Volle Bandbreite: Die Herausforderungen der Digitalisierung

Dirk Fieml, Geschäftsführer, tktVivax

Die digitale Transformation von Versorgungsunternehmen auf allen Ebenen stellt Stadtwerke vor ganz neue Herausforderungen. Denn um sich zum „Digitalen Versorger“ wandeln zu können, benötigen sie neues Know-how aus ganz unterschiedlichen Bereichen.

Stadtwerke sind seit mehr als 100 Jahren die klassischen Anbieter von Netzinfrastrukturen. Damit sind sie geradezu dafür prädestiniert, auch die neuen Glasfasernetze aufzubauen und zu betreiben. Die Breitbandversorgung gehört künftig ebenso zur Daseinsvorsorge wie die Versorgung mit Strom, Wasser, Gas oder Wärme. Für Netzbetreiber ist der Aufbau und Betrieb von Glasfasernetzen somit die logische Weiterentwicklung. Zudem kennt er Gegebenheiten vor Ort und kann auf bestehende Kundenbeziehungen aufbauen. Die Vermarktung von Breitbandnetzen bietet zahlreiche Chancen, neue, versorgungsnahe Geschäftsmodelle aufzubauen. Denn dieser Markt ist vergleichsweise aufgeräumt und der Preiskampf ist längst nicht so intensiv wie etwa beim Strom. Auch die erzielbaren Margen pro Kunde sind deutlich höher.

Die Digitalisierung stellt Versorgungsunternehmen jedoch vor ganz neue Herausforderungen. Denn mit den bestehenden Kompetenzen lässt sich der Wandel zum digitalen Versorger kaum bewältigen. Breitbandprojekte sind sehr komplex und kaum ein Stadtwerk bringt vom Start weg das dazu notwendige Know-how mit. Von der Akquise von Fördermitteln über die Netzplanung und Clusteranalyse bis hin zur Entwicklung von Geschäftsmodellen und Produkten werden ganz unterschiedliche Kompetenzen benötigt. Dazu kommen die Auswirkungen auf die Prozesse und die Organisation, die sich durch das komplette Unternehmen ziehen, aber auch neue Anforderungen an die IT. Denn mit den herkömmlichen IT-Lösungen lassen sich weder Breitbandnetze noch die -kunden adäquat abbilden und verwalten. Auch fehlen die Netzwerke, die nötig sind, um die guten von den schlechten Partnern zu unterscheiden, etwa wenn es um den Aufbau von IPTV- oder Internet-Angeboten geht.

Make or buy?

Nur wenige Stadtwerke werden die Herausforderungen vom Start weg aus eigener Kraft stemmen können. Allerdings macht es auch wenig Sinn, sämtliche Aufgaben von vornherein komplett auszulagern. Ziel muss es vielmehr sein, eigenes Know-how aufzubauen und so die Wertschöpfung Schritt für Schritt ins eigene Unternehmen zu holen. Auf diese Weise können auch Fehler vermieden werden. Viele Versorgungsunternehmen schenken beispielsweise dem Thema Breitbandversorgung nicht die nötige Aufmerksamkeit und meinen, sie könnten das quasi nebenher erledigen – etwa als Add-on für den Energievertrieb. Das wird nicht funktionieren. Egal ob man als „Dark-Fiber-Anbieter“ das Breitbandnetz lediglich vermietet, die Aktiv-Technik und die einzelnen Fasern mitvermarktet oder als Komplettanbieter für Internet, Telefonie und IPTV auftritt: In jedem Fall muss man diese Geschäftsfelder ganzheitlich und professionell angehen. Das Thema Glasfaser zu schnell outzusourcen, birgt ebenfalls Gefahren. Denn damit begibt sich in die Abhängigkeit von Dritten, was sich negativ auf die Kundenbeziehungen auswirken kann. In der Regel steht ja der eigene Name auf den „White-Label“-Produkten. Wenn der Dienstleister aber einen schlechten Job macht, der Service nicht stimmt oder es technische Probleme gibt, fällt das alles auf das Stadtwerk zurück.

Volle Bandbreite beim Know-how

Ein externer Partner sollte nicht nur ein klassischer Berater sein, sondern das Thema Breitband buchstäblich in voller Breite beherrschen. Dazu wird Engineering-Know-how ebenso benötigt wie IT-Kompetenzen. Denn es geht nicht nur darum, ein neues Netz zu bauen. Auch die dahinterliegenden Geschäftsprozesse und die IT-Infrastruktur müssen angepasst werden, um die Unternehmen ganzheitlich auf die digitale Transformation vorzubereiten. Nötig ist beispielsweise eine umfassende Lösung für das Netz- und Kundenmanagement in Breitbandnetzen. Hier werden nicht nur die Kundenstammdaten und -verträge hinterlegt, sondern auch die technische Infrastruktur des Netzes. Dadurch können die Kunden nach Vertragsabschluss direkt provisioniert und für die jeweiligen Produkte und Bandbreiten für Internet, Telefonie oder IPTV freigeschaltet werden. Die weiteren Aufgaben reichen von der Strategiefindung und Fördermittelberatung über die Business-Planung und Clusteranalyse bis hin zur Entwicklung konkreter Geschäftsmodelle und Breitbandprodukte. Dazu kommt die Optimierung der bestehenden Prozesse und die Anpassung der Prozesslandschaft an die neuen Anforderungen. Schließlich benötigen viele Stadtwerke auch Unterstützung in allen technischen Fragen, von der Netzplanung bis hin zur technischen Begleitung der Breitbandprojekte.