NRW-Stahlgipfel: Verschärfung des EU-Emissionshandels ist existenzgefährdend

Stahlgipfel

Zum ersten NRW-Stahlgipfel trafen sich in Düsseldorf am 21. September 2015 auf Einladung des NRW-Wirtschaftsministers Garrelt Duin rund 60 Vertreter der Stahlbranche, der IG Metall und der Landespolitik. Anlass für dieses Treffen war die von der EU-Kommission geplante Verschärfung des CO2-Handels.

Eine Milliarde Euro Mehrkosten für die Stahlindustrie

Ab dem Jahr 2021 sollen im Rahmen der sogenannten vierten Handelsperiode des Emissionsrechtehandels die Richtwerte für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid erhöht und die Zahl der Emissionsrechte verknappt werden. Außerdem soll es weniger und teurere Zertifikate für energieintensive Branchen, zu denen auch die Stahlindustrie gehört, geben. Allein für diese Branche wären das eine Milliarde Euro Mehrkosten jährlich bis 2030.

Abwanderung und zurückgehaltene Investitionen drohen

Der Beschluss würde nicht nur die Innovationskraft und Leistungsfähigkeit des Industriestandortes Nordrhein-Westfalen schwächen, sondern hätte auch Folgen für knapp 48.000 Stahl-Arbeitsplätze. Für Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, ist die Verschärfung des EU-Emissionshandels für die Stahlindustrie deshalb „existenzgefährdend“. Die deutsche Branche wäre nicht mehr wettbewerbsfähig. Konkurrenten wie Asien und Amerika haben keinen Emissionshandel und somit auch keine Milliardenbelastung. Schon jetzt drohen Abwanderung und zurückgehaltene Investitionen in die Standorte. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin versichert: „Es wird niemals einen Tag geben, an dem die Politik im Land nicht mehr hinter dem Stahl steht.“

Ein Arbeitsplatz in der Stahlindustrie sichert 6,5 Arbeitsplätze in anderen Industrien

Bedenken gibt es auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Denn „ohne Stahl verlieren wir einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette“, begründet IG Metall-Vertreter Knut Giesler. Denn betroffen wären auch andere Branchen, wie zum Beispiel die Automobilindustrie und der Maschinenbau. „Ein Arbeitsplatz in der Stahlindustrie sichert 6,5 Arbeitsplätze in anderen Industrien“, so eine aktuelle Untersuchung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

NRW-Wirtschaftsministerium, IG Metall, Bezirksleitung Düsseldorf, und Wirtschaftsvereinigung Stahl unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung:

http://www.stahl-online.de/wp-content/uploads/2015/09/20150921_NRW_Stahlgipfel_Erkl_Unterschriften.pdf

Geplant ist ein weiteres Treffen der Energieintensiven Branchen am 13. Januar 2016 in der NRW-Landesvertretung in Brüssel, bei dem es um die Auswirkungen der Beschlüsse des Pariser Klimagipfels für die Energieintensiven Branchen gehen soll.

Autorin: Sabrina Milbrecht, Wirtschaftsvereinigung Stahl
Foto-Quelle: MWEIMH NRW / R. Sondermann

Hören Sie Hans Jürgen Kerkhoff und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin neben vielen weiteren Referenten zu diesem Thema im Rahmen der 20. Handelsblatt Jahrestagung „Stahlmarkt“.

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