Tech for Good

Durch die digitale Transformation die Welt ein Stückchen besser machen

von Judith Gerlach

Das Jahr 2020 liegt hinter uns. Ein Jahr, das ganz im Eindruck der Corona-Pandemie stand. Wir haben in dieser Zeit viele Lösungen gefunden, um mit der schwierigen Situation besser umzugehen. Und viele dieser Ansätze sind digital – sei es der Videochat mit den Großeltern, das Arbeiten von zu Hause oder digitaler Unterricht. Vieles, was früher undenkbar war, wird jetzt einfach gemacht. Diese Herangehensweise darf gerne auch nach Corona bestehen bleiben. Denn das ist das richtige Mindset. Es kann uns helfen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und die Welt durch ethisch geleitete Digitalisierung und Technologie ein Stückchen besser zu machen: Tech for Good.

Zum Beispiel für Menschen mit Behinderung: Je mehr sich in der digitalen Welt abspielt, desto wichtiger ist, dass niemand davon ausgeschlossen wird. Digitale Teilhabe ist das Gebot der Stunde! Deshalb ist mir wichtig, dass Menschen mit Behinderungen sich möglichst barrierefrei in der digitalen Welt bewegen können. Bestehende Hürden in der digitalen Welt will ich weiter abbauen und verhindern, dass neue überhaupt erst entstehen. Barrierefreie Digitalangebote sind hier ein wichtiger Baustein, zur digitalen Teilhabe gehört aber noch viel mehr: Im Feld der Medizin gibt es vielversprechende Ansätze. Beispielsweise intelligente Prothesen, die durch ständiges Datensammeln dazulernen, was der Patient gerade machen möchte, und assistieren. Die dank Sensoren erkennen können, ob ein Stift oder ein Glas Wasser gegriffen werden soll. Die Fortschritte in diesen Bereichen sind Gold wert. Ich glaube aber, dass wir auch jenseits von wissenschaftlichem Forschungsdrang viel bewegen können. Dazu starten wir im Sommer 2021 den Hackathon #codebarrierefrei. Wir bringen Entwickler, Betroffene und Experten zusammen, um hier Ideen und Projekte zu entwickeln. Für mich ist wichtig, dass wir immer die Augen offen halten für vielversprechende Ansätze, die uns Menschen helfen, ein leichteres, besseres und auch nachhaltigeres Leben zu führen. Denn ich bin überzeugt, dass uns etwa auch bei den Herausforderungen des Klimawandels digitale Lösungen helfen können. Schauen wir nur einmal auf den Energiesektor, der wesentlich zum Klimaschutz beitragen kann. Früher wurde Strom überwiegend in großen Kraftwerken mit Atom, Kohle oder Gas erzeugt.

Nun haben wir zum Glück immer mehr erneuerbare Energien. Dabei gilt: Je früher die zu erwartende Energieproduktion bekannt ist, desto besser für den Energiemarkt. Wettervorhersagen, die mittels Einsatz von Künstlicher Intelligenz berechnet werden, sind dabei den statistischen Modellen in der Genauigkeit deutlich überlegen. Und wenn es darum geht, die Energie von hunderttausenden Dächern aus Privathaushalten ins Netz einzuspeisen, braucht es ebenfalls digitale Hilfe. Die Berechnung so eines komplexen Systems mit Millionen Parametern ist prädestiniert für Quantencomputer. Digitale Ansätze bringen uns so bei der Energiewende weiter. Für mich ist deshalb klar, dass wir die beiden Megathemen unserer Zeit, Digitalisierung und Umweltschutz, unbedingt zusammendenken müssen. Der Durchbruch bei Zukunftstechnologien wie Quantencomputing kommt vielleicht erst in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Aber: Den Grundstein dafür legen wir schon heute. In Bayern investieren wir mit der Hightech Agenda und der Hightech Agenda Plus in den nächsten Jahren rund 3,5 Milliarden Euro unter anderem in Technologien wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und CleanTech. Das ist eine bundesweit einzigartige Technologieoffensive. Wesentlich für den Weg zu „Tech for Good“ wird sein, dass wir in Deutschland den Technologietransfer in Unternehmen und Startups vorantreiben. Wir brauchen marktfähige Produkte und müssen unsere eigene Industrie ausbauen, um die Wertschöpfung bei uns zu halten – und dies nicht allein den USA oder Asien zu überlassen. Dank der digitalen Transformation stehen wir vor der historischen Chance, unsere Welt ein Stückchen besser zu machen und so zu gestalten, dass sie auch für die kommenden Generationen lebenswert bleibt. Diese Chance müssen wir nutzen! ■

Digitale Teilhabe ist das Gebot der Stunde.
Wir müssen die beiden Megathemen unserer Zeit, Digitalisierung und Umweltschutz, unbedingt zusammen denken.

Judith Gerlach,
Bayerische Staatsministerin für Digitales

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