IT als Treiber und Erfolgsfaktor der Energiewelt von morgen

Sven Becker

Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung Trianel GmbH

Der technische und regulatorische Aufwand zur Steuerung des zunehmend dezentraleren Energiesystems nimmt durch die Volatilität der Einspeisung der erneuerbaren Energien weiter zu. Wo früher rund 160 Großkraftwerke in Deutschland nach Nachfrage gesteuert wurden, werden in Zukunft 100 tausende Erzeugungsanlagen nach meteorologischer Verfügbarkeit und Netzauslastung zu managen sein.

Dies erfordert die Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch sowie die Kopplung der Sektoren Verkehr, Industrie und Wohnungswirtschaft mit der Energiewirtschaft. Diese Aufgaben werden nur durch den Einsatz intelligenter, digitaler Technologien möglich sein.

Dabei nehmen die quantitativen und qualitativen Faktoren zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit zu. Die höheren Qualitätsanforderungen erkennt man standortgenauen Wetterdaten, minutengenauen Verbrauchsdaten und der zunehmenden Bedeutung der Kurzfristmärkte. Regulatorische Vorgaben, wie eine stärkere Bilanzkreistreue oder REMIT-Vorgaben erhöhen die Anforderungen an die Datenqualität weiter.

Die wachsende energiewirtschaftliche Komplexität setzt heute schon schnelle, präzise und automatisierte Prozesse sowie Reaktionsgeschwindigkeiten in Echtzeit voraus. Diesen steigenden physikalischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen muss sich jeder Energieversorger stellen. Schon heute ist Digitalisierung mehr als nur ein Mittel zum Zweck. Es lassen sich z. B. durch den Einsatz komplexer Algorithmen und Künstlicher Intelligenz – die in eine moderne IT-Infrastruktur eingebettet werden – Absatzprognosen deutlich verbessern und damit Kosten für Ausgleichsenergie einsparen.

Angesichts der zunehmend geringeren Renditen aus dem Kerngeschäft werden Kosten- und Effizienzvorteile in der Abwicklung der energiewirtschaftlichen Prozesse für Unternehmen zu einem strategischen Erfolgsfaktor, um auch in der Energiewelt von morgen erfolgreich zu sein, und die nötigen Investitionsfreiräume für die Entwicklung von Innovationen und neuen Geschäftsmodellen zu ermöglichen.

Dabei wird die Disruption aus Dekarbonisierung und Digitalisierung traditionelle Strukturen aufbrechen, bestehende Rollen disrumpieren und neue Geschäftsmodelle kreieren. Insofern kommt auch der Unternehmenskultur in Zukunft mehr denn je eine Schlüsselrolle zu. Wir müssen eine Kultur in unseren Unternehmen ausprägen, die den Wandel als Chance begreift. Nur so können wir die Transformation der Branche erreichen und die Voraussetzung für einen starken Industriestandort schaffen.