Künstliche Intelligenz kann Nachhaltigkeit

Woher nur nehmen wir all die Daten-Spezialisten?

Fabian Schladitz, Leiter des deutschen CoE Artificial Intelligence bei Capgemini

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind die Themen unserer Zeit – kaum eine politische Debatte ohne Klima-Dimension; kein DAX-Unternehmen ohne Zielsetzungen zur Klimaneutralität. Doch eine Frage treibt alle Protagonisten um: wie ist das zu schaffen?

Eine Studie des Capgemini Research Institute zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) hierbei schon heute eine Rolle spielen kann. Etwa 14 Prozent der weltweiten industriellen Treibhausgas-Emissionen könnten im Schnitt eingespart werden, wenn vorhandene Mittel großflächig Nutzung fänden. Und dies bereits in den nächsten drei bis fünf Jahren.

Jene Organisationen, die eine ausgereifte Klima-Strategie mit Kompetenz im Bereich KI verbinden, zeigen sich der Studie zufolge deutlich näher an der Zielgeraden zum Pariser Klimaschutzabkommen als andere Unternehmen. Die Anwendungsfälle von Künstlicher Intelligenz sowie Maschine Learning zur Reduktion von Treibhausgasen sind dabei durchaus vielfältig und lassen sich in unterschiedlichen Branchen anwenden:

  • Reduktion des Ausschusses durch KI-gestützte Qualitätsprüfung
  • Routen- und Flottenoptimierung in Lieferketten und der Distribution
  • Reduktion des Ausschusses durch KI-gestützte Prognosen über zukünftigen Energieverbrauch, um Spitzen frühzeitig abfangen zu können
  • Abfallreduktion durch genauere Planung verderblicher Waren mit Hilfe von KI-gestützter Prognose
  • Materialeinsparungen durch die Nutzung von Machine Learning in Design und Konstruktion

Im Automobilsektor beispielsweise zeigen aktuelle Entwicklungen wie emissionsfreie Fahrzeuge oder die CO2-neutrale Produktion ganz deutlich den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit. Allein hier haben KI-getriebene Anwendungsfälle das Potenzial, mehr als ein Fünftel der notwendigen Einsparungen, gemäß Pariser Klimaabkommen, bis 2030 zu realisieren. Beide, Automobilhersteller wie auch Zulieferer sind gleichermaßen dabei, die Nachhaltigkeit ihrer Produktpalette und der Wertschöpfungsketten neu zu bewerten. Eine der größten Herausforderungen hierbei ist die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, eine kostenoptimierte Produktion und Logistik sowie die veränderte Anforderung der Konsumenten zu erfüllen. Künstliche Intelligenz kann in den häufig sehr komplexen Lieferketten und der großen Menge von Kundensignalen für Ordnung sorgen, Muster erkennen und Verhalten klassifizieren oder vorhersagen. Mit diesen Werkzeugen ist es dann möglich, bessere Entscheidungen zu fällen oder zu automatisieren.

Tue Gutes und trainiere

Um die oben skizzierten Anwendungsfälle umzusetzen und auch in der ganzen Breite des eigenen Unternehmens zu nutzen, ist es notwendig, das eigene Personal zu schulen und in die Lage zu versetzen, KI-Lösungen zu verstehen und ihre Ergebnisse zu interpretieren.

Ein Beispiel dafür kann eine interne „Data Science Challenge“ sein. Capgemini hat eine solche vor einigen Jahren gemeinsam mit Partnern ins Leben gerufen. Reale Probleme werden hierbei mit Hilfe von Daten und maschinellem Lernen gelöst – mit tatkräftiger Unterstützung von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Die Kombination von Training, sozialem Engagement – die Trainingsfälle stammen oft von Non-Profit-Organisationen – und Teamarbeit motiviert die Mitarbeiter und stattet sie zügig mit notwendigen, praktischen Erfahrungen aus.

Zwischenzeitlich ist diese ursprünglich deutsche Initiative global ausgerollt und bringt regelmäßig mehr als 1.000 Teilnehmer zusammen, die gemeinsam lernen und Daten im Sinne von Umwelt und Natur einzusetzen. Ein besonders „schwergewichtiges“ Beispiel aus dem letzten Jahr war, die Migrationsrouten von Pottwalen besser messen zu können und damit einen Beitrag zum Schutz der Meeressäuger zu leisten [https://www.capgemini.com/de-de/news/capgemini-ki-data-science-pottwale/].

Viel Raum für KI

Die eingangs erwähnte Studie zeigt, dass zwei Drittel der Unternehmen den Klimaschutz zu einer strategischen Priorität erklären. Allerdings kombinieren nur 13 Prozent dieser Unternehmen die Klimavision erfolgreich mit KI-Fähigkeiten.  Die ebenso genannten Anwendungsfälle zeigen, dass jedoch ein Abgleich der KI-Strategie mit dem Nachhaltigkeitsversprechen des Unternehmens eine ganze Reihe an Möglichkeiten bietet. Und zwar nicht nur die Erfüllung von gesetzlichen Vorgaben oder die Darstellung als verantwortungsvolles Unternehmen, sondern auch ganz handfeste, monetäre Vorteile, da häufig Material oder Energie gespart wird. In diesem Licht lohnt es sich, weiter neugierig zu sein und KI mit Nachhaltigkeit zu verbinden.

PDF-Download