Die digitale Transformation in traditionellen Industrien und im Schindler-Konzern

Digital Business INnovation Award 2015 SchindlerMichael NillesCIO der Schindler Gruppe und CEO bei der Schindler Digital Business AG, erläutert in diesem Beitrag, mit welchem Ansatz sein Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung meistert. Im Fokus des Gewinners des „Digital Business Innovation Award 2015“ stehen hierbei vier wesentliche Elemente.

Digitalisierung – im Alltag ist sie längst angekommen: Produkte wie „Smart Homes“ und „Quantified Self“-Apps sind, weil zunehmend bezahlbar und einfach, nicht mehr nur „Technik-Freaks“ vorbehalten. Das Trend-Thema des letzten Jahres beherrscht mittlerweile die strategische Agenda von Unternehmen. Konzernlenker sehen in der Digitalisierung die Chance für neue Geschäftsmodelle und brechen zu regelrechten Pilgerfahrten ins Silicon Valley auf, um sich Inspiration bei Apple, Google, Tesla und Co. zu holen. Nicht mehr nur die sogenannten „born-digital“, sondern vor allem die traditionellen Branchen glauben an die Digitalisierung als Treiber für Wettbewerbsvorteil, Innovation und Wachstum.

Die digitale Revolution ist im vollen Gange – wie die damit verbundenen Chancen nutzen, lautet die Kernfrage. Es gibt sie schon die neuen „Digital Champions“, die ihr Geschäft eng verzahnt mit Produkt, Technologie, Prozess und Mensch in ein integriertes EcoSystem transformiert haben und damit nachhaltiges, profitables Wachstum generieren.

Intelligente Produkte in Wertschöpfungskette einbinden

Schindler hat bereits sehr früh auf Digitalisierung gesetzt. Entsprechend wurden in den vergangenen Jahren konsequent Systeme und Prozesse vereinheitlicht und somit die Grundlage für neue innovative Lösungen geschaffen. Heute sind Aufzüge und Fahrtreppen über das Internet der Dinge als intelligente Produkte in die Wertschöpfungskette eingebunden. Nun können diese Daten nach Verarbeitung und Analyse dem Call-Center, den Service-Technikern auf ihrem iPhonebasierten, „digitalen Werkzeugkoffer” und ebenso auch dem Kunden bereitgestellt werden, sodass er sich in nahezu Echtzeit über die Verfügbarkeit seiner Anlagen ein Bild machen kann. Auch im Neuanlagengeschäft werden innovative, digitale Lösungen eingesetzt, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Nachdem die Phase „IT-Rationalisierung“ erfolgreich abgeschlossen wurde, lag der Schwerpunkt auf der Erzielung einer weltweiten „Operational Excellence“. In diesem Kontext wurde die globale „Business Process Platform SHAPE (Schindler Harmonized Applications for Process Excellence)“ zur Harmonisierung von Prozessen und Strukturen aufgebaut und weltweit ausgerollt. Diese umfasst die operativen und dispositiven Wertschöpfungsprozesse von Landesgesellschaften und Produktionswerken. Daneben wurde die CallCenter-Infrastruktur mit Sprachintegration in die Aufzüge erneuert.

Die globale Business Process Platform SHAPE war ein wichtiger Meilenstein für die nächste Phase „Leading-Edge Digital Business“. Hier steht die Transformation mittels enger Verzahnung von Produkt, Technologie, Prozess und Mensch in ein integriertes Eco-System im Vordergrund, um nachhaltiges, profitables Wachstum zu generieren. Im Folgenden wird kurz auf die vier wesentlichen Elemente der Digitalisierungsstrategie eingegangen.

Customer Experience, Smart Products, Digitalisierung des Felds & Smart Processes

„Customer Experience“ steht im Fokus der Digitalisierungsstrategie. Über neue Customer Portale und Customer Apps wird der Kontakt zum Kunden intensiviert und eine Ausrichtung des Geschäftsmodells zum Kunden hin ermöglicht. So erhält beispielsweise ein Facility Manager über die Customer App „MySchindler“ einen Überblick über den Status seiner Anlagen sowie die Information, ob bei Bedarf schon ein Service-Techniker auf dem Weg ist.

