Commerzbank spart in New York


Das Institut verzichtet auf einen Teil seiner Investmentbanking-Geschäfte und baut mehr als 100 Stellen ab.

HANDELSBLATT WOCHENENDE 1./2./3. JULI 2016, NR.125

  • Das Ende von Cum-Cum-Geschäften wirkt sich aus.
  • Einsparungen in London dienen als Vorbild.

Yasmin Osman, Frankfurt

Die Commerzbank stutzt ihre Aktivitäten am Standort New York zurecht. Das Institut will sich aus bestimmten Geschäften zurückziehen und mehr als 100 Stellen abbauen. Das geht aus einem internen Interview von Kapitalmarkt-Vorstand Michael Reuther hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Bank setzt damit ihre Strategie im Investmentbanking fort, bestimmte Aufgaben an weniger Standorten zu bündeln und dadurch effizienter zu werden. „Die geplante Neuaufstellung in New York wird dazu führen, dass wir die Anzahl der Stellen in New York reduzieren werden“, sagt Reuther in dem Gespräch. Etwa 100 Stellen sollen bei der nachgelagerten Bearbeitung von Geschäften („Back Office“) wegfallen. Im Vertrieb mit Kundenkontakt („Front Office“), sei eine „kleine zweistellige Anzahl von Stellen“ betroffen. Die Bank kommentierte das nicht. Eine vergleichbare Aktion wie in New York hatte es Ende 2014 in der Filiale in London gegeben. Auch dort wurden insbesondere Back-Office-Aufgaben an andere Standorte verlagert. Wichtige Produkte wie Dollar-Kredite, Anleihen oder Währungsprodukte sowie kundenbezogene Kapitalmarktgeschäfte will die Bank in New York zwar auch weiter anbieten, anderes zählt das Institut aber nicht mehr zum Kerngeschäft. Zu den Geschäften, die die Commerzbank künftig „einkauft“, zählen die Abwicklung und das Clearing von US-Dollar-Zahlungen von Geschäftskunden, die nicht aus den USA heraus getätigt werden. Solche Geschäfte sollen künftig Drittbanken erledigen. Die Bank könne dadurch die Komplexität ihres internationalen Zahlungsverkehrsangebots reduzieren, erklärt Reuther.

Der Dollar-Zahlungsverkehr ist ein regulatorisch heißes Eisen: Banken, die nicht genau darauf achten, für wen sie Dollar-Geschäfte abwickeln, können schnell Probleme bekommen. Denn wenn daran Kunden beteiligt sind, die auf US-Sanktionslisten stehen, drohen Strafen. Die Commerzbank etwa zahlte 2015 im Rahmen eines Vergleichs 1,2 Milliarden Euro wegen Dollar-Geschäften iranischer Kunden. Zu den Geschäften, die die Commerzbank in den USA komplett einstellt, zählt das Wertpapierleihe-Geschäft und strukturierte Finanzierungslösungen. Die betroffene Abteilung, „Securities Finance and Equity Collateral Solutions“ genannt, geriet vor einigen Monaten in die Schlagzeilen, weil die Bank mit diesen Wertpapierleihe-Geschäften zum Teil ausländischen Investoren bei der Umgehung der deutschen Kapitalertragsteuer half. Diese Transaktionen heißen Cum-Cum-Geschäfte – und wurden von der Commerzbank besonders eifrig betrieben, wie Recherchen von Handelsblatt und Bayerischem Rundfunk gezeigt hatten. Mittlerweile hat das Institut seine Cum-Cum-Geschäfte eingestellt. In der bisherigen Form sind sie in Deutschland seit Anfang Juni ohnehin verboten. Im Ausland gäbe es nach wie vor Möglichkeiten, solche Geschäfte legal zu betreiben. Die Commerzbank will aber auch dort darauf verzichten. Die Einstellung der Wertpapierleihe in den USA wäre auch ohne das Aus für die Cum-Cum-Transaktionen erfolgt. Diese Entscheidung als Folge der Einstellung der umstrittenen Geschäfte zu bezeichnen, „wäre viel zu kurz gegriffen“, sagt Reuther. Die Bank habe im Jahr 2015 die Strategie begonnen , globale Kompetenzzentren einzurichten. Der Rückzug aus Cum-Cum-Geschäften wird allerdings zu einem zusätzlichen Stellenabbau von Mitarbeitern der Abteilung an anderen Standorten führen, etwa in London, wie zu hören ist.

Die Kürzungen im Bereich „Securities Finance and Equity Collateral Solutions“ dürfte finanziell spürbar sein: Die Abteilung erzielte in guten Jahren Erträge im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, heißt es in der Bank. Das lag nicht allein an Geschäften rund um den Dividendenstichtag, doch sollen diese einen nennenswerten Teil des Geschäfts ausgemacht haben. Vorstandschef Martin Zielke dürften finanzielle Folgen kaum irritieren. Im Mitarbeitermagazin „Commerzbanker“ sagte er zur Cum-Cum-Debatte, die Bank habe sich bewusst so positioniert, dass sie mit dem, was sie tue, gesellschaftlich akzeptiert sein wolle. „Das ist unser Anspruch. Und da können wir es uns einfach nicht leisten, im Namen der Commerzbank Geschäfte zu machen, die einen Reputationsschaden nach sich ziehen.“