Startet mit Tools – holt euch Hilfe

Dr. Andreas Liebl, Geschäftsführer und Lennart Haller, AI Experte, appliedAI, UnternehmerTUM Projekt GmbH

KIs von Grund auf neu zu entwickeln ist aufwendig und teuer. Es ist aber vor allem auch eines: Unnötig. So gibt es bereits eine breite Menge an Frameworks, welche die Entwicklung und das Prototyping von KI Systemen vereinfachen und die Entwicklung beschleunigen.

Noch während der eine Roboterarm in seine Standardposition zurückfährt wird das Werkstück gegriffen und von dem nächsten Roboter bearbeitet. Mehrere Nähte werden geschweißt; nach zwanzig Sekunden fährt das Werkstück weiter zur nächsten Station. Plötzlich stoppt die Produktionsstraße, einer der Schweißroboter ist defekt. Das Band steht für einen Tag still – 20 Million Euro Produktionsausfall.

Dieser Schaden hätte durch eine intelligente Überwachung der Roboter verhindert werden können. Die Lösung ist ein künstliches Intelligenz (KI) System, welches ständig alle Parameter der Roboter im Blick hält und vor einem Ausfall warnt bevor dieser passiert: Predictive Maintenance.

Dieses und viele andere Anwendungsbeispiele sind schon heute Realität und teilweise auch schon als Standardanwendung verfügbar. So filtern KI Systeme beispielsweise Kundendaten um den Support effizienter, schneller und personalisierter zu gestalten. KI Systeme übernehmen Aufgaben in der Produktion und in der Buchhaltung. Sie helfen beim Einstellen von Personal und bei der Vorhersage von Finanzentwicklungen. Überall wo große Datenmengen ausgewertet werden können, liefern sie einen immensen Mehrwert und sparen bares Geld.

KIs von Grund auf neu zu entwickeln ist aufwendig und teuer. Es ist aber vor allem auch eines: Unnötig. So gibt es bereits eine breite Menge an Frameworks, welche die Entwicklung und das Prototyping von KI Systemen vereinfachen und die Entwicklung beschleunigen. Monatlich kommen neue Tools, Modelle und öffentliche Datensätze hinzu. All dies kann man auch als Unternehmen als Grundlage benutzen, um eigene Entwicklung zu betreiben und von aktuellen Forschungsergebnissen schnell zu profitieren ohne tiefgreifendes Verständnis von der Technologie zu haben. Man muss nicht eine Festplatte konstruieren können um ein Programm zu schreiben. Genauso wenig muss man ein Computer Vision System bauen können um eine Anwendung mit Gesichtserkennung zu erstellen. Es geht um die richtigen Tools, Frameworks und vortrainierten Netze, die zu großen Teilen öffentlich verfügbar oder über APIs zugänglich sind – und zuallererst natürlich um Daten. Diese müssen in hinreichender Menge vorhanden, hochwertig, relevant und repräsentativ sein. Alles Charakteristika, die man insbesondere bewerten kann, wenn man testet und schnelle Prototypen baut. In unseren Hackathons entwickeln begabte Studenten teilweise in wenigen Stunden fortgeschrittene KI-Anwendungen. Über die letzten 2 Jahre hat sich die  Entwicklungsgeschwindigkeit drastisch erhöht. Auf Basis dieser Erfahrungen haben wir mit Unterstützung des Freistaats Bayern und einem starken Partnernetzwek appliedAI ins Leben gerufen. “We accelerate the adoption of AI” ist kein Slogan, sondern etwas, das wir täglich erleben und so vielen Unternehmen wie möglich bereitstellen wollen.

Wie soll man aber beginnen, wenn man kein qualifiziertes Personal hat oder findet? KI Entwickler sind viel gesucht, aber auch da gibt es Unterstützung: Auf der online Plattform Kaggle stehen mehr als eine halbe Millionen data scientists und deep learning Entwickler bereit, um von Firmen ausgeschriebene Wettkämpfe zu gewinnen und bei der Lösung der Probleme zu helfen. So kommt man mit qualifiziertem, interessiertem Personal in Kontakt. Es ist also eine ganze andere Art von Entwicklern gefragt: keine klassischen Stellen in der IT sondern vielmehr eine Verbindung von Strategie, IT und Business Development. Es geht hier um neue Geschäftsmodelle, neue Produkte und komplett veränderte Prozesse in der Organisation. Es braucht zentrale, agile Teams mit eben diesem Verständnis welche mit Rückgriff auf verschiedenste Funktionen im Unternehmen Prozesse verändern können. In Gesprächen mit Unternehmen wird uns immer wieder mitgeteilt, dass die wirklich guten KI-Entwickler nicht zufrieden sind mit der Arbeit an immer gleichen Problemen. KI hat eine enorme Bandbreite und eben diese wollen auch die Experten in ihrer Arbeit verkörpern. Daher sind Möglichkeiten zur Abwechslung, zum Austausch und für Projekte außerhalb der Kernaktivitäten wichtig um Talente anzuziehen und zu halten – Plattformen, Initiativen, Netzwerke oder Kooperationen bieten solche Möglichkeiten

Den Herausforderungen, die mit der Auseinandersetzung mit KI einhergehen, gegenüber zu treten ist schwierig, aber essentiell um nicht vom Markt gedrängt zu werden. Bereits jetzt hat KI eine große Wirkung auf unseren Alltag. Aber das ist erst der Anfang. Wie die Elektrizität vor 100 Jahren wird KI in den nächsten Jahren die Wirtschaft und unser Leben grundlegend verändern. Für Firmen wird es wichtig sein jetzt zu erkennen wie KI die Unternehmensprozesse beschleunigen und eigene Produkte ergänzen kann. Sonst bleibt man im Kampf um die eigene Marktposition womöglich auf der Strecke. KI wird keine Manager ersetzen. Aber Manager, die KI einsetzen, werden diejenigen ersetzen, welche dies nicht tun.

Neutrale und anwendungsorientierte Initiativen wie appliedAI bieten Firmen die Möglichkeiten eigene Kompetenzen in diesem Bereich auf- oder auszubauen um so langfristig eine marktführende Rolle einzunehmen.

Andreas LieblDr. Andreas Liebl, Partner, appliedAI, UnternehmerTUM Projekt GmbH