Dies ist ein Quantensprung – standen in traditionellen Industrien meist ausschließlich das Produkt und die zugehörige Technologie im Vordergrund des unternehmerischen Handelns.

„Smart Products“: Schindler rüstet seine Anlagen konsequent auf Connectivity um. Neue Anlangen werden bereits standardmäßig mit Connectivity ausgeliefert und installiert. Über Sensortechnologie und elektronische Steuerungen werden relevante Anlagendaten gesammelt und über das Internet der Dinge an eine „Connectivity Platform“ gesendet. Diese Daten werden anschließend für die weiterführenden Wertschöpfungsprozesse genutzt. So kennt beispielsweise ein Service-Techniker, der über seinen digitalen Werkzeugkoffer angebunden ist, den „Health Status“ einer Anlage ebenso wie der Kunde über die Customer App. Weiterhin werden ein 7×24 Remote Monitoring sowie über eine „Big Data Business Rules Engine / Machine Learning“ sogenannte Predictive Service Geschäftsmodelle möglich.

Digitalisierung des Felds: Mehr als 30‘000 Mitarbeiter sind im Schindler Konzern als sogenannte Feldmitarbeiter tätig. In einer strategischen Partnerschaft mit Apple Inc. wurde ein „digitaler Werkzeugkoffer“, basierend auf iPhone- und iPad-Geräten, entwickelt, welcher dem Feldmitarbeiter in seiner täglichen Arbeit unterstützt. So kann ein Service-Techniker im Rahmen von Wartungsarbeiten beispielweise den digitalen Werkzeugkoffer zur Ausführung von Service-Aufträgen, Fehleranalyse oder zur Ersatzteilbestellung nutzen.

„Smart Processes“: Zur Steigerung der Qualität, Produktivität und Effizienz werden digitale Algorithmen eingesetzt. So wurde beispielsweise zusammen mit dem Fraunhofer Institut eine digitale Routenoptimierung für Service-Techniker entwickelt.

Das Zusammenspiel der vier Kernelemente der Digitalisierungsstrategie erlaubt den Aufbau eines integrierten Eco-Systems, welches End-to-end-Prozesse ermöglicht. Alle Technologiekomponenten sind über eine integrierte Prozess- und Systemarchitektur miteinander verbunden. Somit stößt beispielsweise eine Störungsmeldung, welche über Sensortechnologie erkannt und über das Internet der Dinge an die Connectivity Platform gesendet wird, den Einsatz eines Service-Technikers an. Aufgrund intelligenter Algorithmen wird der geographisch nächste Service-Techniker ermittelt, der dann bereits das richtige Ersatzteil mitführt. Der Kunde wird über sein Customer Portal oder die „mySchindler“-App zeitgleich über die Störung und den Status der Reparatur informiert.

Auch IT-Bereich selbst muss Transformation durchlaufen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor zur Umsetzung der digitalen Geschäftstransformation im Schindler-Konzern war die begleitende Transformation des IT-Bereichs selbst. Um die Herausforderungen der Digitalisierung meistern zu können, wurde eigens der Bereich Schindler Digital Business als digitale Einheit gegründet.

Für seine Digitalisierungsstrategie wurde das Schindler-Team vom Handelsblatt und der Universität St. Gallen mit dem „Digital Business Innovation Award 2015“ ausgezeichnet. „Die Digitalisierung ist bei Schindler schon tief in der DNA des Unternehmens verwurzelt. Digital Business ist hier im Tagesgeschäft angekommen”, erklärte Jurymitglied Dr. Uwe Dumslaff, CTO und Corporate Vice President von Capgemini, in seiner Laudatio.

Über Schindler
Der 1874 gegründete Schindler-Konzern ist einer der weltweit führenden Anbieter von Aufzügen und Fahrtreppen und damit einhergehenden Dienstleistungen. Täglich bewegt Schindler mit seinen Mobilitätslösungen 1 Milliarde Menschen auf der ganzen Welt. Hinter diesem Erfolg stehen mehr als 54.000 Mitarbeitende in über 100 Ländern.

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