Kassen mit Plus von mehr als einer Milliarde

Handelsblatt Nr. 117 vom 20.06.2012 Seite 014 / Wirtschaft & Politik

Die gesetzlichen Krankenkassen haben das erste Quartal mit einem überraschend deutlichen Überschuss von 1,51 Milliarden Euro abgeschlossen. Grund für die positive Entwicklung ist vor allem die unerwartet günstige Ausgabenentwicklung. Das zeigt eine Auswertung der aktuellen Finanzergebnisse durch das Bundesgesundheitsministerium, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Leistungsausgaben je Versicherten stiegen mit 3,6 Prozent deutlich geringer als erwartet. Der Schätzerkreis hatte im vergangenen Herbst noch 4,5 Prozent prognostiziert. Die Gesamtausgaben je Versicherten, Verwaltungskosten inklusive, stiegen um 3,5 Prozent. Da sich die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen nach der Prognose der Schätzer richten, konnten die Kassen ihre Reserven weiter auf 11,5 Milliarden Euro auffüllen. Zusammen mit dem Gesundheitsfonds verfügte das gesetzliche Versicherungssystem damit zuletzt über Rücklagen von 20 Milliarden Euro. Rechnerisch könnte damit der Beitragssatz für ein Jahr um zwei Prozentpunkte gesenkt werden.

Der Gesundheitsfonds verzeichnete dennoch ein Quartalsdefizit von 1,05 Milliarden Euro. Grund sind saisonale Schwankungen der Beitragseinnahmen. Zugleich lagen die Einnahmen aber um 3,5 Prozent über Vorjahresniveau. Und da Renten und Löhne im Jahresverlauf noch kräftig steigen, dürfte der Fonds das Gesamtjahr genauso wie die Kassen mit einem Überschuss abschließen. Das Ministerium sieht in der positiven Bilanz eine Bestätigung der bisherigen Gesundheitspolitik. Minister Daniel Bahr (FDP) hatte die Kassen zuletzt mehrfach aufgefordert, einen Teil ihre Überschüsse an die Versicherten auszuschütten.

Thelen, Peter

Tagged with: ,