Interview mit Herr Korn, Gründer & CEO von KEYOU


Wo sehen Sie aktuell die Herausforderungen der Branche?

Der Klimawandel ist für jeden spürbar, der Klimaschutz wird für jedermann erlebbar. Der gesellschaftliche Druck, CO2 in der Mobilität zu reduzieren, steigt kontinuierlich und immer rascher an. Die aktuell definierten Grenzwerte in der EU Gesetzgebung sind erst der Anfang. Hersteller stehen vor der großen Aufgabe, die Flottengrenzwerte zu erfüllen und gleichzeitig profitabel zu bleiben.

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Lösungen dazu aus?

Die Abkehr vom Dieselantrieb bedarf einer praktikablen und massentauglichen Alternative, die in kurzer Zeit in hohen Stückzahlen erfolgreich im Markt etabliert werden kann und eine globale, hohe Klimaschutzeffiktivität im Lebenszyklus zeigt. Der Kunde im Nutzfahrzeugbereich kann aber – anders als beim Individualverkehr – keine Kompromisse hinsichtlich Kundennutzen in Kauf nehmen. Sein Geschäftsmodell ist in der Regel sehr kostensensitiv, Verfügbarkeiten, Alltagstauglichkeit und Fahrreichweite spielen eine wichtige Rolle. Deshalb wird sich im Nutzfahrzeugbereich am Ende die Technik durchsetzen, bei der der Kunde im Vergleich zum Diesel die geringsten Kompromisse bei Reichweite, Alltagstauglichkeit, Verfügbarkeit und Kosten eingehen muss. Aus unserer Sicht ist dies der Wasserstoffverbrennungsmotor.

Welche Techniktrends werden sich durchsetzen?

In der EU-Gesetzgebung zur CO2-Reduzierung im Nutzfahrzeugbereich werden drei Nullemissionstechnologien genannt: Batterieelektrische Fahrzeuge, Fahrzeuge mit Wasserstoffbrennstoffzelle und Fahrzeuge mit Wasserstoffverbrennungsmotor. Synthetische Kraftstoffe werden im aktuellen Gesetz nicht berücksichtigt und helfen den Herstellern somit nicht, ihre Flottengrenzwerte zu erreichen.

Nachdem der gesellschaftliche Druck, den Klimawandel aufzuhalten, kontinuierlich ansteigt, spielen die drei Faktoren Klimaschutzeffektivität, Massentauglichkeit und hoher Kundennutzen im Nutzfahrzeugbereich die entscheidende Rolle. Hier sehen wir Fahrzeuge mit Wasserstoffverbrennungsmotoren im Vergleich zu Elektromobilität und Brennstoffzelle in den nächsten 20 Jahren deutlich im Vorteil.

Der Wasserstoffmotor benötigt in der Herstellung keine seltenen oder gifitgen Rohstoffe und kann mit einer vorhandenen, bis ins letzte Detail optimierten Produktioninfrastruktur in kurzer Zeit in hohen Stückzahlen produziert werden. Der Wasserstoffmotor ist hocheffizient, robust und kann in hohen Stückzahlen sogar kosteneffizienter produziert werden wie sein Dieselpendant (da teure Abgasnachbehandlung entfällt). Er kann ideal mit dem elektrischen Antriebsstrang als Hybrid kombiniert werden und erreicht damit zusätzliche Qualitäten wie hohe Kraftstoffeffizienz und geräuschloses An- und Abfahren in Stadtgebieten. Im Vergleich zum Batteriespeicher hat der Wasserstoffspeicher jedoch eine deutlich höhere (gravimetrische) Energiespeicherdichte (Faktor 25) und deutlich niedrigere Herstellkosten (Faktor 23). Somit können Nutzfahrzeuge mit Wasserstoffmotor und Wasserstoffspeicher bereits in vielen Anwendungen die erforderlichen Reichweiten oder Betriebsstunden erzielen. Die Kostenstruktur von Wasserstofffahrzeugen mit Verbrennungsmotoren liegen im Bereich von Erdgasfahrzeugen.

Es deutet vieles auf eine kommende Dominanz des Wasserstoffmotors in den nächsten zwei Jahrzehnten und darüber hinaus hin. Alleine die Rohstoffversorgung, die elektrische Energieversorgung und die Produktionsinfrastruktur für Millionen von Batteriefahrzeugen aufzubauen, wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Zeit die der Klimawandel nicht zulassen wird. Ausserdem darf man die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen nicht vergessen, die ebenfalls mit dem Wasserstoffmotor möglich wären.

Was muss der Gesetzgeber noch tun, um den Weg zu ebnen?

Die Politik sollte Grenzwerte und Rahmenbedingungen schaffen und keine technischen Lösungen vorgeben. Die EU-Kommission hat dies in der CO2-Gestzgebung getan. Ich würde mir wünschen, dass auch in Deutschland über die Elektromobilität hinweg wieder Technologie offen gefördert und gefordert wird. Viele Wege führen nach Rom und wir sollten uns keiner Alternativen berauben vor allem nicht diejenigen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland heute und zukünftig stärken.

Wo steht Deutschland im Verhältnis zum Rest der Welt?

Die Wasserstoffmobilität ist der kommende Megatrend, der den Trend der Elektromobilität bei weitem übertreffen wird.  In Asien – allen voran in Japan, Südkorea aber auch China – werden aktuell Milliarden in die Wasserstoffmobilität und deren Infrastruktur investiert. Diesen Trend dürfen wir nicht verpassen. Mit dem aktuellen Aufbau einer Wasserstofftankstelleninfrastruktur in Deutschland sind wir mit führend. Der Wasserstoffmotor kann Innovationstreiber für alle Wasserstofftechnologien in Deutschland und Europa sein.