Interview mit Dr. Thomas Schroeter zu seinem Vortrag „Standortanalyse neu gedacht – mit einzigartigen Nachfragedaten neue Potenziale in der Stadt entwickeln“

Dr. Thomas Schroeter

Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer bei ImmoScout24

Immobilien gelten immer noch als Top-Kapitalanlage, die Preise steigen immer weiter. Hand aufs Herz, Herr Schroeter, stimmt das oder täuscht uns unser Bauchgefühl?

Die Nachfrage nach Kaufimmobilien ist weiter hoch. Solange das günstige Zinsumfeld und die wirtschaftlich gute Lage anhalten, werden Preissteigerungen nicht ausbleiben. Zwar sehen wir auf Basis unserer Daten, dass sich die Preisdynamik in den bereits hochpreisigen City-Lagen etwas abschwächt. Kaufende zieht es dafür immer mehr in die Speckgürtel der Metropolen und in so-genannte B-Städte, ganz vorne mit dabei zum Beispiel Leipzig. In diesen Lagen steigen die Preise von Neubau-Immobilien weiter an. Problematisch ist und bleibt aber, dass der Neubau der Nachfrage nach wie vor hinterherhinkt. Umso wichtiger ist es, dass wir weiter zügig neue Gebiete erschließen, um dem Bedarf zu decken.

Mehr Bauen und alle Probleme sind gelöst. Das ist leichter gesagt als getan, oder?

Natürlich sind mit Bauen alleine nicht alle Probleme gelöst. Wir sehen immer wieder, dass es bei neuen Wohnbau- und Infrastrukturprojekten an der gesellschaftlichen Akzeptanz fehlt. Deswegen muss das Los unserer Zeit sein: Bauen, was gesucht wird. Nur wenn wir Projekte am realen Marktbedarf ausrichten, können wir mehr Wohn- und Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger erreichen und gewinnen dann auch ihre Zustimmung zur Städte- und Wohnraumplanung. Dabei stellt sich aber die Frage, woher wir wissen sollen, was gesucht wird? Welche Wohnungsgröße brauchen die Menschen? Was sind sie bereit zu zahlen? Und welche Areale sind in Zukunft begehrt? Um diese und weitere Fragen zu beantworten und damit verlässliche Standort- und Investitionsentscheidungen zu treffen, spielen Daten einen unverzichtbaren Ausgangspunkt.

Daten als Gold des 21. Jahrhunderts? Ist die Immobilienbranche denn hierfür gut aufgestellt?

An der fortschreitenden Digitalisierung kommt niemand vorbei – auch die Immobilienbranche nicht. Und wir sind in dieser Hinsicht auf einem besseren Weg als manch andere Branche. ImmoScout24 digitalisiert den Immobilienmarkt seit über 20 Jahren mit innovativen Online-Produkten und -Lösungen. Damals waren in Deutschland gerade einmal 7 von über 80 Millionen Deutschen online. Heute suchen jeden Monat 14 Millionen Menschen auf unserer Plattform nach der perfekten Immobilie oder dem passenden Käufer bzw. Mieter. Damit hat der Immobilienvertrieb wichtige Pionier-Arbeit für die Digitalisierung Deutschlands geleistet.

Also alles gut?

Das Potenzial für die weitere Digitalisierung der Immobilienbranche ist noch lange nicht ausgeschöpft. Es gibt immer Möglichkeiten zur Verbesserung. Unser Anspruch als marktführendes Digitalunternehmen ist es, unseren Nutzern, aber auch unseren gewerblichen Kunden wesentliche Entscheidungen zu vereinfachen. Das gilt auch für die Standort- und Investitionsentscheidungen von Immobilienunternehmen und Projektentwicklern. Wegen der hohen Grundstücks- und Baupreise muss eine Projektentwicklung sehr effizient und genau abgestimmt auf den Markt geplant werden. Das geht nicht mehr einfach aus dem Bauch heraus. Bisher kostet es aber viel Zeit und Geld, eine fundierte Standortanalyse durchzuführen, weil erst einmal die verschiedensten Datenquellen in ihren unterschiedlichen Formaten aggregiert werden müssen. Vielen Marktakteuren fehlen dafür schlichtweg die nötigen Ressourcen. Zudem sind die Tools, die bisher auf dem Markt sind, sehr statisch und lassen sich nicht nach den eigenen Anforderungen anpassen.

Und hier kommt ImmoScout24 ins Spiel?

Genau. Wir haben uns dieser Herausforderung angenommen und eine eigene digitale Standortanalyse entwickelt: Kolumbus. Mit 14 Millionen monatlichen Nutzern bilden wir die größte Nachfrage am Markt ab und können die Präferenzen und Suchkriterien der Suchenden anonymisiert auswerten. So werden standortspezifische Nachfragedaten sichtbar, die sonst im Verborgenen liegen. Mit unserem Online-Tool Kolumbus bedienen wir den Bedarf der Immobilienwirtschaft nach Angebots- und Nachfragedaten in Verbindung mit den wesentlichen Standortfaktoren.

Kolumbus-Nutzer können Zeitraum, Umkreis und Bauart individuell auswählen und mit soziodemografischen und Infrastrukturdaten anreichern. Dadurch erhalten sie neue Informationen über bisher unbekannte Regionen und zu Besonderheiten einzelner Stadtviertel. Je einfacher und schneller sich neue Gebiete ausfindig machen und Grundstücke validieren lassen, umso mehr kann man der Grundstücksproblematik entgehen und fundierte Standortentscheidungen treffen.

Für wen eignet sich denn diese neuartige Standortanalyse?

Die Standortanalyse lässt sich für jede Adresse deutschlandweit nutzen. Deshalb profitieren alle Marktakteure von dem Tool, egal ob sie eher einer regionalen oder nationalen Ausrichtung folgen: Bauträger, Projektentwickler, Maklergesellschaften, Stadtplaner, Wirtschaftsförderer, Immobilienfinanzierer oder Marktforscher – sie alle können den Wissensvorsprung für sich nutzen. Sie können Investitionen, Projekte und Vermarktung am realen Bedarf ausrichten und optimal planen. Das kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Es schafft aber vor allem auch einen immensen Mehrwert für Städte und Kommunen und führt letztlich zu höherer Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger: Denn dann wird genau das gebaut, was gesucht wird.

Warum glauben Sie, ist die Rethinking Real Estate das richtige Forum, um Kolumbus vorzustellen?

Die Rethinking Real Estate setzt sich zum Ziel, die Immobilienwirtschaft gesamtwirtschaftlich zu vernetzen und praktische Lösungsansätze für konkrete Herausforderungen aus dem Projektalltag der Immobilienwirtschaft zu präsentieren. Ich bin überzeugt, dass ImmoScout24 dazu einiges beitragen kann. Denn sowohl für unsere Nutzer als auch für unsere Kunden entwickelt und verbessert ein Team von 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern permanent unsere digitalen Lösungen, um beide Seiten bestmöglich zusammenzubringen und zu unterstützen. Produkte und Dienstleistungen dieser Art wollen wir auch zeigen, um der Branche einen Einblick zu geben, aber auch um Feedback einzuholen und unsere Neuheiten zu diskutieren. Die Rethinking Real Estate gibt uns genau diese Möglichkeit.