Aktuelle Herausforderungen des IT-Managements

Prof. Dr. Walter Brenner

von Prof. Dr. Walter Brenner

Es ist im vierten Quartal des Jahres 2015 schon fast eine Binsenweisheit, dass die Digitalisierung massiven Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft hat.

Umfassender Einsatz der Cloud-Technologie, verstärkte Verwendung von Social Media, Verschmelzung der physischen und digitalen Welt durch das Internet der Dinge, Nutzen interner und externer Daten im Sinne von Data Analytics und verstärkte Ausrichtung der Anwendungen auf mobile Verarbeitung haben umfassenden Einfluss auf Geschäftsmodelle, Strategien, Produkte und Dienstleistungen, Prozesse und Infrastrukturen.

Jede Branche und jedes Unternehmen wird von der Digitalisierung herausgefordert werden. Dies erfordert eine umfassende Neuausrichtung der IT-Bereiche. Warum? Nach dem Bersten der sogenannten E-Business-Blase vor ca. 14 Jahren hat sich das IT-Manage ment in den meisten Unternehmen von Innovation abgewendet und sich mit Kosten senkung, Konsolidierung, Zentralisierung und Outsourcing beschäftigt. Diese Ausrichtunghat in vielen  Unternehmen zu einer „Sparsamkeits- und Vorsichtskultur“ geführt. Größte Herausforderung im Rahmen der Digitalisierung ist es, die IT-Abteilung so umzubauen bzw. aufzustellen, dass sie zu einem Partner des Geschäfts wird und einen aktiven Beitrag zur digitalen Gestaltung des Unternehmens leistet. Die IT-Verantwortlichen müssen so in die strategischen Prozesse des Unternehmens eingebunden sein, dass sie ihre in der Regel effektiv vorhandenen Stärken ausspielen können. Warum ist die Ausgangslage für viele IT-Bereiche so schlecht und was ist zu tun, sind die beiden zentralen Fragen. In Anlehnung an den Eiskunstlauf werde ich für die IT-Bereiche ein Pflicht- und Kürprogramm unterscheiden.

Kür und Pflicht der IT-Bereiche

Pflicht des IT-Managements war, ist und wird auch in Zukunft die Gewährleistung eines effizienten, kostengünstigen, sicheren, möglichst reibungslosen und den Anforderungen von Recht, Gesetz und Compliance genügenden IT-Kerns sein. Zu diesem Kern gehören auf der einen Seite die IT-Anforderungen und auf der anderen Seite die Back-End-Applikationen. Jeder, der einmal einen IT-Bereich geführt hat, weiß, dass dies – vorsichtig ausgedrückt – keine „triviale“ Aufgabe ist. Nur wenn die IT-Abteilung diese Herausforderung meistert, ist sie in der Lage am Kürprogramm mitzuwirken. Und hier zeigt sich: Wer sich auf diese Herausforderung in den letzten Jahren nicht vorbereitet hat, scheidet aus, bevor derWettkampf richtig begonnen hat.

Das zentrale Ziel des Kürprogramms lässt sich mit dem Satz „Der IT-Bereich leistet einen aktiven Beitrag zur digitalen Transformation“ umschreiben. Im Mittelpunkt steht Innovation bzw. Mitwirken der IT-Bereiche an Geschäftsinnovationen. Dies bedeutet, dass Änderungen an der IT-Infrastruktur, z.B. der Wechsel auf eine neue Rechnergeneration, in der Regel nicht als Innovation im Zeitalter der Digitalisierung gelten. Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen, Geschäftsmodellen und Prozessen sind gefragt. Der ITBereich kann neue Methoden der Innovation, wie z.B. Design Thinking oder Hackathons, ins Unternehmen tragen.

Design Thinking entwickelt sich immer mehr zu einer zentralen Methode der digitalen Transformation. Sie gewährleistet, dass Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen sowie Prozesse komplexitätsreduziert innoviert werden können. Zudem zwingt Design Thinking dazu, sich auf die Kundinnen und Kunden auszurichten. Die Methode verlangt ein zyklisches und prototypenorientiertes Vorgehen. Dieses Vorgehen gleicht dem von Startups; so können neue Geschäftslösungen für die digitale Welt entwickelt werden.

Jeder Marathon fängt mit dem ersten Schritt an. Diese „Weisheit“ kennt jeder Marathonläufer. In diesem Sinne kann der IT-Bereich einen aktiven, seinen Stärken entsprechenden Beitrag zu digitalen Transformation leisten, wenn er den Kulturwandel anpackt und mit den Aufbau von Kompetenzen in einer Methode, z.B. Design Thinking, beginnt. Am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen haben wir für viele Unternehmen erfolgreich am Kulturwandel von IT-Bereichen mit Hilfe von Design Thinking mitgewirkt. Es ist hingegen jedem IT-Profi klar, dass dies nur ein erster Baustein zur Bewältigung des digitalen Wandels sein kann.

Prof. Dr. Walter Brenner, University of St.Gallen Institute of Information Management

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