Sanierung unter Gläubigerschutz — KWO als Best-Practice-Beispiel

Sanierung Erfolg Antworten Mit Einführung des ESUG am 01.03.2012 sind zugleich die Rechte der Gläubiger bei der (Mit-) Gestaltung eines Insolvenzverfahrens erheblich gestärkt worden. Insbesondere die Einführung eines vorläufigen Gläubigerausschusses im Eröffnungsverfahren gem. § 22a InsO, der unter anderem einstimmig die Person des vorläufigen Insolvenzverwalters bestimmen kann, hat in der Praxis bei einigen der Beteiligten am Insolvenzverfahren zu Argwohn oder gar Ablehnung geführt.

In diesem Zusammenhang, so verdeutlicht RA Reinhardt im nachfolgenden Interview, hat er die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit mit dem (vorläufigen) Gläubigerausschuss von entscheidender Bedeutung für den erfolgreichen Abschluss eines Insolvenzplanverfahrens ist. Er berichtet von einem Best-Practice-Fall, in dem sich der (vorläufige) Gläubigerausschuss als Garant für den Erhalt der KWO Kunststoffteile GmbH (im Folgenden: „KWO“), eines mittelständigen Automobilzulieferers aus der Region Heilbronn und der für die Region wichtigen 155 Arbeitsplätze erwies.

 

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Plädoyer für die Zusammenarbeit mit dem Gläubigerausschuss

Herr Reinhardt, die Automobilindustrie boomt zurzeit. Was waren also die Gründe für die Einleitung des Insolvenzverfahrens bei der KWO?

Volker Reinhardt: Das Unternehmen, das bereits in 1971 gegründet wurde, hat sich in der Vergangenheit zu einem namhaften Hersteller von Werkzeugen und Kunststoffspritzgussteilen und sog. 2K-Teilen, also die Mehrkomponentenverarbeitung von Silikon- und von Kunststoff-Metall-Hybrid-Teilen entwickelt. Speziell bei der Herstellung von Steckerverbindungen im Automotivebereich hat sich die KWO wegen ihres Produktionsknowhows als Zulieferer etabliert. Die Absatzkrise im Jahr 2009 hat die KWO mit einem Umsatzrückgang von ca. 24% noch verkraften können. Als sich dann aber im 4. Quartal 2011 die zugesagten Abrufe eines Hauptkunden aus dem Automotivebereich, von dem das Unternehmen zu 81% umsatzseitig abhängig war, unerwartet halbierten, war die KWO nicht mehr in der Lage, die entstehende Liquiditätskrise abzuwenden. Die Kostenstruktur konnte nicht zeitnah angepasst werden, was die vorhandene Liquidität bereits Ende 2011 nahezu aufzehrte. Seit dem Krisenjahr 2009 musste die KWO zudem verlängerte Zahlungsmodalitäten der Kunden hinnehmen. Der aus diesen Ursachen resultierende Liquiditätsbedarf wurde nicht erkannt und demzufolge nicht adäquat gegenfinanziert. In dieser Situation verloren dann eine Factoringgesellschaft sowie die Hausbank das Vertrauen in das Unternehmen und kündigten ihre Linien. Damit war die KWO zahlungsunfähig.

Hauptkunden am Gläubigerausschuss beteiligt

Wie setzte sich bei der KWO Kunststoffteile GmbH der Gläubigerausschuss zusammen und wie gestaltete sich Ihre Zusammenarbeit mit diesem?

Volker Reinhardt: Auf Initiative der Hausbank, einer örtlichen Sparkasse, sowie der Landesbank wurde der aus dem Unternehmen ins Feld geführte Vorschlag, ein Planverfahren zu initiieren aufgegriffen und mit dem Insolvenzantrag dem Insolvenzgericht die Bildung eines vorläufigen Gläubigerausschusses vorgeschlagen, der aus fünf Mitgliedern bestand. Als Mitglieder, die allesamt vom Gericht bestellt wurden, wurden die Hausbank der KWO als größte Sicherungsgläubigerin, sowie die Landesbank als Rückbürgin vorgeschlagen. Daneben waren sowohl die Arbeitnehmer als auch die Kleingläubiger im Gläubigerausschuss vertreten. Wie sich im Verlauf des Insolvenzverfahrens herausstellte, war es von entscheidender Bedeutung, auch den Hauptkunden der KWO, vertreten durch einen in Insolvenzverfahren erfahrenen Rechtsanwalt, am Gläubigerausschuss zu beteiligen. Auf einstimmigen Vorschlag aller Mitglieder des vorläufigen Gläubigerausschusses wurde ich vom Insolvenzgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

Von Anfang an herrschte ein sehr konstruktives Klima bei den monatlich stattfindenden Sitzungen. Dies konnte ich unterstützen durch eine absolute Transparenz über den Verfahrensverlauf und die hierbei erzielten Ergebnisse sowie durch ein Höchstmaß an Mitbestimmung, so dass der Gläubigerausschuss in alle Maßnahmen des Insolvenzverwalters eingebunden war und alle Entscheidungen, so z.B. auch Neuinvestitionen in die Automatisierungstechnik und Neueinstellungen im Vertrieb, mitgetragen hat.

Diese Vertrauensbasis war entscheidend dafür, dass sich die Hausbank im Insolvenzplan zu einer Neufinanzierung des Unternehmens in einer Größenordnung von ca. 6 Mio € verpflichtete sowie der Hauptkunde sich in einer für die Automotivebranche unüblichen Sanierungsvereinbarung über die Dauer von zwei Jahren an die KWO band.

Der vorgelegte Insolvenzplan, der auch die ungesicherten Gläubiger mit Quoten von 26 – 50 % bediente, wurde im Abstimmungstermin mit einer hohen Beteiligung von über 100 Gläubigern einstimmig angenommen.

Restrukturierungsmaßnahmen führten zu Kundendiversifizierung und Erschließung neuer Branchen

Wie steht das Unternehmen heute da?

Volker Reinhardt: Das Unternehmen ist deutlich gestärkt aus der Krise hervor gegangen. Die bereits im Insolvenzverfahren gemeinsam mit der äußerst engagierten Geschäftsführung eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass die KWO deutlich höhere EBITDA ausweist, als im Sanierungsplan dargestellt.

Hinzu traten die Neuausrichtung des Vertriebs, die weitere Kundendiversifizierung sowie das Erschließen neuer Branchen wie der Medizintechnik. Zuletzt wurde der kaufmännische Bereich neu besetzt und ein alle Ebenen des Unternehmens durchdringendes Controlling eingeführt. Als Ergebnis dieser Erfolgsgeschichte ist die KWO auch wieder ein attraktiver Arbeitgeber geworden.

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