Industrie 4.0 — Ist flächendeckende IT-Integration die neue industrielle Revolution?

Hans-Joerg Bullinger Praesident der Fraunhofer GesellschaftUnser Leben ist schon heute mit Informationstechnik durchdrungen – der für das Jahr 2015 geschätzte  Anstieg des weltweiten IP-Datenvolumens auf ca. 12 Zettabyte ist ein Beleg dafür. Viele verbinden mit dem Begriff „Industrie 4.0“, der flächendeckenden IT-Integration in Wertschöpfungsprozesse und Produkte, eine neue industrielle Revolution. Für Prof. Dr.-Ing.-habil. Prof. e.h. mult. Dr. h. c. mult. Hans-Jörg Bullinger, gewähltes Mitglied im Senat der Fraunhofer-Gesellschaft ist klar: „Entscheidend wird sein, heute zu verstehen, womit Unternehmen vor diesem Hintergrund zukünftig Geld verdienen können.“

 

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IT als Innovationstreiber für Business Excellence

1.000.000.000.000.000.000.000! Bis zum Jahr 2015 wird ein Anstieg des jährlichen weltweiten IP-Datenvolumens auf diese Zahl – ca. 12 Zettabyte – erwartet. Dieser Umfang ist das Resultat einer heute schon weitgehenden Durchdringung unseres Lebens mit Informationstechnik. Big Data, Datability, Social Business, Mobile und Cloud sind nur einige Schlagworte für Themen, die bereits viele Felder unserer Freizeit und unseres Büroalltags eingenommen haben und zunehmend auch unsere Produkte und die damit verbundene Produktion erobern.

datenwachstum fraunhoferInformations- und Kommunikationstechnik als Treiber dieser Entwicklung steht gleichzeitig auch für eines der sechs Schlüsselthemen, welche die Fraunhofer-Gesellschaft für die Gestaltung der zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt mit besonderem Nachdruck verfolgt. Für die weiteren fünf – Gesundheit und Ernährung, Schutz und Sicherheit, Mobilität und Verkehr, Energie und Wohnen sowie Produktion und Umwelt kommt der IKT zudem die Rolle einer Querschnittstechnologie zu.

Fokus der IT-Branche liegt immer mehr auf der Software

Über die letzten Jahre hat sich durch die Leistungsfähigkeit der Informationstechnik bedingt der Fokus immer mehr von der Hardware auf die Software verschoben. Dieser Trend gilt branchen- und anwendungsübergreifend. Nicht nur Googles Angriff auf das autonome Fahren zeigt, dass Unternehmen, die software- und datenseitig schlagkräftig aufgestellt sind, auch bei der Entwicklung konventioneller Produkte immer mehr in den Fahrersitz kommen (falls dieser Begriff zukünftig noch existieren sollte).

perspektivenFür die Märkte von übermorgen heißt das, die Innovationsfelder zu verstehen und zu beherrschen, die in den nächsten Jahren vor dem nächsten Durchbruch stehen. Diese liegen voraussichtlich in der drahtlosen Übertragung von Massendaten und deren schneller medienbruchfreier Auswertung, in der internetgestützten Vernetzung von Dingen und Diensten und in der Nutzung neuer Formen der Interaktion. Die Entwicklung neuer Technologien, die mehr Transparenz, Flexibilität und Echtzeitfähigkeit ermöglichen, schürt die Erwartungshaltung einer smarten Arbeitswelt mit schnellem Zugang zu allen erforderlichen Ressourcen, weniger Leerlauf und mehr Raum für Innovation und Kreativität.

