Wir investieren 60 Mio. Euro in Digital Health Startups

von Fabian von Trotha

Für uns als Venture Capital Investor ist jetzt der Zeitpunkt, einen anlaufenden Innovationsprozess durch gezielte Investments zu beschleunigen. Die Covid-19 Pandemie hat deutlich gezeigt,
wie wenig digital das Gesundheitswesen in Deutschland noch immer ist. Digital Health-Lösungen können Versorgungslücken schließen. Dabei ist es irrelevant, ob diese durch eine Pandemie hervorgerufen werden oder ohnehin schon existieren, wie beispielsweise bei Fachärzten oder in ländlichen Regionen.

Remote Healthcare, Lifestyle, Improvement, People in Need
Uns interessieren Geschäftsmodelle in der Schnittmenge von Gesundheitsmarkt, Digitalisierung und Technologie. Überall dort, wo Wearables Daten erheben und ärztliche Therapien überwachen, prüfen wir die Geschäftsmodelle. Auch Gründungen, die auf Pattern Tracking und die individuelle Erstellung von Plänen für prophylaktisches Training oder gesundheitsfördernde Ernährung setzen, interessieren uns. Gleiches gilt für Apps oder Services, die sich mit der Versorgung oder Pflege von bedürftigen Menschen und chronisch Kranken oder mit Präventionsmaßnahmen beschäftigen. Wir hoffen, KI- oder Machine Learning getriebene Geschäftsmodelle zur Verbesserung der klinischen Prozesse bis hin zur Diagnose zu sehen. Wir denken dabei z.B. an digitale Patientenakten, Big Data-Auswertungen, Picture Recognition und weitere Lösungen, die wir noch gar nicht kennen.

Unsere Vision: Neue Wege zur Diagnose
Wo wir als Investor hinwollen, sind KI-gestützte, durch Machine Learning gestützte, fachbereichsübergreifende Diagnosen. Technologie, die von Fachärzten mit Fakten gefüttert wird, und dann die zutreffende Diagnose liefert. Wir haben jetzt die große Chance, die Medizin von der hypothesengestützten Differenzialdiagnose hin zu einer rein faktengestützten Diagnose weiterzuentwickeln. Wir können mit Digital Health Anwendungen die Diagnostik hypothensenfrei und damit um ein Vielfaches effizienter machen. Leistungsfähig genug sind digitale Technologien schon längst. Allein die Produkte fehlen. Packen wir es an! Was Digital Health von anderen Tech-Lösungen unterscheidet, sind die extrem hohen Komplexitätsgrade. Es gibt ein hohes Maß an Regulierung und damit verbundenen Haftungsfragen. Es wird in vielen Fällen eine Kombination aus Software und Hardware geben. Und es wird häufig Geschäftsmodelle mit Mehrparteienbeziehungen geben: Patient, Arzt, Krankenhaus, Versicherung, Pharmaunternehmen, Apotheke, Labore und viele mehr haben ihre Interessen und teilweise miteinander verbundene komplexe Wertschöpfungsketten.

Unsere Forderung: Komplexität reduzieren
Mit jedem weiteren Komplexitätsgrad wächst unser Risiko als Investor. Risiken sind wir bereit einzugehen, wenn wir sehen, dass die Gründer sich derer ebenso bewusst sind und damit umzugehen wissen. Wir werden investieren, wenn wir sehen, dass die Gründer die hohen Komplexitätsgrade, die Digital Health-Lösungen mit sich bringen, sehen und uns glaubhaft versichern, diese realistisch
einzuschätzen. Am besten dadurch, dass sie schon Lösungsansätze haben, oder wenigstens dadurch, dass möglichst präzise Arbeitsschritte dazu definiert sind.

Die Digitalisierung im Gesundheitssektor wird schneller und besser funktionieren, wenn Daten möglichst allen Stakeholdern zur Verfügung stehen. Das Gesundheitswesen neigt dazu, Datensilos zu langsam abzubauen. Wir investieren nicht in Datensilos, die von den Stakeholdern einer Anwendung neu geschaffen werden. Wir sehen heute im Gesundheitswesen eine große Anzahl an Problemlösungsansätzen, die jedoch das Gesamtbild nur marginal vereinfachen. Was wir brauchen, ist ein revolutionärer Aufschlag mit zentral gepflegten Datensätzen, auf die alle zugreifen können. ■

Fabian von Trotha, Managing Partner,
Dieter von Holtzbrinck Ventures

www.dvhventures.de

Dieter von Holtzbrinck Ventures …
… ist einer der aktivsten Early Stage Investoren in Deutschland und baut erfolgreiche Investment Cluster auf. Im August 2020 wurde das First Closing für einen Digital Health-Fonds abgeschlossen. Rund 60 Mio. Euro werden wir in digitale Gesundheitslösungen investieren. Dabei unterstützen wir Gründer im Rahmen einer Seed- oder Series A-Runde mit bis zu 2 Mio. Euro und halten Reserven bereit, um bei weiteren Finanzierungsrunden wieder zu investieren.

Fotos: dvhv, Getty Images