Legacy-IT-Systeme der Banken stoßen im Zuge der Digitalisierung an ihre Grenzen

Leibrock, Edeltraud Dr KFWWeil die Bankenbranche eine der ersten war, die im großen Stil EDV-basiert arbeitete, steht sie nun vor dem Dilemma, dass Legacy-Systeme, die Jahre und Jahrzehnte weiterentwickelt wurden und einen guten Dienst leisteten, durch die digitale Revolution häufig an ihre Grenzen stoßen. KfW-Vorstandsmitglied Dr. Edeltraud Leibrock  betont: Die Banken müssen nicht nur ihre IT-Architekturen erneuern – auch die Prozesse müssen massiv angepasst werden. Nur so können die Erwartungen der Kunden erfüllt werden.  

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Moderne Technologien für mehr Kundennutzen

Es ist unbestritten: die Auswirkungen der Finanzkrise und die Umsetzung regulatorischer Anforderungen beschäftigen die Banken weiter stark. Dennoch dürfen die Banken nicht den Fehler begehen, nur um diese Themen zu kreisen. Denn die Welt steht nicht still, es gibt noch Herausforderungen!

Dreh- und Angelpunkt für ein Kreditinstitut ist und bleibt ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Und was erfolgreich ist, das bestimmt letztendlich der Kunde. Auch wir in der KfW fragen uns ganz intensiv: Was will eigentlich der Bankkunde heute allgemein – und was will der Kunde einer Förderbank im Speziellen?

Bankkunden fordern transparente Prozesse

Die Erwartungen der Kunden an ihre Hausbank sind groß. Der Kunde will verständliche Bankprodukte. Er möchte verstehen, was er kauft, denn das gibt Sicherheit. Genauso sehr interessiert ihn aber auch, was mit seinen Anliegen oder Antrag passiert. Wie lang dauert es bis zur Zusage seines Kredits und wie, anhand welcher Kriterien, wird entschieden? Kurzum: Der Kunde fordert transparente Prozesse. Daneben spielen auch ethische Werte wie Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit eine zunehmend wichtige Rolle.

Dank moderner Technologie sind wir es gewohnt, uns unabhängig von Zeit und Ort Informationen zu beschaffen, zu kommunizieren und einzukaufen. Das gilt genauso auch für Bankgeschäfte: schnell, bequem und sicher. Daher gewinnen digitale Kommunikations-, Vertriebsund Bearbeitungsprozesse immer mehr an Bedeutung. All das hat immense Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle, die Produkte, die Prozesse, die IT-Systeme und nicht zuletzt auf die Mitarbeiter der Banken. Daher lautet meine These: Das Banking von morgen wird stärker durch die digitale Revolution geprägt als durch die Krise von heute. Sicher gilt immer noch „IT follows Business“, aber: Technologie macht vieles erst möglich, sie verändert unser aller Alltag, unsere Bedürfnisse, unser Verhalten, ja unser Denken. Auch Banken können sich dem nicht verschließen.

Die Legacy-Systeme der Banken stoßen an ihre Grenzen

Und es gibt viel zu tun, denn von der Digitalisierung sind alle Bereiche einer Bank betroffen. Das beginnt in Produktentwicklung und Vertrieb, geht über Entscheidungs- und Bearbeitungsprozesse bis in die Banksteuerung. End-to-end Bearbeitung ohne Medienbrüche mit konsistenter, fehlerfreier Datenverarbeitung wird von der Vision zur Notwendigkeit für Servicequalität, Effizienz und Transparenz – übrigens auch eine zentrale Forderung des Regulators.

Realität ist dies allerdings noch nicht, zumindest nicht flächendeckend. Die Banken waren zwar eine der ersten Branchen, die im großen Stil EDV-basiert gearbeitet haben – mit eigenentwickelten Systemen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten waren. Und darin liegt jetzt genau die Crux: Diese Legacy-Systeme, die Jahre und Jahrzehnte weiterentwickelt wurden und einen guten Dienst getan haben, stoßen durch die digitale Revolution häufig an ihre Grenzen. Für viele Banken ist dies der Anstoß, ihre IT-Architekturen komplett zu erneuern.

Mit IT allein ist es jedoch nicht getan, auch die Prozesse müssen massiv angepasst werden – und all das in Zeiten knapper Ressourcen. Nicht nur Budget, sondern vor allem Mitarbeiter, Fachexpertise und Zeit sind nicht unbeschränkt verfügbar. Da gelangt man schnell zur Frage der Machbarkeit: Was ist in welcher Zeit überhaupt zu schaffen? Das geht nur, wenn Modernisierung und Umsetzung regulatorischer Anforderungen Hand in Hand gehen.

Alle diese Fragen gelten auch für die KfW: auch wir haben Legacy- Systeme, auch für uns gelten regulatorische Anforderungen. Wir haben zwar keine direkte Vertragsbeziehung zu den Endkunden, da wir unsere Förderkredite nach dem Hausbankprinzip über einen Finanzierungspartner vergeben. Doch die Kunden wollen sich über unsere Angebote informieren können, sie erwarten einen gut informierten Ansprechpartner in ihrer Hausbank und eine schnelle Bearbeitung ihrer Anfragen.

Digitaler Prozess der KfW soll Finanzierungspartner mit einbeziehen

Unser Zielbild ist dabei ein vollständig digitaler Prozess, der auch unsere Finanzierungspartner mit einbezieht. Der Kunde soll unsere Produkte kennen, daher bewerben wir sie. Er kann sich auf unserer Internet-Seite ein Bild von unserem Angebot machen und online eine Beratungsanfrage an seine Hausbank stellen. Künftig soll die komplette Beantragung und Zusage eines Förderkredits digital möglich sein. Hierzu haben wir mit Finanzierungspartnern aus allen drei Säulen der Kreditwirtschaft ein Pilotprojekt zur Entwicklung einer Online-Förderkreditplattform aufgesetzt. Unser Ziel ist eine Förderzusage innerhalb weniger Minuten. Die Kreditentscheidung selbst trifft weiterhin die Hausbank, die auch das Kreditrisiko trägt. Wir führen diese neuen Funktionen zunächst für die besonders stark nachgefragten KfW-Produkte zur Finanzierung von Wohnimmobilien ein. Nach und nach wollen wir das Angebot auf weitere KfW-Produkte und auch auf Banken außerhalb des Pilotkreises ausweiten.

Große Veränderungen sind nie einfach. Oft scheint das Gewohnte attraktiver oder doch zumindest sicherer als das Neue. Daher braucht es eine gemeinsame Vision und klare Ziele. Es braucht Menschen, die die Veränderung wollen und treiben – und auch den Mut haben, sich dafür zu exponieren.

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