Aktuelle unternehmerische Herausforderungen

Aktuelle unternehmerische Herausforderungen

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Im Laufe der Pandemie haben sich die Themen, die für Unternehmen ganz oben auf der Agenda stehen, verändert. Ging es anfangs hauptsächlich um liquiditätssichernde Maßnah-men, so wird derzeit eher mit Lieferengpässen jongliert. Mit Falko Fiedler und Meik Mewes hat die Handelsblatt Journal Redaktion darüber gesprochen, welche Bedeutung die Liquidi-tätssicherung noch hat und welche weiteren akuten Punkte auf der Agenda stehen.

Herr Mewes, ist Liquidität immer noch Top 1 auf der Liste der Unternehmen?
Mewes: Für viele Unternehmen hat das Thema Liquidi-tätssicherung immer noch eine große Bedeutung. Parallel stehen die Unternehmen aber vor vielfältigen Herausforderungen, von schwierigen Versorgungslagen in den Beschaffungsmärkten aufgrund deutlicher Materialpreiserhöhungen und Versorgungsknappheit bis hin zum Wandel von Geschäftsmodellen. Viele Unterneh-men befinden sich daher in Transformationsprozessen, was erhebliche Managementkapazitäten bindet. Paral-lel dazu treten mit der ökonomischen Erholung und dem Aufbau des Working Capital zusätzliche Finanzierungs-bedarfe auf. Und wäre das eigentlich nicht genug, ent-stehen u.a. durch die Rückführung erhaltener Corona-Kredite und dem Auslauf des Schutzschirms für Waren-kreditversicherungen weitere Finanzmittelbedarfe, die es gilt abzudecken.

Herr Fiedler, wenn Unternehmen in schweres Fahrwasser geraten, stehen Steuerzahlungen dann überhaupt zur Diskussion?
Fiedler: Weit weniger als in Gewinnjahren wobei viele Unternehmen Gewinne schreiben. Für die anderen gilt es zum einen Verluste in Gewinnjahre zurückzutragen, um so Steuererstattungen auszulösen und zudem Ver-lustvorträge zu vermeiden. Letzteres geht beispielsweise durch Restrukturierungen und das Heben von stillen Reserven. Diese stillen Reserven können mit den laufen-den Verlusten verrechnet werden. Restrukturierungen sind auch rückwirkend möglich, können also aktuell noch für das Jahr 2020 in Angriff genommen werden.

Apropos Restrukturierung: Herr Mewes, StaRUG oder Eigenverwaltung/Schutzschirm, kann man den Unternehmen etwas empfehlen?
Mewes: Nun, das kommt natürlich auf die Situation an. Ein StaRUG- und Schutzschirm-Verfahren kommt zunächst nur in Betracht, wenn noch keine Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist. Rechtzeitiges Handeln durch die Organe ist hier also das Gebot der Stunde. Das StaRUG ist primär auf die finanzwirtschaftliche Sanierung ausgerichtet und wird vermutlich im Wesentlichen durch größere Unternehmensgruppen genutzt werden. Das Verfahren bietet einen breiten Handlungsspielraum, um die Finanzierungsstruktur nachhaltig an die Leistungsfähigkeit des Unternehmens anzupassen. Im Schutzschirm besteht das Ziel meistens darin, das Unternehmen unter Nutzung der leistungswirtschaftlichen Sanierungsinstrumente und mit frischem Kapital und/oder Investoren fortzuführen. Die nicht vernachlässigbare Komplexität stellt allerdings in beiden Verfahrensarten eine Hürde für kleine und mittlere Unternehmen dar.

Fiedler: Auch bei Unternehmen in Insolvenz oder Schutzschirm sind (Veräußerungs-) Gewinne zu versteuern. Insofern gilt es hier entweder begünstigte Sanierungsgewinne zu erzielen oder bestehende Verluste und Verlustvorträge geschickt zu nutzen. Bei Unternehmen in Schwierigkeiten wird oft die Personaldecke an den falschen Stellen dünn. Insbesondere das Aufbereiten der richtigen Zahlen ist dann eine Herausforderung aber unabdingbare Voraussetzung, um die beschriebenen Vorteile vollständig nutzen zu können.

Worin bestehen denn Chancen für Unternehmen?
Fiedler: Einige Unternehmen nutzen die Gunst der Stunde und pumpen sich mit frischem Kapital voll, um distressed sales für anorganisches Wachstum zu nutzen. Steuerlich ist hier u.a. auf Verlustvorträge und Grundstücke zu achten. Wieder andere verlegen unrentable Betriebsstätten oder starten neue in anderen Regionen. Hier ist darauf zu achten, dass der Fiskus auch bei im Inland schlecht laufenden Funktionen steuerlich beteiligt sein möchte, wenn diese Funktion zukünftig im Ausland besser läuft.

Mewes: Durch Covid-19 erleben wir einen deutlich beschleunigten Veränderungsprozess in vielen Geschäftsmodellen. Agile Unternehmen werden hiervon weiter profitieren, die Unternehmen, die bereits vor Corona in Schwierigkeiten waren, dagegen den Anschluss verlieren. Entscheidend ist, dass das Management das Unternehmen jetzt in aller Konsequenz strategisch und operativ auf die Zukunft neu ausrichtet und nicht an den alten Strukturen festhält. In vielen Fällen wird dieses aber leider unterbleiben, da strukturelle Probleme durch Staatshilfen überdeckt und dann zu spät erkannt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Meik Mewes, Partner, Deal Advisory, Restructuring, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Falko Fiedler, Partner Tax, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

 

kpmg

kpmg.de

 

Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Restrukturierung, Sanierung, Insolvenz“ erschienen.

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