IT 2020: Erfolg in der digitalen Welt erfordert CIO-Renaissance

CIO renaissance Walter Brenner

Prof. Dr. Walter Brenner von Universität St. Gallen hält die Renaissance des CIO für notwendig. Was der Vorsitzende der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung Strategisches-IT damit meint, lesen Sie in diesem Leitartikel.

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 Es braucht mehr IT-Kompetenz in der Geschäftsleitung

Inzwischen haben es fast alle begriffen: Digitalisierung wird Wirtschaft und Gesell­schaft in den nächsten Jahren unwiderruflich verändern. Diese Erkenntnis führt bei vielen Entscheidungsträgern zu einer Art «Lähmung» oder zu diffuser «Hektik». Man weiß, dass sich etwas ändert, weiß aber nicht was genau und wie man den Transformationsprozess anpacken muss. Manche Unternehmen investieren in digitale Transformation, manche beteiligen sich an Start-Up-Initiativen, andere reorganisieren ihre Führungs­organisation und etablieren einen Chief Digital Officer und die nächsten erhöhen die Frequenz von Besuchen im Silicon Valley. Die Liste der Maßnahmen und Projekte ließe sich beliebig fortsetzen. Klar ist, die Wirtschaft ist erwacht und beginnt zu handeln.

Digitalisierung ist eine Entwicklung, die in vielen Branchen und Unternehmen vor vielen Jahren begonnen hat, und die durch die wachsende Dominanz von Internet­unternehmen zu einer zentralen Herausforderung geworden ist. In diesem Leitartikel beschreibe ich einige Erkenntnisse, die ich in Gesprächen, Workshops und Projekten in den letzten Jahren gewonnen habe.

Einstiegspunkt jedes digitalen Transformationsprozesses muss die Erkenntnis sein, dass die digitale Transformation Wirklichkeit ist, die Beschäftigung damit unvermeidlich ist, sie irreversibel ist und dass diese Transformation Strategie, Geschäftsmodell, Produkte und Dienstleistungen sowie die Organisation verändern wird. Digitalisierung ist nicht mit einem Gewitter an einem heißen Sommertag vergleichbar: «Nach zwei Stunden ist alles vorüber». Diesen Gedanken in einer Organisation zu implementieren, ist – wie ich gelernt habe – eine große Herausforderung. In der Verantwortung steht die gesamte Führungs­mannschaft, allen voran der CEO.

Einstiegspunkt jedes digitalen Transformationsprozesses muss die Erkenntnis sein, dass die digitale Transformation Wirklichkeit ist und die Beschäftigung damit unvermeidlich ist.

Digitalisierung ist eine umfassende Herausforderung für alle Bereiche des Unter­nehmens. Im Marketing spielt die Analyse großer Datenbestände, beispielsweise um Kundenverhalten zu analysieren, eine große Rolle. In der Produktion wird Industrie 4.0 zu tiefgreifenden Veränderungen der Produktionsprozesse führen, traditionell physische Produkte werden zu digitalisierten Produkten, zu Cyber-Physical-Systems, und auch Geschäftsmodelle verändern sich, z.B. durch Pay-per-use. Diese Entwicklungen führen dazu, dass quer über alle Fachbereiche Digitalisierungsprojekte in Angriff genommen werden. Innovation wird im ganzen Unternehmen zum Thema. Vor diesem Hintergrund ist es klar, warum mehr als 50% der IT-Ausgaben nicht mehr vom CIO vorgenommen werden. Nicht alle IT-Vorhaben in den Fachbereichen werden so professionell durchgeführt, dass nachhaltige Lösungen entstehen. Die Geschäfts­leitungen sind deshalb gefordert, klare Regeln aufzustellen, damit Doppelspurig­keiten vermieden und keine problematischen Anwendungen und Infra­strukturen entstehen. Vor diesem Hintergrund erwarte ich, dass es in absehbarer Zeit zu einer «Renaissance» des CIOs kommen wird. Dies bedeutet nicht, dass der CIO so weiter arbeiten kann wie bislang. Er muss in der Lage sein, zusammen mit den Fachbereichen, innovative Lösungen zu initiieren, Prototypen zu bauen, zu testen und daneben den Betrieb der Anwendungslandschaft sicherzustellen. Von besonderer Wichtigkeit ist es, dass der CIO einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Methodenbaukastens des Unter­nehmens leistet, beispielsweise in Richtung Design Thinking.

