Interview mit Dr. Carolin Gabor (finleap)


Was können sich Regionale Banken von Fintechs abschauen?

Einerseits zeichnen sich Fintechs durch Schnelligkeit und innovative Produkte aus. Sie sind meist sehr stark in der Prozessumsetzung und lernen aus ihren Fehlern. Charakteristisch ist, dass Fintechs im ersten Schritt keine 120% Lösung entwickeln – erst nach einem Launch entwickelt man das Produkt kontinuierlich weiter, indem direktes Kunden-Feedback aufgegriffen und in die Lösung integriert wird.

Andererseits bestechen sie durch eine extreme Kundenzentrierung: der Fokus liegt darin, nicht darüber nachzudenken, wie man mehr Finanzprodukte verkaufen kann, sondern wie man dem Kunden Pain Points abnehmen kann, also bei einem spezifischen Problem, helfen kann.

Und Fintechs punkten oftmals mit diversen Teams, die meiner Meinung nach ein sehr entscheidender Faktor für den Erfolg sind. Die Teams sollten aus Tech-Spezialisten, Produktmanagern und Produktdesignern und nur zu 25 Prozent aus Industrieexperten bestehen. Diverse Teams  bringen unterschiedliche Sicht- und Denkweisen im Unternehmen voran und helfen ihnen sich auf die Bedürfnisse von Mitarbeitern und Kunden optimal einzustellen.

Und umgekehrt, was schätzen Sie an Regionalen Banken und was können Fintechs von diesem Sektor lernen?

Regionale Banken sind meist sehr starke Marken. Jeder kennt sicherlich die Bank oder Sparkasse aus seiner Heimat – die Marke vergisst man sein Leben lang nicht. Sie verfügen über einen großen Kundenstamm, durch ihre regionale Nähe haben sie eine enge Kundenbindung und beraten noch persönlich mit Fokus auf das Privat- und Firmenkundengeschäft.

Bei der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle stellt sich für Banken die Frage: Selbstentwickeln oder Kaufen? Was ist Ihre Empfehlung?

Weder noch: Ich kann nur empfehlen, mit einem starken Partner und Experten wie finleap digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Man sollte sich intensiv die Strategie und Zielgruppe anschauen, verstehen und mögliche digitale Lösungskonzepte bereits schnell – in 3-6 Monaten – aufziehen, testen und je nach Feedback sukzessive erweitern.

Wo sehen Sie das größte Synergiepotential in der Zusammenarbeit von Banken und Fintechs?

Banken haben ihre Stärken – Fintechs auch. Am besten funktioniert es, wenn diese Stärken miteinander kombiniert werden. Die Banken verfügen über eine starke Marke, haben bestehende Kunden – Fintechs haben digitale Lösungen, die den Bedarf der Kundengruppe besser decken als das oft veraltete bisherige Angebot. Es sind meist einfachere, schnellere und bequemere Lösungen. Eine Rolle spielt heute meist auch Transparenz. Nur dann kann man passende Finanzprodukte im Kontext der Lebenssituation des Kunden empfehlen. Dafür brauchen Banken alle Daten des Kunden an einem Ort – für die meisten eine extreme Herausforderung. 

Für eine erfolgreiche Kooperation braucht es mehr, als eine technische Anbindung. Was sind die Do’s und Don’ts für eine fruchtbare Zusammenarbeit?

Es sollte immer ein klares Erwartungsmanagement auf beiden Seiten über Prozessdauer, erforderliche Schritte, erforderlichen Ressourcenbedarf bestehen. Am besten sollten diese Punkte auch schriftlich zu Beginn der Zusammenarbeit fixiert werden, denn so können Missverständnisse von Anfang an aus dem Weg geräumt werden.

In der eigentlichen Kooperation ist es wichtig, die Ziele und die entsprechende Messung der Zielerreichung zu definieren. Wir entwickeln die Maßnahmen zur Optimierung der Kooperation und die zeitnahe Umsetzung auch immer gemeinsam mit dem Partner – das bringt die besten Ergebnisse. Und nicht vergessen, Erfolge auch wertzuschätzen und zu feiern, ist sehr wichtig und trägt zur langfristigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit bei.