Strukturbruch in der Büroimmobilienlandschaft?!


Dr. Michael Brandl

Interview mit Dr. Michael Brandl, Geschäftsführer, KENSTONE GmbH

Wie entwickelt sich der Trend zum Homeoffice?

Homeoffice bietet neben unbestrittenen Vorteilen auch eine Reihe an Nachteilen. Es reduziert die soziale Interaktion und den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, verwischt die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem und führt möglicherweise zu familiären Stresssituationen, es verlangt eine höhere Selbstdisziplin und kann nebenbei die die berufliche Weiterentwicklung behindern.

Auch darf nicht vergessen werden, dass auch ein Homeoffice-Arbeitsplatz den strengen Regeln des Arbeitsschutzes und der Datensicherheit gerecht werden muss, um als dauerhafte Alternative zum Büro-Arbeitsplatz bestehen zu können.
Unsere Mitarbeiter bevorzugen daher auch einen gesunden Mix aus Präsenz und Homeoffice-Anteilen.

Wie wird sich der Trend zum Homeoffice auf die Büro-Vermietung voraussichtlich auswirken?

Es scheint die Möglichkeit von Flächeneinsparungen durch Verringerung des Präsenzanteils zu gegeben. Die Flächeneinsparungen halten sich meines Erachtens jedoch in Grenzen. WCs, Kaffeeküchen, Archivräume können i.d.R. nicht einfach halbiert werden, sollten 50% der Mitarbeiter von alternativen Standorten aus arbeiten. Im Gegenzug würden vermutlich bei den verbliebenen Arbeitsplätzen die Abstandsflächen vergrößert und das Flächenangebot flexibilisiert.

Auch eignet sich längst nicht jeder Büro-Job für eine Verlagerung ins Homeoffice.
Großunternehmen könnten einzelne Gebäude an den Headquarter-Standorten freisetzen, würden dann aber vermutlich im Gegenzug neue Hub-Standorte etablieren, um Arbeitswege zu minimieren und den Corporate-Spirit zu forcieren.
Große Unsicherheit bestehen aber noch hinsichtlich der Auswirkungen der Pandemie auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit für viele Unternehmen. Das Auslaufen staatlicher Unterstützungsmaßnahmen, wie dem Insolvenzschutz oder den Kurzarbeiterhilfen kann noch zu deutlichen Schwankungen bei Flächenangebot und -nachfrage führen.

Welche Auswirkung auf Büro-Mieten beobachten Sie?

Über mehrere Jahre beobachteten wir einen starken Nachfrageüberhang, durch den viele Gesuche gar nicht bedient werden konnten. Die Projektpipeline hat sich in den letzten Quartalen nur verhalten entwickelt, aber die Vorvermietungsquoten sind nach wie vor hoch. Das könnte die zur Zeit eher verhaltene Nachfrage erst einmal aufwiegen.
Wir beobachten noch keinen auffälligen Rückgang von Neuvertrags(nominal)mieten, eher eine Tendenz zur Abflachung der Steigerungsraten. Geringfügig steigende Incentives führen eher zu einer Stagnation des Real-Mietniveaus.

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