Die Mobilitäts-(R)evolution: Wie gelingt der netzverträgliche Ausbau der Ladeinfrastruktur?

Die Mobilitäts-(R)evolution: Wie gelingt der netzverträgliche Ausbau der Ladeinfrastruktur?

Stefan von Dobschütz, CCO bei innogy eMobility Solutions

Das Ende des Verbrennungsmotors naht. 2021 kündigten Hersteller wie Jaguar, Volvo oder Ford an, zukünftig nur noch E-Autos herzustellen. Parallel wird die Neuinstallation von 1,5 Millionen Ladepunkten in Europa erwartet. Schon 2025 kommen zum Bestand bereits innerhalb eines Jahres 3,7 Millionen europaweit hinzu. Beide Entwicklungen versprechen eine erhöhte Netzbelastung. Doch wie kann ein netzverträglicher Ausbau gewährleistet werden?

Stadtwerke als Anbieter von intelligenter Ladeinfrastruktur und Software

Auf dem Feld der Elektromobilität sind Stadtwerke heute nicht nur Betreiber eigener öffentlicher Ladeinfrastruktur, sondern auch lokaler Anbieter von Ladelösungen für Privat- und Gewerbekunden. Denn neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur muss auch der Ausbau in Wohngebieten und auf Unternehmensparkplätzen steuerbar sein. Für diese Kundengruppen können Stadtwerke intelligente Ladeinfrastruktur für den Ausbau selber anbieten. Die entsprechende Technik beziehen sie von Technologieanbietern wie innogy eMobility Solutions. Durch smarte Hardware und intelligentes Lastmanagement können lokale Energieversorger den Ausbau einer großen Anzahl an Ladepunkten in der Unterverteilung ermöglichen.

Lastmanagement – Netzverträglicher Ausbau des Ladenetzes an Werksstandorten, Parkhäusern und in Wohngebieten

Ein Lastmanagementsystem regelt die Leistung mehrerer Ladepunkte, um den vorhandenen Netzanschluss optimal auszunutzen. Denn eines ist klar: Würden alle Ladestationen ihre Leistung kumuliert nutzen, geraten selbst die sonst so robusten deutschen Stromnetze unter Stress. innogy bietet EVUs mehrere Möglichkeiten, um für ihre Kunden smart gesteuertes Lastmanagement und die passende Hardware anzubieten. So gelingt es, Ladesitzungen im großen Maßstab zu optimieren und dynamisch auf Anzahl und Typen von Elektrofahrzeugen zu reagieren. Zudem verhindert ein Lastmanagementsystem Netzüberlastungen und begrenzt durch Smart Charging den Netzausbau.

eLoadmanagement cloud und eLoadmanagement direct

Die innogy Lastmanagementsysteme eLoadmanagement cloud und eLoadmanagement direct geben Ladepunkten eine Lastgrenze vor, damit keine Lastspitzen entstehen, die zusätzliche Netzkosten verursachen. Gleichzeitig wird jedem Fahrzeug dynamisch und unter Einhaltung der vorgegebenen Lastgrenze so viel Ladeleistung wie möglich zur Verfügung gestellt. eLoadmanagement cloud steuert Ladepunkte online und ist auch für Dritthardware geeignet.

Das ab Sommer erhältliche eLoadmanagement direct steuert über eine übergeordnete innogy eBox eine Gruppe von bis zu 50 eBoxen in Echtzeit. eLoadmanagment direkt berücksichtigt dabei im Cluster die tatsächliche Phasenbelastung und steuert die Ladeleistung der angeschlossenen E-Autos entsprechend. Jede innogy eBox ist für eLoadmanagement direct via Firmware vorbereitet.

Zukunft im Netz: Engpass-Vermeidung durch automatische Koordinationsstelle InGA

Mit der automatischen Koordinationsstelle InGA (Intelligent Grid Applikation) geht innogy nun gemeinsam mit Westenergie und digiKoo den nächsten Schritt. Der Service garantiert eine zentrale, automatisierte und neutrale Koordination zur Vermeidung von Netzüberlastungen. Über eine OpenADR-Schnittstelle meldet der an InGA angeschlossene Verteilnetzbetreiber Beschränkungen für Zählpunkte, der Ladepunktbetreiber realisiert Flexibilitäten innerhalb der gemeldeten Grenzen durch intelligentes Steuern von Ladesäulen. Öffentliche Ladepunkte, die über die innogy eMobility-Plattform betrieben werden, sind heute schon auf die Anbindung an InGA vorbereitet. In der zweiten Jahreshälfte 2021 wird das Produkt verfügbar sein.