Steuern zahlen im Iran: Kulturschock vermeiden!


Iran Steuern

Wenn Sie planen, im Iran zu investieren, werden Sie dort logischerweise auch Steuern zahlen.  Tino Boller und Dirk Nolte von Ernst & Young geben Ihnen in diesem Artikel wertvolle Tipps, welche Regeln für deutsche Unternehmen beim Zahlen von Steuern im Iran gelten.

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Mit dem Wegfall der wesentlichen Sanktionen gegen den Iran im Januar dieses Jahres gibt es für die deutsche Industrie einen zusätzlichen interessanten Markt im mittleren Osten – der Iran ist wieder da. Investieren heißt regelmäßig auch Steuern zahlen bzw. keine Steuern zahlen, sofern man eine der regional bzw. industriebezogenen Tax Holidays in Anspruch nehmen kann.

Und natürlich gehen deutsche Investoren mit dem Ziel in den neuen Markt, auch dort compliant zu sein. Aber wie man das von vielen anderen Schwellenländern kennt, ist das oft leichter gesagt, als getan. Das fängt im Iran schon damit an, dass die Bücher lokaler Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften in Farsi geführt werden müssen. Ein Alptraum für die interne Revision.

Mit Blick auf die Steuerpolitik muss man verstehen, dass die iranische Staatsführung sich vorgenommen hat, die Abhängigkeit von den Einnahmen aus dem Ölhandel zu reduzieren. Die Erhebung von Steuern wird als geeigneter Ersatz zur Finanzierung des Staates angesehen. Im Jahr 2015 wurde verkündet, dass zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert mehr Einnahmen aus Steuern als aus dem Ölhandel erzielt wurden. Dieses politische Ziel geht einher mit einer umfangreichen Steuerreform, die im März 2016, dem Beginn des iranischen Steuerjahrs, in Kraft getreten ist.

Deutsche Unternehmen sind dabei gegenüber vielen europäischen Wettbewerbern im Vorteil: Anders als für viele andere europäische Staaten gibt es zwischen Deutschland und dem Iran ein Doppelbesteuerungsabkommen, in dem sich beide Staaten schon 1968 darauf verständigt haben, welche Regeln für deutsche Investoren im Iran (und auch umgekehrt) gelten sollen. Doch ein Abkommen zu haben ist das eine, die praktische Umsetzung vor Ort muss erst einmal gewährleistet sein. Und darauf kann man sich in einem Land, das viele Jahre vom internationalen Handel weitestgehend abgeschnitten war, nicht immer verlassen.

Zwar gibt es im Iran zweifelsohne eine funktionierende Steuerverwaltung, ihren Mitarbeitern fehlt aber in vielen Fällen gerade die Erfahrung mit grenzüberschreitenden Transaktionen. Viele konkrete „Regeln“ sind auch gar nicht in einem Gesetz festgeschrieben, sondern die besten Verhaltensempfehlungen beruhen auf üblichen Gepflogenheiten und den Erfahrungen der lokalen Akteure. Für einen erfolgreichen Start im Iran ist daher fachkundige Begleitung vor Ort durch Berater, die Sprache, Kultur und Gebräuche kennen, unerlässlich.

Die Autoren

Nolte,-Dirk Boller,-Tino EY

Dirk Nolte und Tino Boller von EY sind Referenten bei der Handelsblatt Konferenz Iran im Dezember in Berlin und Experten für Steuern im Iran.