Interview mit Dr. Karl-Werner Leffers, General Manager and Head of Neurology Central Europe, UCB

Interview mit Dr. Karl-Werner Leffers, General Manager and Head of Neurology Central Europe, UCB

Foto: Karsten Lindemann

Orphan Drugs & Europäische Nutzenbewertung

In der EU leben von 447 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern rund 30 Millionen mit einer seltenen Erkrankung; vier Millionen davon in Deutschland. Seit dem Jahr 2000 konnten mit Hilfe der „EU-Verordnung über Arzneimittel für seltene Erkrankungen“ bereits 183 Medikamente, sogenannte Orphan Drugs, in der Entwicklung gefördert und Patientinnen und Patienten erfolgreich zur Verfügung gestellt werden. Nun wird über eine Einschränkung dieser Fördermaßnahmen diskutiert.

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Interview mit Dr. Michael Horn, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Im Vorfeld der Jahrestagung Pharma 2021 hat Moritz Schönleber, Senior Event Producer vom Handelsblatt mit Dr. Michael Horn, Abteilungsleiter, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gesprochen.

Im Interview haben wir Antworten auf folgende Fragen gefunden:

  • Die Liefersicherheit von Pharma-Unternehmen ist gerade ein brandheißes Thema- wie beobachten Sie die aktuelle Debatte?
  • Stichwort Standortdebatte- Wie europäisch sollte sich die deutsche Pharmaindustrie aufstellen?

Interview mit Prof. Dr. Wolfram Carius, Bayer AG

Im Vorfeld der Jahrestagung Pharma 2021 hat Moritz Schönleber, Senior Event Producer vom Handelsblatt mit Prof. Dr. Wolfram Carius, Executive Vice President, Cell and Gene Therapy, Pharmaceuticals Division gesprochen. „Externe Innovation spielt als wichtiger Wertetreiber eine große Rolle“ Wolfram Carius von Bayer Pharmaceuticals über die Zukunft von Kooperation und Innovation der Pharma-Branche.

Ein standardisierter Datensatz für die COVID-19-Forschung

Ein standardisierter Datensatz für die COVID-19-Forschung

von Prof. Dr. med. Sylvia Thun und Dr. Moritz Lehne

Wohl noch nie wurde innerhalb weniger Monate in einem Bereich so viel geforscht wie aktuell zu COVID-19. Seit im Dezember 2019 die ersten Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt wurden, haben Forscherinnen und Forscher Zehntausende von Studien über COVID-19 und SARS-CoV-2 veröffentlicht. Diese Studien liefern täglich neue Erkenntnisse, die uns dabei helfen können, die Pandemie erfolgreich zu bekämpfen.

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Innovationen im Gesundheitswesen Deutschland braucht mehr Pioniergeist

von Dr. Jens Baas

Es waren Bilder wie beim Besuch eines Rockstars, als Elon Musk Anfang September seine Tour durch Deutschland startete. Besonderes Augenmerk ließ der US-Unternehmer dabei auf das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac fallen, dessen „Impfstoff-Drucker“ zur möglichen Bekämpfung von Covid-19 er sich genauer anschauen wollte. Amerikanischer Pioniergeist trifft auf schwäbisches Tüftlertum.

Das Handelsblatt kommentierte, Musks Besuch solle uns zuversichtlich stimmen; Deutschland verändere die Welt, auch wenn wir das nicht immer bemerken. Worte, die Hoffnung machen, dass es besser um den Innovationsstandort Deutschland bestellt ist, als so mancher denkt. Es fehlt uns nicht an Ideen, nein, insbesondere im Gesundheitswesen tun wir uns nur schwer, Innovationen ausreichend schnell in den Markt zu bringen. Woran kann das liegen?

Corona-Krise: Zwischen Systemdefiziten und neuem Denken
Keine Frage, die Corona-Pandemie ist eine Krise historischen Ausmaßes – für die Gesellschaft, die Wirtschaft und das Gesundheitssystem gleichermaßen. Auch, wenn wir in Deutschland ein grundsätzlich gutes und funktionierendes Gesundheitssystem haben – sicherlich sogar eines der besten der Welt – hält die Pandemie uns deutlich die Defizite vor Augen. Etwa gleich zu Beginn der Krise, als es vor allem an Schutzausrüstung mangelte. Auch ein weiteres Defizit kristallisierte sich heraus: Die mangelnde Vernetzung und der immer noch schwerfällige Umgang mit Gesundheitsdaten, der sich unter anderem in der häufig viel zu langsamen Übermittlung von Corona-Testergebnissen widerspiegelte.

