Geschäfte im Iran – Besonderheiten der persischen Kultur


Michael Gorges Besonderheiten der persischen Kultur

Michael Gorges arbeitet als Trainer, Coach und Lehrbeauftragter für interkulturelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Iran. Für Geschäftsreisende hat der Iran-Experte einen wichtigen Tipp: Beschäftigen Sie sich vorab mit der persischen Kultur!

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Herr Gorges, wann waren Sie zum ersten Mal im Iran? Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung vor Ort?

Michael Gorges: Meine erste Reise in den Iran fand Anfang August 1979 statt, ein paar Monate nach dem Ende der Islamischen Revolution. Ich bin damals in den Iran gereist, um zu heiraten und hatte keine Vorstellung davon, was es bedeutet, sich in einem fremden Land in einer nachrevolutionären Situation zu bewegen. Ayatollah Khomeini und seine Mitstreiter hatten bekanntlich am 1. Februar 1979 offiziell die Macht übernommen. Es gab noch keine funktionsfähige Verwaltung und keine Sicherheitskräfte wie Polizei und Militär. Überall im Land waren bewaffnete Gruppen unterwegs, die nach Ausländern und „Konterrevolutionären“ suchten. Bei meiner Ankunft am Flughafen Mehrabad kamen mir zahlreiche Ausländer und auch Iraner entgegen, die im Begriff waren, das Land zu verlassen. Das fand ich etwas befremdlich, habe diesen Eindruck aber irgendwie ausgeblendet. Wir wohnten damals gegenüber der Universität und erlebten allabendlich die teils gewalttätigen Demonstrationen der verschiedenen politischen Gruppierungen, die Khomeini zu Beginn der Revolution noch unterstützt hatten, sich danach aber von den neuen Machthabern übervorteilt fühlten, was faktisch auch zutraf und nun gegeneinander kämpften. Diese Uneinigkeit und die fehlende Bereitschaft miteinander zu kooperieren, hat letztendlich zu einer Stabilisierung des neuen Systems erheblich beigetragen.

Was fasziniert Sie an der persischen Kultur?

Michael Gorges: Es gibt viele Dinge, die an der persischen Kultur faszinierend sind. Zum einen ist sie weltweit eine der ältesten Kulturen überhaupt. Zum anderen hat sie einen großen Einfluß auf die griechische und römische Zivilisation ausgeübt und damit auch auf die Entwicklung im gesamten europäischen Raum. Die Perser haben die ersten bedeutenden Schrift-Religionen geschaffen (Zorastrismus und Manichäismus). Das Christentum und der Islam haben wesentliche Inhalte davon übernommen. Sie haben das dualistische Prinzip im Denken eingeführt, das Denken in Gegensätzen, haben die Kochkunst erfunden, die Möbel und die Tischsitten. Das höfische Benehmen und das Gottesgnadentum, das von allen späteren Monarchien kopiert wurde. Vor allem haben die alten Perser ein funktionsfähiges Verwaltungssystem geschaffen, das die Europäer später übernommen haben. Sie waren in den Künsten und den Wissenschaften über die Jahrhunderte führend.

Wie hat sich das Land in Ihrer persönlichen Rückschau über die Jahre verändert?

