Krise erkennen und können

Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz – StaRUG) konnte der Unternehmer in der Krise zwischen dem Versuch einer klassischen außergerichtlichen Sanierung mittels Verhandlungen mit seinen Gläubigern und dem Weg der Insolvenz wählen. Zwar blieben ihm im Rahmen der Insolvenz die verschiedenen Optionen des Schutzschirmverfahrens – soweit lediglich eine drohende Zahlungsunfähigkeit vorliegt -, der Eigenverwaltung sowie des Regelinsolvenzverfahrens. Gleichwohl handelt es sich bei allen diesen Formen um ein Insolvenzverfahren, welches nach allgemeiner Erfahrung jeder Unternehmer zu vermeiden versucht.

Die weit überwiegende Zahl der Unternehmer sieht in der Insolvenz nach wie vor einen Makel. Anderslautende Aussagen von Beratern vermögen die wenigsten Unternehmer final zu überzeugen. Die Sorge vor der Reaktion von Kunden und Lieferanten und letztlich auch die Sorge vor dem Verlust des Unternehmens in der Insolvenz, lassen viele Unternehmer zurückschrecken. Da oberstes Prinzip jeder Form des Insolvenzverfahrens die bestmögliche Gläubigerbefriedigung gemäß § 1 InsO ist, kann sich der Unternehmer nicht sicher sein, im Insolvenzverfahren das Unternehmen nicht zu verlieren, soweit ein Dritter für dieses Unternehmen – sei es im Rahmen einer übertragenden Sanierung oder mittels Insolvenzplan – ein für die Gläubiger besseres Angebot unterbreitet.

Als Alternative zum Insolvenzverfahren blieb dem Unternehmer vor Inkrafttreten des StaRUG lediglich die Option, mit seinen Gläubigern Sanierungsbeiträge zu verhandeln. Ausgangspunkt dieser Gespräche war und ist üblicherweise die Forderung von Gläubigern -in der Regel Kreditgläubigern – zur Einholung eines Sanierungsgutachtens. Hierbei wird selbst bei kleinen und mittelständischen Unternehmen üblicherweise ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 gefordert. Dieses ist insbesondere bei Finanzinstituten Voraussetzung und folgt aus der Regelung BTO 1.2.5 „Behandlung von Problemkrediten“ der MaRisk. Hiernach hat sich ein Kreditinstitut, das die Begleitung einer Sanierung in Betracht zieht, zur Beurteilung der Sanierungsfähigkeit des Kreditnehmers ein Sanierungskonzept vorlegen zu lassen.

Die Erstellung eines solchen Sanierungskonzeptes erfordert zum einen Zeit und zum anderen die notwendige Liquidität, um eine solches Gutachten erstellen zu lassen. Beides hat der Unternehmer in der Krise in der Regel nicht. Hieraus folgte vor Einführung des StaRUG regelmäßig, dass gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen der Weg der außergerichtlichen Sanierung verschlossen war. Dies hat sich durch die Einführung des StaRUG grundlegend geändert. Dem Unternehmer in der Krise steht mit dem StaRUG ein gesetzliches Instrument zur außerinsolvenzlichen Sanierung zur Verfügung, das einerseits nicht den vermeintlichen Makel der Insolvenz mit sich bringt, andererseits aber die Möglichkeit bietet, in einem gesetzlich nominierten und geregelten Verfahren das Unternehmen zu sanieren.

Da es sich hierbei um ein außerinsolvenzliches Sanierungsverfahren handelt, welches denklogisch nicht bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit in Betracht kommen kann, ist der Unternehmer zur Krisenfrüherkennung gezwungen. Der Unternehmer, der seine drohende Krise rechtzeitig erkennt, wird mit der Möglichkeit der außergerichtlichen Sanierung über das StaRUG „belohnt“. Die Geschäftsführung bleibt dabei am Ruder und steuert die Restrukturierung eigenverantwortlich. Er benötigt keine umfangreichen Gutachten; der Unternehmer muss vielmehr die Restrukturierungsnotwendigkeit und die Stabilität des Geschäftsbetriebs für die Phase der Verhandlungen schriftlich darstellen und einem gesonderten Restrukturierungsgericht anzeigen. Im Verlauf des Restrukturierungsverfahrens erstellt das Unternehmen einen Restrukturierungsplan als Grundlage der operativen und finanziellen Restrukturierung mit Angaben zu sämtlichen erforderlichen Restrukturierungsmaßnahmen. Zwar müssen auch im Rahmen der Restrukturierung nach dem StaRUG die Gläubiger zustimmen, allerdings ist -anders als bei der klassischen außergerichtlichen Sanierung – eine Mehrheit von 75 Prozent ausreichend.

Erfahrene Sanierungsberater – die sowohl das Vertrauen des Unternehmens als auch das der wesentlichen betroffenen Gläubiger besitzen – helfen auf dem Sanierungsweg.

Marion Rodine
Rechtsanwältin
RUNKEL Rechtsanwälte