Die größten Engpässe bei der Schutzausrüstung haben wir zunächst einmal überwinden können und die elektronische Patientenakte wird in Sachen Vernetzung perspektivisch wertvolle Dienste leisten, wenn sie im Januar kommenden Jahres eingeführt wird. In Zukunft soll sie unter anderem Befunde, Behandlungsberichte, Impf-und Medikationspläne speichern und diese Daten leichter für medizinisches Personal zugänglich machen, sofern die Patientin oder der Patient dies wünscht. Bei all diesen Dingen, von denen man doch denkt, sie müssten im 21. Jahrhundert reibungslos funktionieren, hat Corona wie durch ein Brennglas gezeigt, wo die Schwachstellen liegen.

Die Pandemie ist nicht nur eine riesige Herausforderung, sie ist auch eine Art Zeitenwende: Die Menschen sind offener und bereiter geworden, technologischen Fortschritt zu nutzen und neue, digitale Wege zu gehen. Das zeigte sich während des Lockdowns und danach in vielen Facetten – im Privaten, im Berufsleben und eben auch im Gesundheitsbereich. Digitale  Sprechstunden, elektronische Krankschreibungen und elektronische Rezepte – die Nutzung digitaler Angebote hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen.

Das deutsche Gesundheitssystem, ein abgeschotteter Markt
Offensichtliche Defizite rufen Pioniere und Tüftler auf den Plan, auch in Deutschland. Es gibt sie hierzulande, die jungen Unternehmen, die Startups, die klugen Köpfe, die Verbesserungspotenziale sehen, smarte Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung entwickeln und diese zügig auf den Markt bringen müssen, um Geld zu verdienen. Das zeigt unter anderem die Health-i Initiative, die die Techniker Krankenkasse zusammen mit dem Handelsblatt ins Leben gerufen hat, und über die wir Innovatoren beim Weg in die Versorgung unterstützen. Die Initiative spiegelt uns seit fünf Jahren wider, dass der Innovationsgrad in Sachen digitale Gesundheitsversorgung im Lande hoch ist, dass es an Ideenreichtum und Problemlösungskompetenz keinesfalls mangelt.

Jedoch fehlt es bei vielen, die ihre Ideen ins Gesundheitssystem bringen wollen, an dem Wissen um die hohen Widerstandskräfte des Systems. Das deutsche Gesundheitswesen, es ist eben kein klassischer Markt, es besitzt eigene Regeln. Und diese in ihrer Tiefe zu verstehen, ist für Außenstehende oft nicht leicht. Das komplexe System zeigt sich hier und da abgeschottet. Der Grund: Es funktioniert für viele Beteiligte gut, entsprechend gering ist der Drang nach Veränderung und entsprechend hoch der Widerstand im Sinne der Wahrung eigener Interessen. Die beschriebene mangelnde Vernetzung und die dafür erforderliche Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen werden häufig mit der Bedrohung von Arbeitsplätzen und digitaler Überwachung gleichgesetzt. Die Argumente, durch die Digitalisierung werde die Versorgung für Ärzte und Patienten gleichermaßen sicherer und komfortabler und das Gesundheitssystem spare 34 Milliarden Euro pro Jahr an Kosten, wie es eine McKinsey-Studie errechnet haben will, verpuffen vor diesem Hintergrund.

Krankenkassen als Starthelfer für digitale Innovationen
Als Schlüsselfaktor für visionäres Unternehmertum nennt Elon Musk, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die für Menschen sinnvoll sind. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Ein erleichterter Marktzugang für Innovationen ist hierfür elementar, und die Krankenkassen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie können Versorgungslücken gut erkennen, sie haben das „Market-Access-Know-How“, um Innovationen in die Versorgung zu bringen.

