Interview mit Dr. Bettina Uhlich (Evonik Industries AG)

Was bedeutet für Sie „produktorientierte Organisation“ im Sinne der Digitalisierung der Prozesse in modernen Unternehmen?
In erster Linie verbindet sich „produktorientierte Organisation“ mit klarer Verantwortung für IT-Produkte im End-to-end-Zuschnitt sowie mit eindeutig definierten Schnittstellen zu unseren internen Kunden. Das bedeutet für die Digitalisierung der Geschäftsprozesse eine schnellere „Time to Market“. Verantwortliche Produkt-Manager haben Zugriff auf Solution Designer und IT-Experten, um neue IT-Produkte in agil organsierten Teams fokussiert und schnell zu entwickeln, also auch für digitalisierte oder besser automatisierte Prozesse.

Welche agilen Organisationsformen sind wichtig, damit Wertschöpfungsketten neu und produktiv aufgestellt werden können?
Wir müssen ganz klar organisationsübergreifend arbeiten. Die Anforderungen werden immer komplexer und damit auch die Lösungen. Experten aus Business, Fachabteilungen und natürlich aus den IT-Bereichen müssen gemeinsam und flexibel an der Entwicklung von IT-Produkten arbeiten. Das bedeutet ein flexibles Ressourcenmanagement. Agile Organisationen sind dann erfolgreich, wenn agiles Handeln und Denken in allen Ebenen gelebt wird und das Endprodukt bzw. das Endergebnis im Fokus steht, nicht Teilprodukte in den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette.

Welche Aufgaben werden im Anforderungsportfolio eines CIOs in einem digitalen Unternehmen in Zukunft hinzukommen?
Ein CIO muss die IT in die Mitte der Geschäftsprozesse rücken, als Enabler von Werten und Nachhaltigkeit mit innovativen IT-Produkten. Integration von Business und IT gelingt in einer Kultur von Offenheit und Vertrauen, das ist die Basis für erfolgreiche Transformationen. Der CIO muss mit an der Spitze von Transformationsprozessen stehen und auch durch Vorbildwirkung Zusammenarbeit fördern und damit die Freude an gemeinsamen Ergebnissen.

Wie gehen Sie bei Evonik das Thema „Leading Innovation“ an?
Leading Innovation heißt zum einen, die richtige Kultur zu schaffen. Mit dem unternehmensinternen Innovation Award würdigt Evonik einmal im Jahr herausragende Leistungen der Mitarbeiter bei der Entwicklung neuer Chemieprodukte, Verfahren und Geschäftsmodelle. Damit fördern wir Motivation und Kreativität. Zu Leading Innovation gehört aber auch eine positive Fehlerkultur, weil Fehler wertvolle Erkenntnisse bringen.

Leading Innovation heißt weiter, die richtige Organisation zu schaffen. In der IT haben wir die Digital Labs etabliert, die über ein eigenes Innovations-Budget verfügen. Hier bearbeiten wir agil in kleinen Teams neue Ideen bis hin zum Prototyp, der anschließend von anderen Teilen der IT-Organisation in ein Ende-zu-Ende-Produkt mit entsprechendem Support überführt wird.

Wichtig ist auch die enge Zusammenarbeit mit dem Business und der Evonik Digital GmbH, um digitale Lösungen zu entwickeln und darüber hinaus auf offenen Eco-Plattformen mit unseren Entwicklungspartnern, Kunden und Lieferanten neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Dabei setzten wir auf den innovativen Stärken unseres Kern-Know-how – der Chemie – auf und integrieren digitalisiertes Wissen und moderne Technologien zu neuen Geschäftsmodellen. Diese Entwicklungen können nur in fachbereichsübergreifenden Teams entwickelt werden. Leading Innovation heißt für Evonik, diese Zusammenarbeit zu fördern.

 

Dr. Bettina Uhlich

 

Dr. Bettina Uhlich
CIO, Head of Global IT, Evonik Industries AG
Kraft für Neues – Power to Create