Plädoyer für ein Mitarbeiter Buy-out?

Quelle: Jakub Jirsák/fotolia.com

von Dr. Wolf-R. von der Fecht

In Restrukturierungsfällen wird häufig Ausschau nach einem strategischen Investor gehalten, der das Unternehmen erhalten und mit seinem Geld und Sachverstand wieder flott machen soll. Oft finden sich aber nur Investoren, die ihr Risikokapital in kurzer Zeit mit hoher Renditeerwartung wieder aus dem Unternehmen ziehen wollen. Manche Investorenlösungen kommen daher nicht zustande oder scheitern schon nach kurzer Zeit, weil Investitionen ausbleiben und die übrigen Stakeholder überfordert werden.

Das bedeutende Wirtschaftsjournal „The Economist“ fragt auf dem Titelblatt seiner letzten August-Ausgabe: „What are companies for?“ Die Frage stellt sich nach Jahrzehnten der Shareholder value-Ausrichtung der erfolgreichsten Unternehmen in unseren Zeiten der Transformation wieder neu. Das Wirtschaftswachstum wird träge und viele soziale und ökologische Herausforderungen sind ungelöst. 180 große amerikanische Unternehmen wie WalMart und JPMorgan Chase propagieren nun, nicht nur ihren Eignern, sondern auch ihren Kunden, ihrer Belegschaft, den Lieferanten und auch der Gemeinschaft dienen zu wollen.

Das klingt wohlmeinend. Was aber, wenn nicht alle Ziele erfüllt werden können? Zielkonflikte sind nachteilig für den Erfolg eines Unternehmens, der auf Verlässlichkeit und Dynamik beruht. The Economist rät daher, dass Unternehmensziele durch die Unternehmenseigner und nicht durch das Management oder die Öffentlichkeit gesetzt werden sollten. Eigner setzen auf eine langfristige Steigerung des Unternehmenswerts, nicht nur auf kurzfristige Effekte. Zur Öffnung der Unternehmen und zur Steigerung der Verlässlichkeit sollte die Eigentümerstruktur verbreitert werden.

„Das Investment wird sicherer, wenn auch die Mitarbeiter beteiligt werden.“

Vor diesem Hintergrund liegen die Vorteile einer Mitarbeiter-Beteiligung auf der Hand. Die Mitarbeiter kennen ihr Unternehmen und sind an seinem nachhaltigen Fortkommen zum Erhalt der Arbeitsplätze interessiert. Prominente Erfolgsbeispiele sind der Spiegel-Verlag, der zu 50,5 % den Mitarbeitern gehört und die Handelsgenossenschaften, wie zum Beispiel EDEKA.

In Restrukturierungsituationen sind Mitarbeiter-Buy-outs wie etwa bei der Peiner Umformtechnik GmbH noch selten. Praktische Schwierigkeiten der Organisation und Führung des Prozesses sind zu bewältigen. Schwieriger ist die Finanzierung. Mitarbeiter können häufig nur ihre Arbeit anbieten, d.h., dass sie in einem bestimmten Zeitraum für weniger Geld arbeiten. Dies ist aber kein Wirtschaftsgut, das man bilanzieren kann. Man braucht Banken, die den Reiz und die Nachhaltigkeit solcher Modelle erkennen und die entsprechende Starthilfe bereitstellen. Mitarbeiter-Buy-outs sollten aber auch für Finanzinvestoren interessant sein, die ohnehin auf ein Fremdmanagement angewiesen sind. Das Investment wird sicherer, wenn auch die Mitarbeiter beteiligt werden. Denn die Belegschaft ist mit großer Motivation und eigenem Beitrag an dem nachhaltigen Gelingen der Sanierung interessiert.

 

 

 

Dr. Wolf-R. von der Fecht
Geschäftsführer
von der Fecht LLP Rechtsanwälte&Steuerberater

 

 

 

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