Blauer Wasserstoff als Booster für die Transformation der Industrie

Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für eine erfolgreiche Energiewende und insbesondere bei der Dekarbonisierung der Industrie. Der Aufbau von Kapazitäten für die Produktion von grünem Wasserstoff ist bereits in vollem Gange, wird jedoch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Blauer Wasserstoff kann hier ein entscheidender Baustein sein, um den Wasserstoffmarkt zeitnah hochzufahren und schnell Emissionen zu reduzieren. Equinor setzt beim Wasserstoff auf beide Farben, um die steigende Nachfrage nach CO2-armem Wasserstoff zu bedienen.

An Wasserstoff führt in der deutschen Energiewende kein Weg vorbei: Seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen das Gas zu einem Energieträger mit großem Potenzial. Im Zusammenhang mit der deutschen Energiewende gilt dabei grüner Wasserstoff als Königsweg, um die Emissionen in der Industrie und Teilen des Verkehrssektors deutlich zu reduzieren. Auch die von der Bundesregierung verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie fokussiert sich auf grünen Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.

In der politischen Diskussion herrscht jedoch keinesfalls Einigkeit: Experten weisen darauf hin, dass in den nächsten Jahrzehnten der Bedarf an grüner Energie enorm steigen werde. Equinor investiert bereits heute in Produktionskapazitäten für Strom und Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen. Im Rahmen des Projekts AquaSector beabsichtigt Equinor gemeinsam mit den Partnern RWE, Shell und Gasunie, bis 2028 rund 300 MW Elektrolyseurleistung für grünen Wasserstoff zu errichten. Die Partner sehen das AquaSector-Projekt auch als „Proof of Concept“ für die Realisierung der AquaVentus-Vision, bis zum Jahr 2035 bis zu 10 Gigawatt Elektrolysekapazität zu installieren und den produzierten grünen Wasserstoff über eine erweiterte Leitung zum deutschen Festland zu transportieren. Auch international arbeitet Equinor an zahlreichen Projekten für den Hochlauf von grünem Wasserstoff. Dieses Vorhaben und zahlreiche Projekte von Energieunternehmen weltweit können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der steigende Bedarf an Wasserstoff für die Industrie in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich nicht allein mit grünem Wasserstoff gedeckt werden kann. Emissionsarmer blauer Wasserstoff kann einen wichtigen Beitrag leisten, um grünem Wasserstoff den Weg zu ebnen und die Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen.

Die Herstellung von blauem Wasserstoff erfolgt aus Erdgas durch Methanreformierung mit anschließender Speicherung des dabei entstehenden CO2 unter dem Meeresboden (CCOS, Carbon Capture and Offshore Storage). Die Methanreformierung ist ein erprobtes Standardverfahren, das seit vielen Jahren erfolgreich für die Herstellung von Wasserstoff eingesetzt wird. Anders als bei der bisher meistverbreiteten Anwendung des Verfahrens scheidet Equinor bei der Herstellung das entstehende CO2 ab und speichert es langfristig hunderte bis tausende Meter unter dem Meeresboden. So gelangt praktisch kein CO2 in die Atmosphäre, der hergestellte Wasserstoff ist nahezu klimaneutral.

Der Vorteil: Durch dieses Verfahren kann Wasserstoff als emissionsarmer Energieträger schon bis 2030 in großen Mengen zuverlässig zur Verfügung stehen. Eine gute Nachricht für die deutsche Industrie, deren baldige Investitionsentscheidungen davon abhängen, welche Energieträger zeitnah zur Verfügung stehen.

Im Rahmen von H2morrow, einem gemeinsam von Equinor, dem Gasfernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) und Thyssengas sowie dem Stahlhersteller thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) vorangetriebenen Projekt, geht es um den Betrieb des größten deutschen Stahlwerks in Duisburg auch mit blauem Wasserstoff. In einer 2019 veröffentlichen Machbarkeitsstudie wurde bestätigt, dass die Versorgung des Duisburger Stahlwerks mit blauem Wasserstoff technisch möglich ist. Was allerdings noch fehlt, sind geeignete regulatorische und politische Rahmenbedingungen. Denn wenn im näheren Umkreis des Stahlwerks in Duisburg blauer Wasserstoff hergestellt werden soll, muss das abgeschiedene CO2 per Schiff zu den geeigneten Speicherstätten nach Norwegen transportiert werden. Der CO2-Transport auf dem Seeweg ist allerdings rechtlich nicht geregelt. Auch müssen die höheren Herstellkosten für klimafreundliche Produkte im internationalen Kontext berücksichtigt und neue Märkte für grüne Grundstoffe etabliert werden. Nur wenn die Bedingungen für weitere Investitionen klar sind, kann Deutschland das Ziel Treibhausgasneutralität weiterverfolgen –ohne dabei seine Wirtschafts- und Innovationskraft sowie die Versorgungssicherheit zu gefährden.