Special Risk Management: Spezialisten für den Ernstfall

Spezialisten für den Ernstfall

von Andreas Tesch

Wirtschaftliche Krisen und Innovationsdruck werden auch deutsche Unternehmen künftig stärker in finanzielle Schieflage bringen und das Zahlungsverhalten verschlechtern. Beim Kreditversicherer Atradius tritt in solchen Fällen das Special Risk Management auf den Plan. Ziel der Expertenabteilung: Forderungsausfälle für Lieferanten vermeiden und Handelsbeziehungen aufrechterhalten.

Deutschlands Wirtschaft scheint bislang immun zu sein gegen aktuelle wirtschaftliche Schwelbrände. Ob Schuldenkrise der EU-Staaten, die schwächelnde chinesische Konjunktur oder der Russland-Konflikt: Bis heute hat die zweitgrößte Exportnation die Spur gehalten.

Ob die positive Entwicklung anhält, steht jedoch infrage. Eine schnelle Lösung dieser Probleme ist nicht in Sicht, und die Gefahr besteht durchaus, dass sie deutsche Unternehmen künftig stärker treffen. Zudem droht der Druck von anderen Seiten zu wachsen: Zieht der Ölpreis wieder an, steigen die Energie- und Rohstoff kosten; werden die Zinsen wieder angehoben, verteuert sich die Kapitalfinanzierung. Auch die Digitalisierung wird immer mehr zum viel beschworenen „Game Changer“, der Produkt- und Geschäftsmodelle, die teilweise über Jahrzehnte erfolgreich waren, in kürzester Zeit vom Markt drängt. Deshalb überrascht es nicht, dass in einer aktuellen Expertenstudie der Unternehmensberatung Roland Berger fast 50 % der Befragten angeben, dass sich die Zahl der Restrukturierungen in den nächsten Monaten erhöht.

Krisenanzeichen beim Kunden schnell erkennen

Ein schlechteres Zahlungsverhalten, die Verweigerung von Informationen oder belastbare Hinweise aus dem Markt sind frühe Anzeichen für Lieferanten, dass ein Kunde unter Druck ist. Für solche Fälle hat Atradius mit dem Special Risk Management (SRM) eine Sonderabteilung in der Risikoprüfung unter der Leitung von Dr. Wencke Mull eingerichtet. Die Spezialisten für Restrukturierungen und Sanierungen beim weltweit zweitgrößten Kreditversicherer werden aktiv, sobald einem Abnehmer eines kreditversicherten Lieferanten die Schieflage droht. Ziel der Abteilung ist es nicht nur, den Lieferanten vor Zahlungsausfällen zu schützen, sondern auch den Abnehmer zusammen mit anderen Finanzierern erfolgreich zu sanieren, so dass er weiterhin Handelspartner für den Lieferanten bleiben kann.

Entscheidungen mit Augenmaß treffen

Dafür erarbeitet SRM individuelle Lösungswege. Erster Schritt ist die zeitnahe Kontaktaufnahme mit dem Abnehmer, seinen Kunden und anderen Beteiligten, darunter Banken und Berater, um sich ein genaues Bild von der finanziellen und wirtschaftlichen Situation des angeschlagenen Unternehmens zu verschaffen. Dies geschieht unter anderem mithilfe von Informationen aus Business Reviews, Bankenspiegeln, Liquiditätsplänen sowie Monats- oder Quartalszahlen.

Mit den Lieferanten werden Maßnahmen abgestimmt, die das Risiko für einen Zahlungsausfall senken. Möglichkeiten hierfür sind die Steuerung von Lieferungen, deren Bezahlung und Besicherung. Kreditlimite, sprich: Kreditzusagen für Lieferantenforderungen, die Ausgestaltung von Auftragsdeckungen und die Versicherung von Langfristverträgen werden in dieser Phase individuell und mit besonderem Augenmaß angepasst. Neben dem Schutz des Lieferanten ist es Maßgabe von SRM, dass Limitentscheidungen keine negativen Impulse im Gesamtprozess einer Restrukturierung auslösen, beispielsweise andere Akteure aus der Branche des Lieferanten betreffen.

Die SRM-Experten nehmen auch an Finanzierersitzungen und Beratergesprächen teil. Dank des internationalen Atradius-Netzwerks und ihrer Zuständigkeiten können sie einen Sanierungsfall ganzheitlich begleiten. Das heißt: Alle Entscheidungen für die betroffenen Lieferanten – gleich aus welchem Land sie kommen – liegen in einer Hand. Gleiches gilt für ausländische Tochtergesellschaften des strauchelnden Abnehmers.

Als Lieferant bestmöglich geschützt sein

Eine Insolvenz kann dennoch nie ganz ausgeschlossen werden. Für diesen Fall ist der Eigentumsvorbehalt ein effektiver Schutz. Die Regelung sichert dem Lieferanten bei einer Insolvenz erhebliche Rückflüsse – und minimiert so seinen finanziellen Schaden.

Auch wenn es trotz aller gemeinsamen Bemühungen zu einem Insolvenzverfahren kommt, müssen Unternehmen nicht auf sich alleine gestellt bleiben. Atradius unterstützt dann zum Beispiel bei der Vereinbarung oder der Durchsetzung von Eigentumsvorbehaltsrechten und vertritt in Gläubigerausschüssen die Interessen der Lieferantenseite.
Kommt es dennoch zum Forderungsausfall, springt die Kreditversicherung ein und sorgt dafür, dass die Liquidität auch in unsicheren Zeiten erhalten bleibt und Handel weiter möglich ist.

Über den Autor:

Andreas Tesch, Chief Market Offi cer, Atradius KreditversicherungAndreas Tesch ist Chief Market Officer bei der Atradius Kreditversicherung.


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