Energieeffizienz im Mittelstand


Ralf Hempel

Unternehmen nutzen noch nicht alle Potenziale

von Ralf Hempel

Hohe Energiekosten beeinträchtigen die Rentierlichkeit von Immobilien und damit das Geschäftsergebnis der Unternehmen. Dies gilt für die Immobilienwirtschaft ebenso wie für andere Wirtschaftszweige, wo Unternehmen über Bestandsimmobilien verfügen.

Viele Entscheider wissen das, doch noch nicht jeder schreitet auch zur Tat. Und dies trotz der nachweislich positiven Effekte entsprechender investiver Maßnahmen und Dienstleistungen. Gerade im Mittelstand wird mancherorts noch abgewartet und gezögert. Aber der Druck nimmt zu. Nicht nur auf der Kostenseite, sondern auch durch Vorschriften und Auflagen des Gesetzgebers.

Ganz aktuell: Am 5. Dezember läuft die Frist ab, in der Unternehmen ein Energieaudit durchführen müssen. Dies besagt das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G), das am 21. April in Kraft trat und die EU-Energieeffizienz-Richtlinie (2012/27/EU) umsetzt. Betroffen sind im Prinzip alle Unternehmen, es sei denn sie beschäftigen als KMU weniger als 250 Mitarbeiter und bilanzieren einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro.

Sicher hat sich schon viel getan. Eine im Sommer dieses Jahres im Auftrag der DZ Bank unter mittelständischen Unternehmen durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass rund 80 Prozent in den vergangenen zwei Jahren eine konkrete Energieeffizienz-Maßnahme durchgeführt haben. Dabei konnten sie nach eigenen Angaben im Durchschnitt Kosteneinsparungen zwischen 12 Prozent und 17 Prozent realisieren. Dies ist bemerkenswert. Denn laut dena-Erfahrungen schätzt fast jedes zweite KMU das Ausmaß möglicher Einsparungen bei Verbrauch und Kosten auf maximal 4 Prozent. Ein kostenträchtiger Irrtum.

Dabei haben kleinere Unternehmen mehr Nachholbedarf als größere Mittelständler. Die Bereitschaft zu Energieeffizienzmaßnahmen nimmt mit sinkender Unternehmensgröße ab, stellt die DZ-Bank-Umfrage fest. Anders gesagt: Mit der Unternehmensgröße kommen die Investitionen. Der „gehobene Mittelstand“ zeigte bereits vor zwei Jahren im  KfW-Mittelstandspanel 2013 eine deutlich ausgeprägtere Investitionsneigung – vor allem bei investiven Maßnahmen in die verbesserte Energieeffizienz betrieblicher Gebäude sowie in energieeffiziente Produktionsanlagen und Geräte. Die Quoten liegen laut DZ Bank heute bei 51 Prozent bzw. 59 Prozent.

Der Skepsis unter den KMU und deren Zögern bei investiven Maßnahmen und Dienstleistungen ist im vergangenen Jahr die GfK-Grundlagenstudie „Energieeffizienz im Mittelstand“ nachgegangen. Der ausgesprochen heterogene Anbietermarkt und die für viele Interessenten wenig transparenten Leistungsangebote spielen eine große Rolle. Die im Markt angebotenen Energieeffizienz-Dienstleistungen (EEDL) seien für Entscheider in KMUs „schwer zu durchschauen“. Aus Nutzersicht zusammengefasst: Es mangelt an transparenten Leistungsbeschreibungen. Das zu erwartende Ergebnis einer Maßnahme bleibt im Dunkeln. Die mit der Maßnahme verbundenen Kosten sind unklar. All dies bremst Entscheidungen.

Das Energiemanagement ist die Königsdisziplin in Sachen Nachhaltigkeit

Wie schlagen sich vor diesem Hintergrund Facility-Management-Unternehmen als Anbieter von Energieeffizienz-Dienstleistungen? Eine von der Brancheninitiative „FM – Die Möglichmacher“ im Frühjahr 2015 publizierte Studie hat ergeben, dass 58 Prozent der befragten Geschäftsführer und Vorstände mittelständischer Unternehmen das Energiemanagement durchaus als Leistungsangebot im Rahmen des FM kennen. Ja, das Energiemanagement – sozusagen die Königsdisziplin in Sachen Nachhaltigkeit – gehört nach Aussagen der Mittelständler gar zu den attraktivsten Angeboten von FM-Dienstleistern.

Doch tatsächlich in Anspruch genommen werden die Angebote seltener. Selbst Nutzer diverser anderer FM-Services sind beim Energiemanagement zurückhaltend. Knapp 40 Prozent unter ihnen greifen auf entsprechende Dienstleistungen zurück. Hier bleibt noch viel zu tun. Aufklärung, Information und – dies lehren die erwähnten Meinungsbilder – vor allem passgenaue, auf das jeweilige Unternehmen und dessen Anforderungen zugeschnittene Dienstleistungen und Verbesserungsvorschläge werden vom Mittelstand gewünscht. Transparenz ist das A und O, wo Kosten reduziert und ein nachhaltiges Energiemanagement etabliert werden sollen. Wer sich für EEDL interessiert, erwartet nicht zuletzt klare Kosten-Nutzen-Relationen.

Es gibt bereits Beispiele für erfolgreiche Partnerschaften mittelständischer Unternehmen mit erfahrenen FM-Dienstleistern. In den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen. Umfassende Contractinglösungen mit Einspargarantie, alternative Energieerzeugung vor Ort, genauere Erfassungssysteme für Verbrauchsdaten, technische und bedarfsorientierte Optimierungen, Nutzungsänderungen usw. usf. – darauf können konkrete Projekte in konkreten Anwendungsbereichen (Beleuchtung, Gebäudehülle, Fuhrpark usw.) zugeschnitten werden. Sie müssen noch besser bekannt gemacht werden. Jeder kann vom Anderen lernen. Nur so sind die gewaltigen Herausforderungen der Energiewende zu meistern.

Ralf Hempel, Sprecher der Brancheninitiative „FM – Die Möglichmacher“