Interview mit Prof. Dr. Uwe Baake, Leiter Produktentwicklung, Mercedes-Benz Lkw


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Wo sehen Sie aktuell die Herausforderungen der Branche?

Es ist eine spannende, faszinierende, motivierende Zeit, um LKWs zu entwickeln, denn unsere Branche unterliegt umfassenden technologischen Veränderungen – denken Sie nur an das vernetze, automatisierte und elektrische Fahren.

Bei Mercedes-Benz Trucks arbeiten wir an all diesen Themen, ob mit dem vollelektrischen eActros, unserem neuen Actros mit teilautomatisiertem Fahren oder unserem führenden Vernetzungs-Dienstleister Fleetboard.
Die Herausforderung ist dabei wie bisher auch: wir müssen Lösungen finden, die ökologisch sinnvoll sind – Stichwort Co2 –, die aber gerade auch ökonomisch sinnvoll für unsere Kunden sind. Schließlich betreiben sie LKWs immer im gewerblichen Einsatz und der muss sich rechnen, sonst hat der Unternehmer keine Zukunft.

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Lösungen dazu aus?

Nehmen wir das Beispiel Antrieb. Batterieelektrische Antriebe für den urbanen Bereich, (Bio-) Gasantriebe oder ggf. auch die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle für den Fernverkehr.
Schon heute bieten wir bei Daimler Lösungen vom Leicht-Lkw FUSO eCanter über den mittelschweren Freightliner eM2 bis hin zum schweren Mercedes-Benz eActros mit batterieelektrischen Antrieben an. Mitte 2018 wurde hierfür die E-Mobility Group mit dem Ziel gegründet, eine umfassende E-Strategie für Lkw unabhängig von Marke und Segment zu entwickeln und eine gesamtheitliche Elektroarchitektur zu schaffen. Gleichzeitig arbeiten wir an Lösungen im Bereich Erdgas- und Brennstoffzellenantrieben.

Welche Techniktrends werden sich durchsetzen?

Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge als Teil von Telematik- und Mobilitätslösungen haben das Potenzial, den Verkehr effizienter, nachhaltiger und sicherer zu machen. Den Weg zum unfallfreien und autonomen Fahren gehen wir dabei Schritt für Schritt. Nach Einführung des automatisierten Fahrens auf Level 2 sowohl in Europa mit dem Mercedes-Benz Actros oder auch dem Freighliner Cascadia in USA, verfolgen wir bei Daimler Trucks nun die Entwicklung von Level 4 (hochautomatisiertes Fahren). Um Level 4 zur Marktreife zu bringen, investieren wir in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro in die Entwicklung.

Was muss der Gesetzgeber noch tun, um den Weg zu ebnen?

Ein harmonisierter, grenzüberschreitend gültiger Rechtsrahmen ist Voraussetzung für die Weiterentwicklung und erfolgreiche Einführung von neuen Technologien, etwa von hochautomatisierten oder autonomen Nutzfahrzeugen. Industrie und Politik müssen auf nationaler, aber vor allem auch auf europäischer und internationaler Ebene eng zusammenarbeiten, um zeitnah notwendige und einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Wo steht Deutschland im Verhältnis zum Rest der Welt?

Die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft steht in engem Zusammenhang mit der Effizienz der Logistik. Dieser Aspekt wird immer relevanter, da sich das globale Straßengüterverkehrsaufkommen zwischen 2015 und 2050 voraussichtlich mehr als verdoppeln wird.

Gleichzeitig stehen nun Co2 und Verbrauchsziele im Raum, die mit konventionellen Dieselmotoren nicht mehr realisierbar sind. Hier muss der Gesetzgeber nachziehen und alternative Antriebe begünstigen, zum Beispiel über die Mautbefreiung. Denn alternative Technologien sind nach wie vor sehr teuer und noch nicht wirtschaftlich für den Transportunternehmer.