Industrie 4.0 als neue industrielle Revolution

Vor diesem Hintergrund tritt gerade unverhofft die Produktion ins Rampenlicht. Unter der Überschrift „Industrie 4.0“ wird momentan nicht weniger als eine neue industrielle Revolution erwartet, deren Basis die flächendeckende IT-Integration in Wertschöpfungsprozesse und Produkte bildet. Auch wenn Revolutionen gemeinhin erst im Nachhinein als solche erkennbar sind, ist eine Gemeinsamkeit klar erkennbar: große Teile der Industrie sind bereits in Aufruhr. Teilweise resultiert dies aus der emotional geführten Diskussion um eine genaue Abgrenzung des Begriffs; immer mehr jedoch werden Projekte aufgesetzt, die eigene Produktion „smart“ zu machen. Was in hoch automatisierten Bereichen wie der Elektronikfertigung schon Standard ist, lässt sich mit den heutigen Möglichkeiten bis auf Losgröße 1-Bereiche übertragen.
Eine Vielzahl von Anwendungsfällen wird gerade in Deutschland definiert, bewertet und ausgerollt. Produkte speichern ihre Daten über die gesamte Wertschöpfungskette, Maschinen kommunizieren miteinander und mit den Mitarbeitern – egal ob direkt anwesend oder unterwegs, schwerfälle IT-Monolithen werden durch Apps ersetzt; kurzum, die Voraussetzungen für eine flächendeckende Vernetzung werden heute gelegt.

Einzellösungen existieren vielfach schon heute – AutoID-Technologien, Sensorik und eingebettete Steuerungen sind verfügbar, stecken bereits in vielen umgesetzten Lösungen und werden immer günstiger. Kollaborative Lösungen der Leichtbau-Automatisierung, intelligente Ladehilfsmittel und Mobilgeräte in der Produktion kommen vermehrt dazu, so dass sich der Fokus auf ihre Vernetzung in Form von wirtschaftlichen und skalierbaren Anwendungen und die Entwicklung innovativer Geschäftsmodell verschiebt.

Neue IT-Möglichkeiten stellen alte Geschäftsmodelle in den Schatten

industrie 4.0Hier erwarten uns in den nächsten Jahren vor allem die Anreicherung „konventioneller Produkte“ mit mehr IT-Funktionalität und die Anbindung vormals rein mechanischer, gedächtnisloser und unsensibler Objekte an das Internet. Apps im Automobil, Smartphones zum Bezahlen und in Echtzeit aktualisierte Navigationssysteme zeigen schon heute den Weg. Die Grundprinzipien dieser Lösungen werden wir schon bald in unseren Fabrikhallen sehen.

Entscheidend wird sein, heute zu verstehen, womit Unternehmen vor diesem Hintergrund zukünftig Geld verdienen können. Kann ein Hersteller von elektrischen Werkzeugen davon leben, künftig Löcher anstatt von Bohrmaschinen zu verkaufen? Wie viel wird die Möglichkeit kosten, zu jeder Zeit Zugriff auf eine Werkzeugmaschine zu haben, ohne sie zu besitzen? Und wie werden kleinteiligere Austausche von Leistungen vergütet? 

google gewinnUnternehmen wie Google zeigen seit Jahren erfolgreich, dass es funktioniert, durch die Nutzung der neuen IT-Möglichkeiten Geschäftsmodelle zu entwickeln, welche die bestehenden in den Schatten stellen. Wer hätte noch vor 10 Jahren gedacht, dass allein der Wert strukturierter Daten ausreicht, um heute 155.000 Euro Gewinn pro Mitarbeiter zu erwirtschaften? Und auch wenn sich dieses Geschäftsmodell nicht exakt auf die Industrie übertragen lässt, sind die Chancen enorm, durch ein besseres und genaueres Verständnis der Prozesse in Herstellung und Nutzung durch moderne IKT Mehrwert zu schaffen.

Die Informationstechnik ist schon lange in die Rolle des Innovationstreibers in vielen Bereichen unserer Lebens- und Arbeitswelt hineingewachsen. Es scheint nur eine Frage der Zeit bis wir die nächsten großen datengestützten Innovationen durch die Verschmelzung von Software und Hardware sehen werden. Halten wir deshalb die Augen offen, vielleicht kommt ja die nächste große Idee aus Deutschland?

 

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