Die Restrukturierungswelle in Folge von COVID-19 steht noch bevor

Die Restrukturierungswelle in Folge von COVID-19 steht noch bevor

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von Dr. Lutz Jäde

Umfangreiche Finanzierungshilfen in der Krise
Die COVID-19 Pandemie hat viele Industrie-Sektoren in Europa hart getroffen und 2020 zu einem Rückgang des Geschäfts um bis zu 30% gegenüber 2019 geführt. Trotz dieser massiven Umsatzeinbrüche und dem damit verbundenen Rückgang der Profitabilität konnten die Unternehmen in Europa im Schnitt ihre Cash-Reserven in 2020 aber um 37% steigern. Grund dafür war neben Staatshilfen vor allem die Verfügbarkeit von Krediten und Anleihen.

Einer Oliver Wyman-Analyse zur Folge stieg das Kreditvolumen der Unternehmen im Euroraum bis Ende des zweiten Quartals 2020 um mehr als 12% gegenüber dem Vorjahr. Die Summe der ausgegebenen Hochzinsanleihen (High-Yield-Bonds) hat sich in 2020 gegenüber 2019 sogar verdoppelt. Im Unterschied zur Finanzkrise 2009 stehen den Unternehmen in der COVID-19 Krise also umfangreiche Mittel zur Verfügung, um die negativen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie aufzufangen und die Zahlungsfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Kein signifikanter Anstieg der Restrukturierungsfälle bei großen Unternehmen
Aufgrund dieser Kapitalmaßnahmen ist der erwartete „Tsunami“ an neuen Restrukturierungsfällen im Kreditportfolio vieler Banken bislang ausgeblieben. Eine Umfrage unter Banken im Rahmen der „Oliver Wyman Restrukturierungsstudie 2021“ hat ergeben, dass 73% der befragten Bankenvertreter die momentane Zahl an Fällen problemlos bewältigen kann. Die gleiche Umfrage zeigt, dass ein Anstieg von Fällen bislang vor allem bei kleineren Unternehmen (weniger als 500 Mio. € Umsatz) zu verzeichnen ist (siehe Abbildung). Bei größeren Unternehmen hingegen geben 65-76% der Teilnehmer an, dass die Anzahl der Fälle gleichgeblieben oder sogar zurückgegangen ist. Das liegt unter anderem an einem besseren Zugang für größere Unternehmen zu Finanzierungsmöglichkeiten wie Staatshilfen oder Anleihen. Zudemist davon  auszugehen, dass kleinere Unternehmen anfälliger für Krisen sind, da der Reifegrad von Prozessen und Organisationsstrukturen geringer ist und diese Unternehmen daher weniger flexibel auf Krisen reagieren
können.

Probleme bei der Refinanzierung zu erwarten
Diese Situation kann sich aber bald ändern. In vielen Branchen entsteht der Liquiditätsbedarf nicht im Abschwung, sondern erst bei anhaltenden Verlusten oder im Aufschwung – wenn nämlich das Working Capital wieder steigt und aufgeschobene Investitionen notwendig werden. Zudem werden staatliche Hilfsprogramme in absehbarer Zeit auslaufen und refinanziert werden müssen. Da es sich bei diesen  Unterstützungsmaßnahmen um eine Verlustfinanzierung handelt, müssen die Unternehmen ihre Ertragskraft stärken, um den Verschuldungsgrad wieder auf das Niveau von vor der Krise zu bringen. Das ist in vielen Fällen eine große Herausforderung. So überrascht es nicht, dass 83% der Teilnehmer an der Oliver Wyman-Studie einen Anstieg von Krisenfällen erwarten. Dabei geht fast die Hälfte der Teilnehmer unserer Umfrage davon aus, dass Banken vielfach nicht zu einer neuen Finanzierung bei krisengeplagten Unternehmen bereit sein werden. Dann müssen private Kreditgeber wie Investmentfonds einspringen – oder die „Restrukturierungswelle“ schlägt doch noch zu.

 

oliverwyman

www.oliverwyman.de

Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Restrukturierung, Sanierung, Insolvenz“ erschienen.

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