Interview mit Prof. Dr. Götz E. Rehn


Prof. Dr. Götz E. Rehn

Prof. Dr. Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer von Alnatura

Alnatura ist Anfang des Jahres auf den Campus gezogen. Wie sind bisher die Reaktionen der Mitarbeiter?

Die Kolleginnen und Kollegen hatten sich bereits im Vorfeld sehr auf den Umzug in unsere neue Alnatura Arbeitswelt in Darmstadt gefreut. Die freudige Erwartungshaltung hat sich bestätigt: Wir alle haben uns sehr schnell eingelebt und die Resonanz ist äußerst positiv.

Der Alnatura Campus ist europaweit das größte Bürogebäude, dessen Außenfassade aus Lehm gebaut ist. Was waren rund um den Bau die größten Herausforderungen?

Die Abstimmung mit den Behörden ist recht aufwändig, wenn man ein unkonventionelles Gebäude errichten möchte, das nicht in die bisherigen Rechtsnormen passt. Insbesondere für die Lehmfassade war viel Überzeugungsarbeit bei den Ämtern notwendig.

Das Gebäude besteht im Grunde aus einem einzigen Raum, der sich über alle Geschosse erstreckt. Die Konzepte für Belichtung, Klimatisierung und Akustik mussten deshalb sehr genau aufeinander abgestimmt werden

Warum haben Sie sich ausgerechnet für das Material Lehm entschieden und nicht zum Beispiel für Holz?

Lehm hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Raumklima, sondern auch auf die Akustik. Beides war uns sehr wichtig, da wir auf eine Klimaanlage verzichten wollten und in einem offenen Raumkonzept arbeiten.

Wichtig war uns auch, dass die Materialien aus der Region stammen: Der Lehm für die Außenfassade stammt aus dem Westerwald, vermischt mit Lavaschotter aus der Eifel und recyceltem Material aus den Tunnelaushub von Stuttgart 21.

Auch Holz ist ein sehr guter und nachhaltiger Werkstoff für Gebäude. Das Alnatura Hochregallager in Lorsch haben wir deshalb komplett aus Holz errichtet.

Spüren Sie durch die „Fridays for Future-Bewegung“ und einem gefühlt größeren Interesse an Nachhaltigkeit mehr Interesse an Ihrem Unternehmen als Arbeitgeber, vielleicht auch vor allem von jüngeren Generationen?

Das Interesse der Kundinnen und Kunden an den Alnatura Unternehmensinitiativen ist schon immer sehr hoch. Verstärkt hat sich dies noch einmal durch das aktuelle Engagement der jungen Menschen gegen den Klimawandel.

Sichtbar wird dies auch am Interesse an offenen Stellen in unserem Unternehmen: Bis zu 200 Bewerbungen sind für Alnatura keine Seltenheit.

Nachhaltige und Bio-Produkte erleben derzeit einen großen Boom. Sie haben ein gutes Gespür für aktuelle und wichtige Themen bewiesen. Können Sie einen Blick in die Zukunft wagen – was wird aus Ihrer Sicht das entscheidende Thema der Zukunft?

Entscheidend wird sein, ob es uns gelingt, die drohende Klimakrise abzuwenden. Die konsequente Förderung des Bio-Landbaus ist aus meiner Sicht unabdingbar.

Ganz generell ist aber ein radikales Umdenken notwendig: Der Mensch und nicht die Wirtschaft sollte im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns stehen. Sinn- statt Gewinnmaximierung ist das Gebot der Stunde!