Führung von Sparkassen und Landesbanken in der Zukunft


Im Gespräch mit René Michael Weber

Herr Weber, vor welchen Herausforderungen und Veränderungen stehen die Sparkassen und Landesbanken Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren?

Hier sind die bekannten ökonomischen Einflussfaktoren wie Niedrigzinsumfeld und Margenerosion zu nennen ebenso wie die fortschreitende Digitalisierung, die tiefgreifende Veränderungen erfordert und sicherlich auch kostenmäßig zu Buche schlagen wird.

Das Kundenverhalten hat sich signifikant verändert und auf der Mitarbeiterseite stehen mehrere Generationen, die zu einem großen Teil nicht mit der Digitalisierung groß geworden sind. Dies erfordert eine hohe Führungskompetenz, die mit solchen komplexen Herausforderungen umgehen kann. Die Kernfrage lautet: Wie kann unsere Bank auch in Zukunft für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen attraktiv bleiben? Das gesamte Geschäftsmodell ist zu hinterfragen.

Sie sprechen die komplexer werdende Unternehmensführung an. Was ist eigentlich genau unter „Führungskultur“ zu verstehen?

Es gibt Werte und Verhaltensvorstellungen, die in einem Unternehmen verankert sind. Je mehr Menschen im Unternehmen diese Vorstellungen teilen und sich mit den Unternehmenswerten identifizieren können, desto stabiler ist die jeweilige Führungskultur ausgeprägt, desto einheitlicher wird die Kultur gelebt.

Welche Eigenschaften sollten Führungskräfte in der heutigen Zeit denn haben?

Sehr wichtig sind unter den gegebenen Umständen Veränderungsinitiative und Lernbereitschaft. Diese Eigenschaften müssen nicht „angeboren“ sein, sondern lassen sich –entgegen landläufiger Meinung –gut genug erlernen und ausbauen. Der herkömmliche transaktionale Führungsstil unterminiert die dringend notwendige Veränderungsbereitschaft bei den Mitarbeitenden. Führungskräfte sollten transformationales Verhalten zeigen, ihre Mitarbeitenden individuell behandeln, intellektuell herausfordern, inspirieren und im besten Falle als Vorbild Einfluss nehmen.

Jeder redet von Digitalisierung und Veränderung. Wie können Führungskräfte ihre Mitarbeiter dafür begeistern?

Die Digitalisierung wird tatsächlich alles einschneidend verändern: die Kommunikationskanäle, -qualität und -geschwindigkeit. Führungskräfte sollten sich darauf optimal vorbereiten und die Mitarbeiter für die anstehenden Veränderungen motivieren, um gemeinsam fit im Thema Digitalisierung zu werden. Dazu gehört auch das Nutzen moderner Kommunikationskanäle in der täglichen Führungsarbeit. In diesem Kontext müssen dringend Hierarchien abgebaut werden. Je flacher die Strukturen sind, desto mehr kann ein Unternehmen an Geschwindigkeit gewinnen. Und das ist ein entscheidender Pluspunkt im Hinblick auf eine erfolgreiche Zukunft.

Rene Michael Weber, RMW consult AGRené Michael Weber ist Dozent an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich, der Hochschule Luzern, der Management Akademie der Sparkassen Finanzgruppe und Managing Partner bei der RMW consult AG

www.rmwconsult.com

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