Quo vadis – IT Management 2021?

Quo vadis – IT Management 2021?

Das Corona-Jahr 2020 ist vorbei – das Noch-Corona-Jahr 2021 rüttelt sich auf weiterhin schwierige Bedingungen ein. Welche Erwartungen für das Neue Jahr werden an das IT-Management gestellt? Welche Trends zeichnen sich ab?

Johannes Bohmann, Solutions by Handelsblatt Media Group

KI-getriebene Automation, hybride und Multi-Cloud-Lösungen, Change Management und nicht zuletzt eine signifikant gestiegene Wachsamkeit in Sachen Cybersecurity: Das sind die Buzz Words, die in den diversen, um den Jahreswechsel erschienenen IT-Trend-Prognosen für das Neue Jahr dominieren. Und kaum eine Veröffentlichung verzichtet auf den Hinweis, dass der durch die Corona-Pandemie auf den Unternehmen lastende Kostendruck eine riesengroße Herausforderung darstellt.

Doch der Branchenverband Bitkom zeigt sich zuversichtlich. Einer vor Jahresende durchgeführten Umfrage zufolge sind die meisten der 955 für die Studie befragten Unternehmen „gegenüber digitalen Themen und Neuerungen offener“ – und das zeige sich an einer steigenden Investitionsbereitschaft. „Drei Viertel (75 Prozent) der Unternehmen“, so heißt es in der zugehörigen Pressemitteilung, „haben aufgrund der Erfahrungen in der Corona-Krise ihre Investitionen in digitale Geräte, Technologien und Anwendungen erhöht. Im vergangenen Jahr haben Unternehmen im Durchschnitt 5,9 Prozent ihres Gesamtumsatzes für die Digitalisierung ausgegeben“ – das seien Investitionen „auf einem Allzeithoch“. Und der Blick auf das neue Jahr zeige: „Der Aufwärtstrend könnte sich in Zukunft noch einmal deutlich steigern.“

Dass vor allem KI-getriebene Automation eine Schlüsseltechnologie für künftige Wettbewerbsfähigkeit ist, davon ist man in der deutschen Wirtschaft offenbar zunehmend überzeugt. Jedes zweite Unternehmen, so die Bitkom-Umfrage, gebe es so zu Protokoll. Zwar setzten aktuell erst 13 Prozent der deutschen Firmen auf KI. Jedoch: „Deutschland lernt KI – und die Zeit drängt.“ Und mehr noch: 53 Prozent der befragten Unternehmen stimmte der Aussage zu, dass KI-Kenntnisse in zehn Jahren den gleichen Stellenwert haben werden wie heute Office-Kenntnisse.

Sicherlich haben die Herausforderungen des Lockdowns, der Tausende Menschen quasi über Nacht ins Home Office zwang, den Nachholbedarf bewusst gemacht – in der industriellen Produktion ebenso wie in der Bildung oder im Gesundheitswesen. Pars pro toto dazu zwei Statements aus der Autoindustrie: Frank Loydl, CIO bei Audi, sagte im Interview mit automotiveIT,  die IT habe die Arbeitsfähigkeit während des Lockdowns überhaupt erst gesichert. „Corona hat uns einen zusätzlichen Schub gegeben.“ Eine Feststellung, die auch sein Kollege von BMW, Alexander Buresch, bestätigt: „Digitalisierung steht an erster Stelle. Durch die Coronakrise ist die Bedeutung des Themas jetzt auch im letzten Winkel des Unternehmens angekommen.“

Damit einher geht auch ein wachsendes Bewusstsein um die Notwendigkeit, die Mitarbeiter zu neuen Arbeitsweisen zu motivieren und sie entsprechend zu schulen. Change Management ist deshalb das Gebot der Stunde. Fachautor Heiko Henkes formuliert es so:

„Der digitale Arbeitsplatz muss nicht nur technisch integrativ und robust sein … Er muss auch einem systematischen Change Management unterliegen, das die Mitarbeiter mit den neuen Lösungen und Prozessen vertraut macht sowie die richtige Work-Life-Balance aufsetzt beziehungsweise immer wieder neu justiert.“

Aber noch einmal zum oben auf der Agenda der Home Office-Ära stehenden Thema: der Cybersecurity. Marktforscher Cybersecurity Ventures zufolge müssen Unternehmen im Jahr 2021 alle elf Sekunden mit Attacken in Form von Ransomware rechnen. Die weltweiten Schäden, so schätzt das Institut, werden bei bereits 20 Milliarden Dollar weltweit liegen. Und einem Vulnerability-Report von Claroty Gartner zufolge sieht sich seit Beginn der Corona-Pandemie weltweit mehr als die Hälfte der Indus­trieunternehmen größeren Cyberrisiken ausgesetzt, in der DACH-Region seien es sogar 75 Prozent. Strategien wie das „3-2-1-Backup“ – drei Kopien aller Daten aufheben, zwei verschiedene Arten von Medien nutzen und eine Kopie außer Haus oder in der Cloud speichern – wie der Anbieter von Business-Continuity-Lösungen Arcserve sie vorschlägt, sind eine von vielen denkbaren Maßnahmen, über die im Jahr 2021 diskutiert werden wird.

Und über die längst diskutiert wird: Schon im April 2020, also in einem frühen Pandemie-Stadium, konnte HFS Research aus den USA ermitteln, wie stark Corona in Tech-Unternehmen die Investitionen in die Cybersecurity anschoben. Um stolze 84 % waren die Ausgaben hierfür schon im April gestiegen – gefolgt von einem Plus von 74 % für Cloud-Lösungen und von plus 66 % für KI-getriebene Automation.

631 Firmen wurden dafür befragt. Wohlbemerkt: bereits im April des letzten Jahres. Es stimmt also wohl, was Bitkom in seiner Pressemeldung zur eingangs zitierten Umfrage schreibt: „Bei allen menschlichen und wirtschaftlichen Tragödien birgt die Krise auch eine Chance: Die Unternehmen reagieren jetzt konsequent auf den seit Jahren ansteigenden Innovationsdruck. Der Knoten ist geplatzt.“

Willkommen, 2021!

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