CIO-Renaissance ist notwendige Bedingung für Erfolg in der digitalen Welt

Eine Renaissance des CIOs ist notwendige Bedingung für den Erfolg in der digitalen Welt. Hinreichende Bedingung bzw. zwingende Voraussetzung ist eine massive Erhöhung der Informatikkompetenz auf Geschäftsleitungs- und Aufsichtsrats­ebene. Unternehmen, die nicht auf diesen beiden Ebenen das erforderliche Know-how haben, berauben sich ihrer Chance, die Potentiale der digitalen Welt als Chance zu nutzen. Oberflächenwissen, das Lesen populärwissenschaftlicher Zeitschriften und das erfolgreiche Bedienen eines Smart Phones reicht nicht aus. Es geht um, je nach Branche und Unternehmen, um Kenntnisse der Softwareentwicklung, Computer­hardware, Embedded Systems, Mensch-Maschine-Schnittstellen (User Interface) und in jedem Fall um Vernetzung. In Vorträgen vor Geschäftsleitungen stelle ich seit Jahren als einfachen Indikator für die Kompetenz in Informations- und Kommunikationstechnik die Frage: «Wer von Ihnen hat richtig programmieren gelernt?» Bis vor zwei Jahren bekam ich Antworten, wie z.B. «Ist das ihr Ernst?» oder «Dafür haben wir doch Sie eingeladen!» oder «Das können Sie Ihre Studierenden fragen, uns nicht.». Seit einigen Monaten löst schon die Frage intensive Diskussionen aus und ich treffe immer mehr Geschäftsleitungen an, in denen Personen mit profunden Kenntnissen in Informations- und Kommunikationstechnik sitzen. Zwei Effekte resultieren aus erhöhter Kompetenz in Informations- und Kommunikationstechnik: Entscheidungen werden mit mehr Fachwissen getroffen und die Kultur ändert sich in Richtung einer digitalen Kultur. Marc Andreessen, der Erfinder von Mosaic, sagte meiner Meinung nach zu Recht: «Software eats the word». Die Potentiale von Software kann man nur nutzen, wenn man weiß, wie Software funktioniert und wo die Grenzen sind. Einwöchige Reisen der Geschäftsleitung ins Silicon Valley mit Besuchen der «üblichen Verdächtigen» und einigen Start-Ups helfen nur bedingt diesen Kulturwandel einzuleiten. Wenn meine Hypothese stimmt, dass Innovation mit Informations- und Kommunikationstechnik in allen Fachbereichen stattfinden wird, braucht es eine Geschäftsleitung, die diese universelle Tradition steuert. Der CIO muss natürlich seinen Beitrag leisten. Ebenso wichtig ist es, dass die gesamte Geschäftsleitung ein genauso «natürliches» Verhältnis zu Fragen der Informations- und Kommunikationstechnik entwickelt, wie heute über die Bildung von Reserven oder Rückstellungen diskutiert wird. Oder anders ausgedrückt: Diskussionen über Potentiale und Grenzen müssen entspannt und kompetent geführt werden.

Wie erhalten Geschäftsleitungen mehr IT-Kompetenz. Und wie kann man als CIO diese Kompetenz im Unternehmen fördern? Diskutieren Sie mit hochkarätigen Experten und Kollegen auf Augenehöhe bei der 23. Handelsblatt Jahrestagung Strategisches IT-Management 2017 vom 23. bis 25. Januar 2017 in München!
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