GKV-Finanzarchitektur als Eckpfeiler der Wettbewerbsordnung

Prof. Dr. Jürgen Wasem

Prof. Dr. Jürgen Wasem, unser Vorsitzender der 20. Handelsblatt Jahrestagung Health, bezieht in diesem Beitrag Stellung zu Beitragssatzunterschieden bei den Krankenkassen.

Wettbewerb in der GKV läuft insbesondere über die Beitragssätze. Demgegenüber spielen Versorgungsaspekte eine sekundäre Rolle bei der Kassenwahl. Die GKV-Finanzarchitektur muss dazu beitragen, dass Beitragssatzunterschiede genau auf solchen Faktoren beruhen, für die dies gerechtfertigt erscheint. Unterschiede in der ausgabenseitigen „Risikostruktur“ der Versicherten, insbesondere aufgrund der Morbidität, sollten ebenso wie Unterschiede in der Zahl der Versicherten, in der Relation von beitragspflichtigen Mitgliedern zu beitragsfrei versicherten Familienangehörigen sowie in der Höhe der beitragspflichtigen Einnahmen je Mitglied nicht zu Beitragsunterschieden führen.
Inwieweit auch der Wohnort der Versicherten, damit also die Regionaldimension, zu Beitragsunterschieden führen oder im Gegensatz im RSA berücksichtigt oder auf anderem Wege ausgeglichen werden sollte, wird zurecht kontrovers diskutiert.
Unterschiede in den Leistungsniveaus, den Preisen der Gesundheitsausgaben, sofern durch die Kassen beeinflussbar, und im Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten sollten zu Beitragssatzunterschieden führen, und für die Höhe der Verwaltungskosten der Krankenkassen gilt dies – nach Berücksichtigung morbiditätsbedingter Unterschiede durch den RSA – allemal.
In der jüngsten Zeit haben sich die finanziellen Situationen der Krankenkassen wieder weiter auseinander entwickelt. Dass sich die Effizienzunterschiede im Handeln der Kassen stärker als früher unterscheiden, ist zumindest nicht auf den ersten Blick erkennbar. Ursachen könnten etwa sein: der prospektive Charakter des Morbi-RSA-Systems, die Begrenzung des Morbi-RSA auf 50 bis 80 Erkrankungen, der Verzicht auf eine Regionalvariable im RSA, ein Mismatch zwischen Ausgestaltung des Morbi-RSA und Ausgestaltung der Vergütungssysteme in den Leistungssektoren. Bei erkennbaren Fehlentwicklungen muss der Gesetzgeber nachjustieren.

Tagged with: , ,