Wie das Graphic Recording zur Jahrestagung entstand – Interview mit Malte von Tiesenhausen


Ein Highlight der diesjährigen „Handelsblatt Jahrestagung – Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken“ war die gezeichnete Konferenzdokumentation, das sogenannte Graphic Recording, der Visualisierungsexperten von Visual Facilitators. Illustrator Malte von Tiesenhausen sprach mit uns über diese außergewöhnliche Art und Weise, die Essenz einer Tagung grafisch darzustellen.

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Herr von Tiesenhausen, für Euroforum sind Sie bei Konferenzen als sogenannter „Graphic Recorder“ tätig. Erklären Sie bitte einmal, was das überhaupt ist.

Malte von Tiesenhausen: Ein Graphic oder Visual Recording ist ein grafisches Protokoll. Ob groß- oder kleinformatig, ob analog mit Stift und Papier oder digital auf dem Tablet erstellt – es geht immer darum, die Inhalte einer Veranstaltung in Ihrer Essenz zu erfassen und, verknüpft mit einer zusätzlichen visuellen Komponente, dem Betrachter des Bildes wieder zu vermitteln. Anders als bei schriftlichen Protokollen geht es hier keineswegs um eine lückenlose Erfassung jeden gesprochenen Wortes, oder gar einer objektiven Betrachtung. Ziel ist vielmehr, weitere Ebenen einer Veranstaltung einzufangen: Emotionales und Ungesagtes ist ebenso Teil eines Graphic Recordings, wie die visuelle Nachvollziehbarkeit von Gesprächsverläufen und Rückverweisen. Maßgeblich dabei: Ein solches Recording ist ein Instant-Produkt – endet der Sprecher, ist das Bild ebenfalls fertig und kann sofort eingesetzt werden! Oder um es noch einmal anders mit den Worten meines Partners Mathias Weitbrecht zu sagen: Graphic Recording ist im Grunde das Gegenteil von Powerpoint! Da nur die Essenz auf einem Blatt dargestellt wird, statt sich auf viele Slides zu verteilen, kann man es anschauen wie man mag, statt wie bei Powerpoint einer linearen Vorgabe folgen zu müssen. Dies ist in der heutigen komplexen Welt ein großer Vorteil!

 Sie waren erst kürzlich bei der 12. Handelsblatt Jahrestagung Zukunftsstrategien Sparkassen und Landesbanken. Können Sie uns ein paar Details zum Entstehungsprozess des Werkes erklären?

Malte von Tiesenhausen: Das Team von Visual Facilitators arbeitet viel und gern mit Euroforum zusammen! Die diesjährige Handelsblatt Jahrestagung zu Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken war aber etwas ganz Besonderes für mich: Fantastische Referenten und ein Publikum, das den Diskurs genossen hat, in einem tollen Ambiente, mit lebendiger und angeregter Stimmung – da fiel es mir leicht, ein Bild zu erstellen, mit dem sich die Teilnehmer sehr gut identifizieren konnten. In diesem Fall hatte ich, inspiriert durch den Veranstaltungstitel, das optische Leitbild „Zukunft“ gewählt, und habe konzeptionell versucht, alle Bildideen aus Science Fiction/Raumfahrt-Bereichen zu besetzen. Das Ergebnis sprach für sich – sicher eines der besten Recordings, die ich persönlich bisher angefertigt habe und ein großer Benefit für die Konferenzteilnehmer. Was mich besonders gefreut hat: Das Original wurde im Anschluss an die Veranstaltung zu einem guten Zweck versteigert. Eine tolle Idee des Euroforum-Teams!

Sie werden auch in den kommenden Monaten mehrere Konferenzen grafisch für EUROFORUM festhalten. Wie gehen Sie an einen Graphic Recording-Auftrag heran? Bereiten Sie sich thematisch vor? Oder ist es „authentischer“, einfach zu sehen, was passiert und sich komplett vom Momentum treiben zu lassen? 

Malte von Tiesenhausen: Bei Visual Facilitators legen wir großen Wert darauf, dass jedes Projekt gut vor- und nachbereitet wird. Dazu gehört eine Beratung, wie das Ergebnis nach der Veranstaltung optimal eingesetzt werden kann, aber selbstverständlich auch logistische und vor allem inhaltliche Vorbereitung. Ich lese mich schon im Vorfeld einer Veranstaltung ins Thema ein, und wir führen ein eingehendes Briefinggespräch mit dem Kunden, bei dem wir feststellen, was die Ziele der Veranstaltung sind und wie das Bild diese am besten unterstützen kann. Deshalb sind wir selbstverständlich auch im Bilde, was die Agenda einer Veranstaltung betrifft, aber was das Inhaltliche angeht ist ein hohes Maß an Flexibilität unerlässlich – und aus diesem Unvorbereiteten erwächst sicher in hohem Maße die Wirkung des Bildes. Intuition ist ein sehr wichtiger Faktor bei unserer Arbeit. Das gilt für mich und Herrn Weitbrecht ebenso wie für unser gesamtes Team bei Visual Facilitators!

Lesen Sie das komplette Interview mit Malte von Tiesenhausen auf dem Euroforum-Blog! Dort berichtet Baron Malte, wie er sich als Illustrator auch nennt, über seinen künstlerischen Werdegang, seine Einflüsse und spezielle Fähigkeiten, über die man als Graphic Recorder verfügen muss. HIER geht es zum Interview.