, der Kapitalmarkt und selbst die Industrie unterstützen das Ziel und selbstverständlich sämtliche Intellektuelle, Journalisten und Prominente von Hollywood bis zur Berliner Künstlerszene, sowie auf der Straße getragen von vielen jungen Menschen voller Emotion und Empörung in den Rängen von Fridays for Future. Man müsste also meinen, dass hier nichts mehr schiefgehen kann.

Erkenntnis als erster Schritt zur Besserung?
Doch das Gegenteil ist der Fall, denn alle vereint dabei eines: Die Verantwortung, das 1,5°-Ziel auch tatsächlich zu erreichen, sehen alle genannten Protagonisten immer bei den jeweils anderen. Als ob es unmöglich wäre, selbst etwas zu tun. Dabei gibt es längst die notwendige Technologie, die besser ist und günstiger als der fossile Status quo. Und noch eine gute Nachricht gibt es: Es ist bereits messbar, ob ein deutscher Durchschnittsverbraucher 10t CO2 verbraucht oder die für 1,5° notwendigen 2t.

Die Macht des Einzelnen
Und somit ist es höchste Zeit, diejenigen zu feiern, die Geld in die Hand nehmen und aktiv werden, um ihrer eigenen Verantwortung gerecht zu werden, anstatt nur wohlfeile Reden zu schwingen. Etwa durch den Umstieg auf ein Elektroauto mit Ökostromtarif – das senkt im Schnitt den Ausstoß pro Kopf bereits um über 2t, also um über 20 Prozent. Oder diejenigen, die ihren Strom komplett aus Photovoltaik bereitstellen und hierüber gleich die Wärmepumpe mit betreiben, um neben dem Auto auch bei Strom und Wärme auf schmutzige fossile Brennstoffe ganz zu verzichten. Hierdurch sinkt der CO2 Ausstoß um weitere vierzig Prozent und auf einmal ist das persönliche 1,5°-Ziel tatsächlich greifbar.

Das 1,5°-Budget
Was also, wenn herauskäme, wer trotz Geld, Wissen und Alternativen weiterhin bloß redet, aber weiter gemütlich die Zukunft der eigenen Kinder gefährdet? Eines ist sicher: Kein wohlhabender Akademiker, kein börsennotierter Konzern und auch kein Millionär werden es sich in Zukunft noch leisten können, das eigene 1,5°-Budget zu verfehlen. Also fragen wir sie alle danach! Wie sieht es mit Ihnen aus? Leben Sie schon 1,5° konform? Wer heuteetwas auf sich hält, Format hat und dabei auch noch der  Held seiner Kinder sein möchte, der versucht 1,5° konform zu leben. Wer es nicht tut, ist bestenfalls ordinär. Konzerne hingegen, die Geld mit der Verschmutzung verdienen, werden dagegen schon heute als das wahrgenommen, was sie sind: eine Bedrohung für die Zukunft unsere Erde. Sollten Sie persönlich bereits etwas tun, um das Klimaziel zu erreichen, dann seien Sie stolz darauf! Geben Sie ruhig etwas an, denn Ölheizungen und Kohlestrom sind einfach out. Es lebe das neue ultimative Statussymbol, feiern wir es!

Eines ist sicher: Kein wohlhabender Akademiker, kein börsennotierter Konzern und auch kein Millionär werden es sich in Zukunft noch leisten können, das eigene 1,5°-Budget zu verfehlen.

 

Philipp Schröder, Geschäftsführer, 1KOMMA5°

Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „ENERGIEWIRTSCHAFT“ erschienen.

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