Michael Gorges: Dazu müsste man die sozialen und politischen Verhältnisse in Iran vor und nach der Revolution miteinander vergleichen. Das würde an dieser Stelle zu viel Raum einnehmen. Aus meinen nunmehr 37 Jahren Erfahrung mit Iran und mit der persischen Kultur sehe ich die iranische Gesellschaft an einem Scheideweg angekommen. Die Monarchie als Staatsform wurde von einem konservativen klerikalen politischen Ordnungssystem abgelöst, das weder moderne noch demokratische Merkmale aufweist, und diese aufgrund seiner Prinzipien (Herrschaft des anerkannten Rechtsgelehrten) auch gar nicht entwickeln kann. Das politische System in Iran orientiert sich an der Vorstellung eines gerechten Gemeinwesens, dessen Kern in der Anfangszeit des Islams schiitischer Prägung verwurzelt ist. Also ein vor-modernes Staatswesen innerhalb einer Gesellschaft, die starken sozialen und gesellschaftlichen, auch kulturellen Umbrüchen und Widersprüchen ausgesetzt ist. Die Bevölkerung z. B. hat sich in den zurückliegenden 36 Jahren mehr als verdoppelt auf 80 Mio. Menschen. Das Bildungsniveau ist im Vergleich zur Schah-Zeit enorm gestiegen. Fast 90 % aller Iraner können lesen und schreiben. Mehr Frauen schließen heute ihr Studium ab als Männer und sie sind sehr selbstbewußt und leistungsorientiert. Allerdings ist der gesellschaftliche Konsens, das früher stark ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl, in den letzten 20 Jahren stark erodiert. Der Umgang der Iraner miteinander hat sich sehr verändert, was zum Teil auch auf die wirtschaftliche Gesamtsituation zurückzuführen ist. Es gibt heute eine Vielzahl von sozialen Problemen, die vor 20 oder 30 Jahren kaum vorstellbar waren und für die es bislang keine Lösungen gibt.

Gibt es eine „goldene Verhaltensregel“ für geschäftliche Beziehungen im Iran?

Michael Gorges: Die eine „goldene Verhaltensregel“ gibt es leider nicht, eher ein ganzes Bündel an Verhaltensregeln, die man kennen sollte. Gute Vorbereitung im Sinne einer Beschäftigung mit der persischen Kultur. Das sollte im Rahmen eines kulturspezifischen Trainings erfolgen, das über die üblichen Dos and Don’ts hinausgeht. Denn die Kultur ist das, was unser Denken und Handeln bestimmt. Iraner reagieren sehr positiv auf Geschäftspartner, die ihre Kultur wertschätzen.

In Ihrer Tätigkeit als Business Knigge-Coach wurde Ihnen bestimmt auch von dem ein oder anderen „interkulturellen Faux Pas“ berichtet – welche Anekdote ist Ihnen besonders im Gedächtnis hängengeblieben?

Michael Gorges: Ein deutscher Geschäftsmann, der seinen Rückflug gleich für den nächsten Tag gebucht hatte, weil er dachte, nach einem kurzen Small-Talk könne man sofort übers Geschäftliche sprechen und sich wunderte, dass sein iranischer Geschäftspartner scheinbar gar nicht am Geschäft interessiert war, sondern ihn in ein langes Gespräch zu „verwickeln“ versuchte. Er wußte einfach nicht, dass Iraner stark beziehungsorientiert denken und im Gespräch zunächst einmal herausfinden wollen, ob sich eine Geschäftsbeziehung aufbauen läßt. Ganz schlecht wirkt es, wenn wir Deutschen glauben, unsere Vorstellung von „Pünktlichkeit“ dem polychronen persischen Zeitverständnis anpassen zu können. Deutsche werden auch im Iran stets an ihren Besonderheiten gemessen.

Mit welchen Fragen über die deutsche Business-Kultur kommen iranische Kunden auf Sie zu?

Michael Gorges: Wenn es z. B. um Vertragstexte geht. In Deutschland gilt die schriftliche Vereinbarung, Iraner dagegen müssen Verträge „mögen“. Oder das deutsche Zeitverständnis und welche Rolle vereinbarte Fristen und Deadlines spielen oder, ob es zeitliche Spielräume gibt. Häufige Missverständnisse verursacht auch die deutsche Art der direkten Kommunikation, die sehr schnell für „Unwohlsein“ auf iranischer Seite führen kann. Dies sind nur einige Probleme, die in der Begegnung mit deutschen Gesprächspartnern auftreten können.

Michael GorgesMichael Gorges M.A. arbeitet als Trainer, Coach und Lehrbeauftragter für interkulturelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Iran. Er beschäftigt sich mittlerweile seit mehr als 37 Jahren mit dem Iran und der persischen Kultur. Nach Abschluß des Studiums arbeitete er über 20 Jahre für iranische und in iranischen Unternehmen. Er ist ebenso Fachbuchautor und veröffentlichte die bislang einzige deutschsprachige Publikation im Bereich Business-Literatur zum Iran, den „Business Knigge Iran“.

Kontaktdaten:
www.michaelgorges.de /  mail@michaelgorges.de

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