Kontinuierlicher Wandel heißt die neue Konstante

Wie viele Unternehmen der Branche blickt der Tech-Konzern Fujitsu mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2020 zurück, hat jedoch ein klares Bild von der Zukunft. Hierüber sprach die Handelsblatt Redaktion mit Rupert Lehner, dem Chef, und Santosh Wadwa, dem Channel-Chef von Fujitsu DACH.

Welche Veränderungen hat die Pandemie für Ihr Unternehmen mit sich gebracht?
Lehner: Wir alle wurden von den plötzlichen und für uns alle neuen Gegebenheiten überrascht. Als IT-Firma konnten wir uns sehr zügig auf die neue Situation einstellen und das Arbeiten aus dem Homeoffice für den Großteil unserer Mitarbeiter realisieren, was bei vielen anderen nicht auf die Schnelle möglich war. Corona zeigt allen Unternehmen deutlich, wo technologisch nachjustiert werden muss. Die zentralen Fragen, mit denen Unternehmen sich auseinandersetzen müssen, um auch morgen noch wettbewerbsfähig zu sein, sind meines Erachtens:

1. Wie schnell können wir auf Veränderungen reagieren?
2. In welche Segmente müssen wir investieren, um im „New Normal“ bestehen zu können?
3. Welche IT-Lösungen und Services braucht es, um diese Themen abbilden zu können?

Nehmen Sie beispielsweise die Meeting-Kultur, die sich über Nacht verändert hat, und überwiegend nur noch online stattfindet. Oder die Masse an Daten, die kontinuierlich und rapide ansteigt, da Prozesse digitalisiert werden. Unternehmen stehen hier vor großen Herausforderungen, diese Themen sowohl infrastrukturseitig als auch mit den richtigen Sicherheitsaspekten abzubilden und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Und wie kreieren Unternehmen angesichts dieser Herausforderungen wirtschaftliche Resilienz? Wie sollte das „New Normal“ aussehen?
Wadwa:
Einzelne Branchen sind von den Auswirkungen der Pandemie ganz unterschiedlich stark betroffen. Und doch gibt es Erfahrungen, die branchenübergreifend und global für alle gültig sind: Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad können besser in Krisen reagieren als ihre Wettbewerber. Dies zeigen sowohl unsere Erfahrungen als auch eine kürzlich durchgeführte Befragung des IFO-Instituts unter Entscheidern. Hinzu kommt, dass vieles, was bisher digital unmöglich schien, plötzlich doch ganz schnell und einfach umsetzbar war. Die Veränderungen betreffen nicht nur Prozesse und Tools, sondern auch die Unternehmens- und Führungskultur sowie die Art und Weise, wie gearbeitet und vor allem zusammengearbeitet wird. Unternehmen, die sich hier schnell umstellen können, sind eindeutig auf der Gewinnerseite. Denn eines ist sicher: Eine vollständige Rückkehr zum Status vor der Pandemie wird es nicht geben. Die neue Normalität wird zweifelsohne geprägt sein von stetigem Wandel. Oder anders formuliert: Kontinuierlicher Wandel wird die neue Konstante sein.

Welche Trends sehen Sie daraus resultierend für die Zukunft?
Wadwa:
Diese „Trends“ lassen sich am besten anhand der veränderten Rahmenbedingungen unserer Kunden ablesen: Da ist zum einen das Thema „mobiles Arbeiten“ – wobei mobil nicht mehr nur das Arbeiten an unterschiedlichen Orten, sondern auch die Arbeit von zu Hause einschließt. Im Bildungsbereich ist es analog dazu das vieldiskutierte „Homeschooling“. Die zweite Anforderung ist der zunehmende Einsatz von verschiedenen Cloud Services – meist im Rahmen von Hybrid-IT. Und natürlich damit einhergehend der erhöhte Bedarf an der sehr schnellen und flexiblen Bereitstellung von Diensten – aus der Cloud, aber auch von der hauseigenen IT.

Wie möchte Fujitsu diesen Anforderungen gerecht werden? Welche Technologien spielen für Sie dabei eine Rolle?
Lehner:
Entscheidend für eine erfolgreiche Digitalisierung ist das nahtlose Zusammenspiel der unterschiedlichen Technologien und IT-Services. Denn separate, nicht untereinander interagierende Insellösungen sind eine der größten Hemmschwellen bei der digitalen Transformation von Unternehmen. Deshalb setzen wir bei Fujitsu auf ein breites, Industriestandard-basiertes Portfolio sowie ein großes Ökosystem an Technologiepartnern, um unsere Kunden aus einer Hand bedienen zu können. Die Bandbreite reicht dabei von klassischen IT-Infrastrukturen über Supercomputer – der gemeinsam mit dem japanischen Forschungsinstitut RIKEN entwickelte „Fugaku“ ist derzeit der mit Abstand schnellste Großrechner der Welt – bis hin zu Brückentechnologien zum Quanten-Computing wie dem Digital Annealing. Dieses wird heute schon bei der Lösung komplexer Berechnungen eingesetzt – auch von deutschen Unternehmen. Daneben geht der Trend verstärkt hin zum flexiblen Bezug von IT-Services. Um dieses Bedürfnis zu adressieren, haben wir kürzlich mit dem Fujitsu Service Hub eine einzigartige Plattform initiiert, mit der wir unseren Kunden hochstandardisierte und automatisierte Services zur Verfügung stellen. Das reicht von SAP-Services über Cloud-Dienste – auch anderer Hersteller – bis hin zum Support für den einzelnen Anwender. Gefragt sind wir in diesem Zusammenhang nicht nur als IT-Hersteller oder IT-Dienstleister, sondern in einer umfassenderen Rolle als Berater, Anbieter und Integrator auch von Lösungen anderer IT-Anbieter. Dies ermöglicht es uns, unsere Kunden mit branchenspezifischen Portfolios zu unterstützen: Seien es Smart City-Lösungen, maßgeschneiderte Pakete für die Digitalisierung von Schulen, Industrie 4.0-Angebote für die Fertigungsindustrie oder ein Komplettportfolio für den Handel. Letzteres umfasst unter anderem auch eine Loss-Prevention-Lösung auf Basis von SAP, um Betrugsversuche in Echtzeit zu erkennen und zu unterbinden. Dies ist ein Beispiel dafür, wie wir Technologien und Services bündeln. Denn nur im Zusammenspiel können diese ihre volle Wirkung
entfalten.

Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Aspekt, um in Zukunft erfolgreich zu sein?
Lehner:
Mittlerweile sollte jedem klar sein, dass die Digitalisierung ein entscheidender Faktor ist, um Krisen meistern zu können. Aber wir sehen auch, dass nur wenige Unternehmen alle Kompetenzen komplett und autark abbilden können. Wir sind im Zeitalter des „Wirs“ angekommen. Co-Creation Ansätze, bei denen Lösungen gemeinsam erarbeitet werden, sind zeitgemäßer denn je und sichern Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft. ■

Insellösungen sind eine der größten Hemmschwellen bei der digitalen Transformation von Unternehmen.
Wir sind im Zeitalter des ‚Wirs‘ angekommen. Co-Creation-Ansätze sichern die Wettbewerbsfähigkeit.

Rupert Lehner   Santosh Wadwa

Rupert Lehner, Corporate Executive Officer, Head of Central and Eastern Europe & Products Europe, Fujitsu
Santosh Wadwa, Head of Product Channel Sales Central Europe, Fujitsu

www.fujitsu.com/de

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