Dieses Wissen fehlt vielen Unternehmen und auch den meisten Wagniskapitalgebern. Durch das Ende letzten Jahres verabschiedete Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) haben die Kassen nun die Möglichkeit, mit einem Teil ihrer Finanzreserven Startups zu fördern. Ein echtes Novum in der Krankenkassen-Landschaft. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Krankenkassen nicht profitorientiert arbeiten. Dadurch können sie in Startups investieren, bei denen sich ein Einstieg für klassische Investoren nicht lohnt, die Versorgung aber verbessert wird. Entsprechend mein Rat: Ohne einen erfahrenen Lotsen, der die Startups und Innovatoren mit ihren Ideen durch die Untiefen des Systems steuert, erleidet man schnell Schiffbruch. Das umfasst auch das wichtige Thema Datenschutz.

Datenschutz: Chance statt Stopper
Daten, sie sind das Öl des 21. Jahrhunderts und besonders im Gesundheitsbereich der zunehmend wichtigste Treibstoff für Innovationen. Keine Frage, der Datenschutz ist hierbei ein hohes Gut und sorgt für hohe Akzeptanz bei den digitalen Anwendungen. Jedoch sehen wir, dass Datenschutz immer noch viel zu oft als Argument zum Schutz von Eigeninteressen vorgeschoben wird.

Ein Regelwerk schafft seit gut zwei Jahren die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Mit ihr haben wir ein Grundgesetz für die Digitalisierung Deutschlands und Europas. Und das ist viel wert, denn es unterscheidet uns in Deutschland und Europa deutlich von den markt und wettbewerbsorientierten US-amerikanischen sowie den staatlich dominierten chinesischen „Datenschutzkonzepten“. Bei uns sollen die Patienten die Hoheit über ihre medizinischen Daten haben; allein sie entscheiden, was mit ihnen geschieht. Seit Corona verstehen immer mehr Menschen, wie wichtig Daten bei der Bekämpfung von Krankheiten sind, wie wichtig es ist, dass sie zur Forschung etwa gegen Covid-19, gegen Krebs oder Demenz innerhalb Europas ausgetauscht werden, dass Spezialisten länderübergreifend zusammenarbeiten müssen und dass Gesundheit eben nicht an der Landesgrenze Halt macht. Der europäische Datenraum für Forschungsdaten muss daher endlich Form annehmen. Denn nur mit diesem „europäischen Weg“ können wir in Zukunft im Wettbewerb um die besten Gesundheitsinnovationen der starken außereuropäischen Konkurrenz Stand halten. Es gilt, eine Kommerzialisierung der Nutzung medizinischer Daten durch internationale Tech-Riesen zu verhindern und gleichzeitig Forschung und Versorgungsinnovationen in Deutschland und Europa mit hohem Tempo voran zu treiben.

Fazit: Den Mut haben, bestehende Grenzen zu verschieben
Ein Pionier ist jemand, der auf einem bestimmten Gebiet bahnbrechend ist. Ein Wegbereiter, ein Vorreiter, der auch unbekanntes Gelände nicht scheut. Und damit zurück zu Elon Musk und seinem Deutschlandbesuch: Deutschland ist nach wie vor ein Land der Innovationen, und das deutsche Gesundheitssystem ist ein Milliardenmarkt, der ständig weiter wächst. Laut einer aktuellen Roland Berger Studie steigt allein das Volumen des digitalen Gesundheitsmarktes in Deutschland in den kommenden fünf Jahren auf 57 Milliarden Euro. Musk hat das erkannt. Sein Besuch in Deutschland sei ein verstecktes Lob und eine Verbeugung vor deutschem Forschergeist und hiesiger Ingenieurskunst, schrieb das Handelsblatt. Dem kann ich mich nur anschließen. Gerade der Ernstfall der Corona-Pandemie zeigt uns, welche enormen Chancen in der Digitalisierung zum Wohle der Menschen liegen. Wir sollten das geänderte Mindset in  Sachen neuer Technologien jetzt nutzen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Deutschland sowie in Europa deutlich voran zu bringen. Hierzu müssen wir Gesundheitspionieren mit ihren Innovationen schnell und unkompliziert den Weg ebnen. Und dafür müssen wir auch den Mut haben, bestehende Grenzen zu verschieben. Denn nur so kann unser Gesundheitssystem zukunftsfähig werden und auch weitere Krisen und Pandemien gut überstehen.

Der europäische Datenraum für Forschungsdaten muss endlich Form annehmen

baasDr. Jens Baas
Vorstandsvorsitzender
Techniker Krankenkasse

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